Trauer.

Das Wochenende haben wir in Bayern verbracht. Die Bronchitis hat sich beruhigt, ich bin deutlich fitter.

Das Wochenende war schön. Bis heute morgen.


Heute morgen sehe ich im Status eines Freundes zwei schwarz weiße Fotos von ihm mit seinem besten Freund, den ich letztes Jahr gedated habe. In den ich mich auch verguckt hatte, ja. Der mich dann aber fallen ließ weil er einfach keinen Mut hatte.

Ein mulmiges Gefühl kommt auf. Ich verdränge es, bin ja auch noch in Bayern. 5 Minuten später schreibt mir eine Freundin, ob sie anrufen darf. Sie kennt die beiden auch. Ich befürchte es. Sie ruft an. Sie sagt, dass der beste Freund des besagten Freundes – mein Date vom letzten Jahr – gestern bei einem Motorradunfall ums Leben gekommen ist. Mit 27. Schock.

1. Reaktion : okay. Danke. Habe ich mir eben schon gedacht. Okay. Scheiße. Ja. Danke. Ich rufe _____ ( Freund) gleich mal an. Danke.

2. Reaktion: Mama anrufen. Sie kennt ihn auch. Sie weint. Ich weine.

3. Reaktion: rufe meinen guten Freund an, er geht nicht ran. Ok.

3. Reaktion: ich hole meinen Partner ran, erkläre ihm kurz was passiert ist. Er tröstet mich. Ich fange mich. Gehe zurück zur Gruppe. Der Kopf fängt an zu arbeiten. Bin aber erstmal gut abgelenkt.

Irgendwann gehe ich kurz zu meinem Rucksack, nehme Bachblütentropfen. 20 Sekunden alleine. Und ich weine. Weine. Weine.

In meinem Kopf ploppen neben Erinnerungen auch Gedanken an die Angehörigen auf. Zwischen Trauer, Fassungslosigkeit, Empathie und noch mehr Trauer bringe ich die letzten zwei Stunden in Bayern hinter mich. Zwischendurch immer wieder Tränen in den Augen.

Und das Gefühl, nicht berechtigt zu sein, zu trauern. Denn ich stand ihm nicht so nahe wie XY. Und habe ja auch lange nichts von ihm gehört. Und, und, und.

Die 4 stündige Autofahrt war anstrengend. Auch hier Gedankenspiralen. Die ich immer wieder versuche bewusst zu unterbrechen.

Derweil hat Freund ____ sich zurück gemeldet. Wir schreiben. Tauschen uns aus. Das tut gut. Und weh. Wirklich weh.

Ja, das Date war ein Arsch. Aber er war mir wichtig. Ich war verliebt. Wir haben Zeit miteinander verbracht. Wir haben geküsst, gekuschelt. Wir hatten Sex. Wir waren uns nah. Eine ganze, wenn auch nicht lange, Weile.

Ich darf trauern.

Das Leben ist nicht fair. Und bei sowas bleibt meine sonst so hilfreiche Einstellung “ Alles passiert aus einem Grund“ auf der Strecke. Denn dafür gibt es keinen greifbaren Grund.

Ich werde zur Beerdigung gehen, sollte diese nicht im engsten Familienkreis stattfinden. Ich hoffe, dass dies hilft. Bei meinen verstorbenen Familienmitgliedern war dies meist so.

Es ist Wahnsinn. Das Leben kann so schnell vorbei sein. Wir sollten mehr leben. Aber das Leben geht auch weiter. Es bleibt jetzt nicht stehen.


Eine Nachricht an den neuen Menschen im Himmel: ich werde dich, auf welche Art auch immer, vermissen. Danke, dass ich dich kennen lernen durfte. Ich hoffe wir sehen uns wieder. Im nächsten Leben.

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