13. Juli: Therapie. Über Deadlines, krank sein und den Kritiker.

Die Therapie heute war mal etwas „anders“. Zumindest thematisch.

Ich war ja letzte Woche erst da. Und sonst sind es immer so 3 Wochen zwischen den Sitzungen, aber weil sie jetzt Urlaub hat, haben wir die Sitzung heute nochmal angesetzt. Dementsprechend war aber auch nicht soo viel los, was ich hätte besprechen müssen.

Was ein gutes Zeichen ist. Und sich auch echt gut anfühlt. Ich werde stabiler.

Jedenfalls habe ich dann erwähnt, dass ich seit Donnerstag (seit der Abgabe der 1. Hausarbeit) krank bin. Der Arzt gestern hat mich auch bis einschließlich nächsten Montag krank geschrieben: Bronchitis. Ok.

Soweit so gut. Wäre da nicht die 2. Hausarbeit. Die mich jeden Tag davon abhält, es mir zu erlauben, mich auszuruhen. Gestern habe ich nach dem Arzttermin nur am PC gesessen. Kam einfach nicht zur Ruhe. Heute aufgewacht: ich muss an den PC.

Das ist nicht gesund. Und das macht nicht gesund. Das ist mir klar. Wie soll ich daraus kommen? Ich weiß es nicht. Gestern sagte ich zum Partner “ Fühlt sich an wie eine Pre- Stage von Burn-Out. Denn nach dem Baden war direkt der Impuls da mich wieder an den PC zu setzen . Um 22 Uhr. Habe ich auch gemacht.

Also haben wir in der Sitzung darüber gesprochen.


Das war echt nicht leicht. Denn rational konnte ich all ihren Ansätzen zustimmen.

„Ihr Körper braucht die Ruhe. Ihr Körper arbeitet nicht gegen Sie – es ist eher ein Zeichen für seinen aktuellen Zustand. Dem sollten Sie mit Dankbarkeit entgegen treten (kein Vorwurf).“

Sie sagt es wäre wieder das Entscheidungs- Thema. Statt eine Entscheidung zu treffen und zu sagen : ich bin krank. Ich ruhe mich aus. Bleibe ich lieber in der schwebe und sage “ Ok ich ruhe mich aus und gleichzeitig mache ich evtl noch was für die Uni, fahre hierhin/ dahin, etc“

Sie sagt wenn ich aktiv die Entscheidung treffe, zu ruhen, dann kann ich wirklich zur Ruhe kommen. Und das beginnt damit die AU an meine Dozenten zu schicken. Und bezüglich der hausarbeit zu entscheiden um eine Verlängerung der Deadline zu bitten.

Und wieder dachte ich “ ja, okay. Das mache ich. ABER erst wenn das Essay fertig ist“.

Wir haben uns gefühlt im Kreis gedreht. Denn ich verstand was sie meint. Doch mein Kritiker, der Forderer hat immer wieder im Kopf gewonnen.

Sie sagt ich muss mich gegen den Kritiker entscheiden. Gegen das Muster, was er mir aufbürdet.

Das Muster: erst Arbeit, dann ausruhen. Das Muster : bestrafen, weil ich meinen Zeitplan schon bei der 1. Hausarbeit nicht einhalten konnte und es ja deswegen jetzt schaffen MUSS.

Wir gehen durch, was passiert wenn ich die Deadline verlängere und dass ich keine Angst davor habe dass der Dozent dem nicht zustimmt, sondern vielmehr davor, dass ich es dann wieder nicht geschafft habe, einzuhalten was ich mir vorgenommen habe. Und, dass ich dann Tage verliere, an denen ich für meine Prüfung im August lernen kann.

Aha. Da ist es. Sie fragt wieso das so wichtig sei bereits Montag anzufangen zu lernen – ich sage: weil ich immer 4 Wochen vorher anfange. Das ist immer die Zeit, die reicht.

Sie sagt, dass das ein typisches Muster ist um Angst zu entgehen. Aber dass es manipulativ ist. Denn in Wirklichkeit reichen wahrscheinlich auch 3,5 Wochen. Ich kann nicht wissen ob 3,5 Wochen reichen, weil ich um der Angst aus dem Weg zu gehen einfach immer davon ausging es gehe nur mit 4 Wochen.


Lange Rede, kurzer Sinn: ich sollte eine Entscheidung treffen. Ich sollte dabei den Kritiker am besten NICHT bedienen. Und ich sollte mir vor Augen halten, dass mir nichts passiert, wenn ich das Essay erst am Montag/ Dienstag abgebe. Und dass ich da vielleicht sogar effektiver arbeiten kann, weil ich fitter bin.


Zuhause angekommen lasse ich alles sacken. Und schicke die AU an meine Dozenten. Melde mich von Kursen ab, frage Kommilitonen ob sie mir Notizen/ Infos geben können und bitte um eine Verlängerung der Deadline.

Zum 1. Mal in meinem Leben, in meinem Studium. Es fühlt sich so komisch an.

Und es ist sehr schwer für mich. Weil ich mich explizit gegen das Muster entscheide. Irgendwo ist auch ein bisschen Befreiung, aber jetzt liegt es an mir den Impulsen zu trotzen, am Essay zu schreiben. Und stattdessen wirklich nur eins zu tun: zu ruhen.

Uff.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.