20. Dezember: Therapiesitzung.

Heute war ich bei der schlauen Frau. Schon vorher angespannt. Ich schämte mich immernoch sehr dafür, dass ich mich wieder selbstverletzt habe.

Ich wusste, was sie sagen würde. Dass sie wieder an mich appeliert. Dass ich mehr auf mich achten muss, weil ich den Zugang verliere. Wieder mal.

Sie fing das Gespräch an:

Ich habe gesehen, dass Sie am Freitag versucht haben anzurufen.

“ Oh. Ja. Stimmt. Aber ist nicht schlimm, dass Sie nicht dran gegangen sind. War eh nur einmal. Schon okay“

Worüber möchten Sie denn heute sprechen?

„Ja, es geht mir gar nicht gut die letzten zwei Wochen“ Und die Tränen stiegen mir schon in die Augen. Ich erzähle, dass sich alles nach Null anfühlt. Dass ich denke, ich werde niemals alleine zurecht kommen. Dass ich mich frage, wie ich überleben soll, wenn wirklich mal was schlimmes passiert. Jemand stirbt, der mir sehr, sehr nahe steht. Wenn ich doch schon bei meinem Partner solch riesige Verlustängste habe und es sich anfühlt, als könne ich alleine nicht überleben.

Dabei war ich doch schon weiter als das.

Und, wissen Sie, wieso das aktuell so ist?

„Nein. Keine Ahnung.“ (Natürlich wusste ich es)

Ich denke ja, dass sie wieder mehr Zeit bei sich sein sollten. Ich glaube, dass aktuell wieder ganz stark aktiv ist, dass Sie sich nicht entscheiden. Sie entscheiden sich nicht, für sich zu sorgen. Oder eine harmonische Beziehung zu führen. Sie nehmen die destruktive Situationen und Verhaltensweisen und Beziehung, wie sie ist. Und harren darin aus. Dabei wollen Sie das ja eigentlich nicht. Denn es tut ihnen ja nur weh.

„Ja. Und ich habe mich auch wieder selbst verletzt. Und ich weiß, dass ich mich vernachlässigt habe und es deswegen passiert ist. Weil in dem Moment die ganzen Gefühle kamen, die ich die ganzen zwei Wochen unterdrückt habe. Dazu Überforderung. Enttäuschung. Schuld. Ganz viel Schuld. Ich habe mich einfach nicht um die kleine in mir gekümmert. Erst nachdem ich mich dann verletzt hatte. Da habe ich das erste Mal imaginär Kontakt aufgenommen.“


Zunächst verstehe ich sie falsch. Ich habe das Gefühl, auch sie will, dass ich mich FÜR oder GEGEN die Beziehung entscheide. So wie meine Freunde. Ich meine, klar. Für Außenstehende ist es ja nur destruktiv. Aber am Ende geht es doch um uns. Ihn und mich. Und um unsere Gefühle füreinander. Und wir wissen, dass wir so nicht weitermachen können.

Ich spreche das Gefühl aus und sie sagt ich würde sie falsch verstehen. Es ginge ihr nicht darum, dass ich mich trenne oder erkenne, dass die Beziehung beendet werden sollte. Es ginge ihr darum, dass ich mich für MICH entscheide.

Dass ich entscheide Geduld aufzubringen, um meine Routinen zu festigen. Denn sie glaubt, ich gebe zu schnell auf. Ich baue mir eine neue Routine auf, dann läuft es etwas besser und dann lasse ich sie fallen.


„Aber im Sommer war es eben auch richtig gut zwischen uns. Wir konnten streiten ohne destruktiv zu werden. Ohne uns so sehr zu verletzen.“

Ja, aber im Sommer war Ihre Situation auch nicht so herausfordernd. Aktuell haben Sie eben ein hohes Belastungslevel. Da ist es besonders wichtig, dass Sie bei sich bleiben und für sich sorgen. Ich glaube, dass sie aktuell wieder von Ihrem Partner wollen, dass der das für sie ausgleicht.


Zur Selbstverletzung sagt sie, dass ich den Scham nutzen kann. Also ja, Scham ist etwas negatives. Aber kann ihnen ja auch positiv dienen.


Nutzen Sie den Scham, um sich beim nächsten Mal daran zu erinnern. Und, dass Sie dieses Gefühl nicht wollen. Ebenso wie Ihre Kopfschmerzen. Das ist natürlich nicht schön. Aber vielleicht hilft es ihnen und hemmt sie bei einem potentiellen nächsten Mal.

„Mh“

Zum Ende hin fragte sie dann: Also nehmen Sie sich nun vor, wieder mehr Zeit bei sich zuhause zu verbringen?


Stille. In meinem Kopf: Chaos. Alarm. Ich kann doch auch bei ihm alleine Zeit verbringen. Ist das nicht dasselbe? Wieso soll ich dafür nach Hause? Außerdem ist eh Weihnachten, da sind wir doch eh komplett zusammen. Aber stimmt, dazwischen sind Tage, da KÖNNTE ich auch mal heim gehen. Aber ne, wieso? Geht doch auch so.

„Wissen Sie, ich fange im Kopf immer an mit mir selbst zu verhandeln. Ich schaffe es ja mittlerweile auch bei ihm alleine zu sein und was für mich zu machen. Zum Beispiel xy oder in der Situation xyz.“

Und so verhandel ich auch mit ihr. Wie bescheuert. Alles nur, weil ich nicht heim gehen will.

Das Ende hiervon bleibt offen. Sowohl in meinem Kopf, als auch in der Therapie.

Fakt ist jedoch: Ich soll(te) mich wieder an eine Routine der Selbstfürsorge machen und versuchen, diese durchzuziehen. Zu verinnerlichen und Geduld zu haben. Mit mir.


Nichtsdestotrotz fühlte ich mich am Ende irgendwie besser. Aufgeräumter. Freier von der Schuld mir gegenüber. Und gleichzeitig auch unendlich müde.


Reminder

Self care is how you take your power back!

Unknown

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.