22. Juni: Therapie-Gedanken.

Angekommen. Müde. Traurig. Sie sitzt noch gar nicht richtig und ich weiß, dass sie weiß, dass heute was nicht stimmt.

Worüber reden wir heute?

Ich .. äh.. ja… Es geht mir gar nicht gut. Ich … Äh… (die Tränen kommen)… ich hatte in den letzten 3 Wochen zwei Situationen, in denen ich mich selbstverletzt habe und ich kriege es einfach nicht hin mir zu verzeihen. Ich kriege es einfach nicht verpackt.

Okay. Dann kommen Sie jetzt erstmal zurück in den Gesunden Erwachsenen- Modus. Erden Sie sich ein wenig.

(ca 2 Minuten Pause)

Okay?

Okay.

Dann würde ich sagen wir machen heute eine Verhaltensanalyse und schauen uns eine der beiden Situationen an und versuchen herauszufinden was dazu geführt hat. Okay?

Okay.

Es folgen weitestgehend gefasste Erklärungen meinerseits. Ich merke, dass ich die Situation bereits reflektieren konnte. Zumindest ein wenig.

Wir stellen fest, dass das Ausgangsgefühl Neid ist. Neid, der mich seit Wochen schon begleitet. Und immer wieder aufploppt. Worauf? Auf Dinge und Menschen, die verhindern die vollständige Aufmerksamkeit meines Gegenübers zu erhalten.

Das Bewältigungsverhalten: provozierend. Warum? Trotz. Wut. Trotzige Kinder sind so. Sie feuern um sich.

Wir dröseln den Sonntag auf. Wir schauen uns an, wann die Anspannung angefangen hat. Wie sie sich entwickelt hat und wann ich hätte intervenieren können/ müssen.

Prävention statt Intervention . Das sagt sie mir (wieder einmal). Verhindern, in den Hochanspanungs-Zustand zu kommen, der so hoch ist, dass ich die Kontrolle über meine eigenen Gedanken verliere.

Früh genug erkennen, dass Anspannung da ist.

Ich hab’s ja auch wahrgenommen, wie sie sich über den Tag angestaut hat. Sogar auf der Heimfahrt habe ich bemerkt, dass es besser wäre jetzt zu mir zu fahren und nicht zu meinem Partner. Doch ich hab’s trotzdem gemacht. Und es kam eben so, dass ein klitzekleiner Auslöser das Gefühl des Nachmittags gefüttert und bestätigt hat und ich dann einfach ausgerastet bin und die Kontrolle verloren habe.

Nach der Selbstverletzung die Scham. Die Wut. Die schlaue Frau versucht zwar nicht wie sonst diese zu nehmen und zu sagen, dass diese okay ist. Ich denke sie weiß, dass ich es weiß. Sie sagt ich kann daraus die Kraft schöpfen, es nicht wieder zu tun.

Das hilft.

Die schlaue Frau bestärkt mich in meinen Fortschritten. Sie sagt, was ich anders gemacht habe. Was ich gut gemacht habe. Und, dass ich mit mir selbst mehr Geduld haben soll.


Zuletzt beginnen wir ein Schema/ Modus – Memo – Blatt auszufüllen. Gemeinsam. Es ist ein vorgefertigter Lückentext.

Man benennt zuerst das Gefühl :

Im Augenblick fühle ich …. weil ….

Dann erkennt man das aktivierte Schemata:

Ich weiß dass das wahrscheinlich mein (Modus) …. ist. Den ich durch [….Kindheitssituation….] Erlernt habe. Diese Aktivierung löst bei mir […altes Bewältigungsverhalten….] aus.

Im dritten Absatz erkennt man die Dysfunktionalitat an und überprüft die Realität der Gedanken.

Obwohl ich glaube (….negativer Gedanke….) Ist die Realität, dass (….rationale Sichtweise…).

Man verstärkt die Realität mit Beweisen (konkrete Beispiele) aus der Situation und schreibt diese auf.

Und trennt sich am Ende vom alten Muster und brennt das neue ein:

Obwohl ich bisher immer (altes Verhalten),….. Könnte ich stattdessen (alternative Lösungen) …..


Ziel ist es, das Blatt beim nächsten Auftauchen/ Erkennen des Musters zur Hand zu nehmen, sich daran zu erinnern, dass das Gefühl lediglich auf einem Gefühl aus der Kindheit basiert sowie sich erneut ins Gewissen zu rufen, welches das dysfunkionale Verhalten ist und welche Verhaltensimpulse man eigentlich machen möchte – und diese dann umzusetzen natürlich.

Ich bin davon begeistert und möchte gerne weitere Blätter ausfüllen zu verschiedenen Gefühlen/ Situationen.

Den kostenlosen Vordruck findet man auch wenn man in die bekannte Suchmaschine mit “ Goo….“ : „Schema/ Modul-Memo“ eingibt. Es ist direkt die erste Datei von schematherapie- roediger.

Ich finde es klasse. Jedoch sollte man es beim 1. Mal evtl mit Unterstützung ausfüllen, da man beachten muss, dass z.B. im 1. Schritt wirklich nur benannt und nicht schon bewertet wird.

Auch sollte das Modus – Modell der Schematherapie nicht unbekannt sein.


Wir füllen es bis zuletzt aus. Und als sie fragt wann ich wieder kommen möchte, frage ich wie viele Sitzungen wir noch haben. Sie sagt ich solle da nicht drüber nachdenken, da wir auch nach den Sitzungen noch 1x im Monat umsonst Termine machen können.

Was für eine Erleichterung. Das wusste ich nicht!

Ich entscheide mich in 2 Wochen wieder zu kommen. Einfach weil ich gerade etwas instabil bin. Ab dann evtl wieder in 3 Wochen. Mal sehen.

Sie wünscht mir alles Gute und sagt noch einmal, dass ich mehr Geduld mit mir haben sollte. Weil ich lerne.

Es tat so gut.

Ich bin immer noch angespannt. Aber es tat dennoch so, so gut.

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