… was die schlaue Frau sagt.

Es wird besser. Seit der Therapie-Sitzung fühle ich mich etwas aufgeräumter.

Ich kann die Reize etwas besser verpacken und mich kopftechnisch besser sortieren. Mit dem Partner ist es immernoch leicht angespannt, ich müsste wohl einfach mal wieder für eine Nacht nach Hause gehen.

Wobei… wer sagt das eigentlich?

Die schlaue Frau sagt nämlich, es sei in unsicheren Zeiten (wie gerade) auch völlig legitim, den Partner näher bei sich haben zu wollen.

Ja, aber bei mir nicht. Ich habe kein Vertrauen in mich und meine Entscheidungen, weil ich nicht differenzieren kann zwischen „destruktives Muster Partner“ oder wirkliches „Nähebedürfnis weil unsicher“.

Sie sagt, dass ich gerade nunmal wieder im offenen Meer schwimmen würde und, dass die Muster sich halt einschleichen, weil es gerade wieder schwieriger wird. Und man da nunmal „leichter“ zurecht kommt, wenn man die Muster anwendet, die man über Jahre angewandt hat. Und dann die neuen, funktionalen Muster etwas in den Hintergrund rücken.

Sie sagt, dass das nicht schlimm sei. Erinnert mich an das „üben im offenen Meer zu schwimmen“. Und am Ende glaube ich gibt auch, dass es kein „ausgeheilt“ oder „voll von funktionalen Mustern“ gibt.

Hat sie ja auch oft gesagt…dass das Ziel nicht ist „destruktive Muster auszulöschen“, sondern sie zu „erkennen und einen konstruktiveren Umgang damit zu finden“.

Die Muster selbst sind da und werden es auch bleiben.
Sie werden sich immer wieder mal an die Oberfläche drängen.
In jeder unsicheren Zeit.
Und dann liegt es an mir.

Die Tatsache, dass ich die Muster erkannt habe, zeigt schon Fortschritt. Sagt die schlaue Frau.

Der Kritiker sagt natürlich was anderes.
Er sagt eher sowas wie „siehst du, alte Muster. Wieder nix geschafft in 2 Jahren Therapie“.

Daher tat es wohl auch gut, bei der schlauen Frau zu sprechen, zu weinen und mich einfach mal so zu zeigen, wie ich mich die letzten Wochen fühlte: absolut überfordert.

Dazu dann die Familienfeier… die Tatsache, dass mein Papa auf einer etwas längeren Autofahrt nur wenig mit mir kommunizierte, was ich versucht habe als „naja, ich bin jetzt groß, da ist die Beziehung zwischen uns nunmal anders“ einzuordnen, anschließend verdrängte und dann doch schluchzend wie ein kleines Kind davon erzählte, als ich vor der schlauen Frau saß.

„Weil Sie das so nicht kennen von ihrem Vater“ sagt die schlaue Frau.

„Ja. Weil er früher anders war. Nicht nur früher, auch vor ein paar Jahren noch. Und weil ich mich hilflos fühle in diesen Momenten. Weil ich das ‚früher‘ wieder haben will.“

Die schlaue Frau sagte auch mal, dass jedes Kind seine Eltern auf ein Podest stellt. Und, dass die Ablösung davon für Kinder oft schmerzhaft sei. Wenn man erkennt, dass die Eltern doch nicht alles richtig gemacht haben/machen und uns (ihre Kinder) auch mal verletzen (unabsichtlich bzw. unbewusst am besten).

Und je älter man wird, desto bewusster wird es einem.
Dass die Bindung sich verändert.
Und das tut noch immer irgendwie weh.
In manchen Momenten.

Wir kamen zum Ende zurück auf die aktuelle Überforderung. Überlegten, wer mir dabei wie helfen kann. Sie griff noch einmal das Nähe-Bedürfnis auf. Sie sagte „Vielleicht ist das aber eher wieder der perfektionistische Teil in Ihnen, der sich nicht erlaubt, auch mal ’schwächer‘ zu sein. Das andere Extrem. Sie versuchen sich nun strikt Nähe zum Partner zu verbieten. Dabei ist es absolut (ich wiederhole mich) legitim, in solchen Phasen Nähe vom Partner zu suchen. Solange dies für das Gegenüber auch noch in Ordnung ist natürlich.“

Auf einmal war die Zeit um, ich aber noch gar nicht fertig. Da war so viel mehr, was ich noch hätte loswerden wollen. Wir machen einen Termin für in 2 Wochen aus. Vier wären mir sicherlich einfach zu lang.


Und jetzt ist es okay. Sortierter. Ruhiger im Kopf und ein Kritiker, der etwas leiser ist.


Es wird sie immer geben, die unruhigen Zeiten.
Das kann ich nicht ändern. Nicht beeinflussen.
Doch ich kann meinen Umgang damit beeinflussen.


Und rückblickend war dieser diesmal zwar nicht perfekt, doch auch nicht die Hölle. Nicht schwarz, nicht weiß.

Ich fand wohl irgendwie einen Mittelweg. Das grau.

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