Überforderung Part I

Ich weiß nicht, ob es jemals einen zweiten Part geben wird oder wieso ich den Beitrag Überforderung Part I nannte, aber mir war danach.

Überforderung. Das ist das Hauptgefühl der letzten Woche. Woran ich es merke? Höhere Grundanspannung.

Kleinigkeiten lassen mich an die Decke gehen. Mein Partner reicht nicht aus. Meine Laune schwankt regelrecht fast stündlich hin und her. Und ich kriege keine Ruhe in meinen Kopf. Abends bin ich hundemüde. Dann träume ich verwirrtes Zeug. Morgens bin ich müde. Antriebslos. Motivationslos.

Heute dann der Höhepunkt. Nach einem Anruf der Heilpraktikerin. Sie erkundigte sich nach den Kopfschmerzen und fragte, was mich denn aktuell belasten würde. Ich erzählte von dem Krankenkassen-Dilemma, von den x Arztbesuchen und Telefonaten der letzten Woche, von der anstehenden Abschluss-Arbeit, den ganzen Reizen der neuen Arbeit – und einfach viel. Ich fing sofort an zu weinen, sie fragte was mich traurig machen würde. Ich sagte „dass ich nicht weiß, ob mir die Psychotherapie dieses ganze Theater wert war“.

Sie machte etwas Mut, das war aber gar nicht wirklich das Problem. Ich bemerkte schon, wie mich der Partner schief von der Seite anschaute, als ich in Tränen ausbrach. Nach dem Telefonat sagte er zunächst gar nichts dazu. Erst nach ca. 5 Minuten fragte er, ob alles okay sei und wer dann am Telefon gewesen wäre.

Ich sagte ihm alles. Er fragte ob er etwas tun könne, ich sagte nein. Trotzdem fühlte er sich dazu verpflichtet, mir irgendwie zu helfen. Und das war das Problem.

Es eskalierte sehr schnell, denn er ist eher pragmatisch angelegt, ich dagegen natürlich hoch emotional. Seine Ratschläge gingen eher in die “ Hör halt auf zu weinen und suche dir lieber einen Weg daraus zu kommen“ Richtung. Angegriffen und ertappt, in meinem Kritiker bestärkt, wurde ich patzig, weinte noch mehr und wollte einfach nur, dass er versteht, wieso ich weine und nicht aufhören kann. Ich sagte ihm ich fühle mich wie gelähmt von dem Berg, der vor mir liegt. Er sagte „Das bist du aber nicht“. Noch mehr Angriffs-Gefühl. Und es eskalierte einfach immer weiter.

Tausend Muster von früher, viele Vorwürfe. Immer wieder mein Bedürfnis nach Selbstverletzung, weil Wut auf mich, weil „wieder nicht geschafft das Gute zu halten, wieder einen Streit heraufbeschworen, wieder versagt“. Er ebenso ganz viel Wut auf mich, weil selbst damit überfordert. Ein Wettbewerb im Verletzen.

Ein Kreislauf ohne Entkommen. Ich hasse es. Ich hasse es so sehr.

Irgendwann nach 30 Minuten Streit gefangen. Zwischendurch fielen Sätze wie “ Ich wünschte ich wäre jetzt im Büro statt hier. Ich kann dich so wie du gerade bist nicht ertragen.“ und (meinerseits) „Du solltest eine andere Freundin finden, die nicht so emotional ist – das wäre wohl besser. Ist mir auch scheiß egal“.

Ja. Und damit wieder ein Riss.

Es lief sehr gut die letzten Monate. Stabil. Nicht scheinheilig. Nicht krampfhaft. Einfach stabil. Mit kleineren Reibereien, die für beide okay waren. Und dann gab’s den Streit vorgestern. Und den Streit heute.

Und es fühlt sich an, als stände man am Anfang. Das tun wir nicht. Das weiß ich. Das weiß er.

Weniger frustrierend ist es dennoch nicht.

Ich weiß, woher es kommt. Ich weiß, dass diese erhöhte Grundanspannung dazu führt. Ich weiß auch, dass ich sie runter regulieren kann, indem ich etwas für mich tue. Doch ich tue es nicht.

Ich stehe da und gebe mich dem Gefühl hin. Zu hundert Prozent. Und ihn reiße ich mit rein.

Ich. Hasse. Es.

Mittlerweile sind wir okay. Ich fuhr zur Uni, um dort noch irgendwas für die Abschluss-Arbeit zu schaffen. Und ich schrieb ihm gerade, dass ich später zumindest kurz ansprechen möchte, was wir in den Streits gut gemacht haben, was wir anders gemacht haben.

Doch mir fällt dazu gerade selbst nichts ein, außer, dass ich mich nicht selbst verletzte.

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