Für C.

Lieber C.

Morgen ist es also soweit. Morgen wird uns noch einmal bewusst werden, dass du niemals wieder kommen wirst. Niemals wieder mit uns anstoßen wirst. Niemals wieder mit uns tanzen, lachen und feiern wirst. Niemals wieder mit uns sprechen wirst.

Morgen. Nur 1,5 Jahre nach unserem letzten Kontakt.

Ich frage mich…

Hätte ich letztes Jahr gewusst, dass du uns dieses Jahr verlassen wirst, hätte ich etwas anders gemacht? Ganz ehrlich, ich weiß es nicht.

Vielleicht hätte ich nichts anders gemacht. Doch vielleicht hätte mir unser Abschied dann weniger weh getan, weil ich gewusst hätte, dass er mich vor einem noch schlimmeren und viel schmerzhafteren Abschied bewahrt.

Denn wir wissen beide…Wäre ich heute deine Freundin, ich könnte es nicht ertragen. Niemals. Ich könnte mich niemals von dieser Last befreien.

Doch ich weiß, was ich anders gemacht hätte. Ich hätte auf die letzte Umarmung bestanden. Auf den letzten Kuss. Ja, ich denke das hätte ich. So war unser Abschied distanziert.

Und doch sagtest du „Lebe wohl und pass gut auf dich auf“.

Sagtest du das wirklich oder wünsche ich mir, dass du es sagtest? Das weiß ich gerade nicht. Ist es wichtig? Das weiß ich auch nicht.

Im Moment verschwimmt da so viel in meinem Kopf. Was nicht verschwimmt, ist der Abend an dem wir uns kennen lernten, ich habe noch immer unser erstes Gespräch vom nächsten Tag im Messenger. Ich hab’s gelesen und wieder gelesen.

Und immer wieder festgestellt, dass unser Abschied nicht dem gerecht wurde, was wir hatten. Aber auch das ist jetzt okay.

Ich verzeihe dir und uns. Weil wir es nicht besser konnten. Und doch wünschte ich, ich hätte auf die letzte Umarmung bestanden.

Ich hätte nicht einfach wütend die Tür hinter mir zugeknallt um dann im Auto unendlich viele Tränen zu vergießen.

Ich hätte auch dir alles Gute gewünscht. Dich umarmt, geküsst und dich mit einem letzten Lächeln verabschiedet.

Doch das habe ich nicht.

Also werde ich morgen an deinem Grab stehen. Ich werde zum Himmel sehen. Ich werde tief einatmen. Und uns diese letzte Umarmung in meinen Gedanken schenken.

Und ich werde hoffen, dass du uns siehst. Dass du siehst, wie wir dir die letzte Ehre erweisen. Wie wir alle gekommen sind, um dich zu verabschieden.

Und dann schließe ich Frieden mit unserem Abschied im letzten Jahr. Weil keiner von uns beiden wusste, dass du uns dieses Jahr verlassen wirst.

Weil wir wohl beide dachten „man sieht sich immer zweimal im Leben“. Und man läuft sich eh wieder über den Weg.

Wir müssen akzeptieren, dass das anders ist.

Du dort oben. Und ich hier unten.

Und irgendwann, irgendwann sehen wir uns vielleicht irgendwo wieder. In einer anderen Welt. Und dann werde ich dich ein letztes Mal umarmen.

Bis dahin! In Liebe.

C.

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