Rückblick, Kopfsalat & Liebe.

Heute ist Sonntag, der 2. Mai.

Gestern habe ich die Zeit ein bisschen genutzt, um in älteren Beiträgen zu stöbern. Und es ist Wahnsinn, was in einem Jahr passieren kann.

Vor ca. einem Jahr (fast auf den Tag genau) bekam ich eines Morgens eine Nachricht von meinem damaligen Ex-Partner. Nach 5 Monaten Funkstille. Nach 5 Monaten mit aller Kraft versuchen weiter zu machen. 5 Monaten dem Versuch, neue Liebe und neues Vertrauen zuzulassen. Und ungefähr 12 Monaten Versuch, die alte Liebe mit ihm zu verarbeiten.

Die Nachricht und das, was sie damals in mir ausgelöst hat, waren nicht schön.

Sein Angebot auf ein Kaffee hatte Hoffnung ausgelöst. Hoffnung, die 4 Stunden später zunichte gemacht wurde, weil er sagte er sei betrunken gewesen. Ich hatte Hoffnung, weil es das war, was ich seit der Trennung immer von ihm wollte. Seit ich meine Therapie begonnen hatte und merkte, dass ich „besser“ wurde. Er ruderte also mittags, nach 4 Stunden voller Hoffnung und Gedankenchaos wieder zurück und tat mir damit so weh, dass ich nicht wusste wohin mit den ganzen Gefühlen.

Ich schrieb es hier auf. Um es irgendwie zu verarbeiten. Die Wut. Enttäuschung. Trauer.

Wir brachen den Kontakt wieder und diesmal endgültig (so dachten wir) ab. Bis wir uns im Juli über den Weg liefen.


Und heute stehen wir wieder zusammen da. Als Paar. Es sind nur 12 Monate seit der Nachricht und dem letzten großen Schmerz vergangen. Nur ein Jahr. Ein Jahr, von dem wir seit circa 9 Monaten wieder ein Paar sind – mit kurzer Unterbrechung.

Und ich weiß nicht, was ich dazu fühlen soll. Eigentlich fühle ich nichts dazu außer Faszination darüber, dass ich das vor einem Jahr niemals gedacht hätte.


Sollte ich nicht vor Freude sprudeln? Ist es nicht das, was ich die ganze Zeit wollte als wir getrennt waren? Ich weiß es nicht. Es macht mir immer noch Angst. Wir bauen auf ein wackeliges Fundament. Wir werden – so sagt es auch der Paartherapeut – niemals komplett reibungslos miteinander agieren können. Dafür sind wir beide zu temperamentvoll. Und auch merke ich, dass der Partner noch zu oft seinen Fluchtreflex hat. Er will weg, sobald es zu anstrengend wird, es zu viel Arbeit für ihn bedeutet oder ich mich selbst nicht gut im Griff habe.

Und das macht mir Angst. Immer noch. So viel. Genau so viel wie vor einem Jahr.

Ich will die Vergangenheit sein lassen. Sie war der erste Versuch, in dem sind wir gescheitert. Doch vergessen kann man das nicht.


Gefühle vergessen ist so schwer. Sie brennen sich ein und reaktivieren sich sobald du nur einen Hauch einer ähnlichen Situation wieder erlebst.

Und dann heißt es : Arbeit. Den Gedanken und Gefühlen Raum geben und doch verstehen, dass sie sich auf die Vergangenheit beziehen. Nicht auf die Gegenwart. Und das ist anstrengend.

Und dann erwische ich mich für einen klitzekleinen Moment dabei, dass ich mich frage ob es nicht leichter wäre mit einem Partner, mit dem ich diese Geschichte nicht teile. Mit dem ich nochmal bei Null anfange.

Doch der Kopf sagt sofort „Nein du liebst ihn doch. Ihr kämpft doch gerade für eure Liebe“.

Und ich schiebe den Gedanken wieder weg. Irgendwohin. Für ein paar Tage oder Wochen. Bis er wieder aufkommt. Und ich ihm wieder kurz Glauben schenke.


Da ist so viel was ich gern wüsste. Doch am liebsten wüsste ich, ob sich der stetige Kampf lohnt. Ob es wirklich Liebe ist. Denn ich weiß nicht, wie sich Liebe anfühlt, anfühlen soll oder muss. Ich weiß es einfach nicht.

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