Kokon – ein Gastbeitrag.

Ein Gastbeitrag von Louise. Ich liebe ihre Texte. In einigen Denk- und Handlungsmustern erkenne ich Parallelen. Und daher möchte ich euch mit dem folgenden Text einen kleinen Einblick in ihre (Schreib-) welt gewähren.


Ein Text über Tage, die sich anfühlen wie ein Kokon.


Kokon

Manchmal fühle ich nichts. Einfach nichts. Zumindest scheint es so. Mein Körper scheint leer zu sein. Ich habe auf nichts Lust. Nicht auf die Aufgaben, die noch anstehen und die ich früher oder später erledigen muss, noch auf die Dinge, die mir sonst Spaß bereiten.

Ich will dann einfach nur dasitzen, in die Leere schauen und nichts tun. Nein, eigentlich will ich noch nicht mal das, aber ich kann nicht anders. Mein Körper kann sich zu nichts aufraffen. Manchmal weiß ich noch nicht einmal, ob ich in diesen Momenten in meinem Körper bin oder ob dieser Körper zu mir gehört. Ich selbst fühle mich soweit weg von mir selbst.

Ich kann weder Freude noch Trauer empfinden. Manchmal möchte ich weinen, aber ich kann nicht. Manchmal möchte ich lachen, aber es geht nicht. Ich kann kein Wissen in diesen Augenblicken aufnehmen, mein Kopf scheint einem Sieb zu gleichen. Alles entweicht aus mir. Die Lebenslust, die Freude an kleinen oder großen Dingen, die Nostalgie, ja vielleicht selbst die Melancholie. Alles scheint ein und dasselbe in diesem Moment zu sein.

Ich frage mich, woher diese Stimmung kommt. Ich kenne sie, aber ich kann sie nicht definieren. Sie ist auf einmal da und dann ist sie auf einmal wieder weg. Aber wie lange sie bleibt, das weiß ich nicht. Ich kann nur abwarten und geduldig sein.

Ich muss die Situation so annehmen wie sie ist. Sie nicht bewerten. Sie ist weder gut, noch ist sie schlecht. Aber sie bringt mich in eine Lage, in der ich eigentlich nicht sein möchte. Denn sie erscheint so unaushaltbar. Es ist wie ein Kampf, tief drinnen, mit mir selbst. Als ob ich mit mir selbst kämpfe, aber ich kann nicht gewinnen. Denn dann verliere ich gleichzeitig. Ich habe Angst in der Stimmung Menschen zu verletzen. Weil ich nicht auf ihre Bedürfnisse, ihre Erwartungen eingehen kann. Weil ich sie gewissermaßen hängen lasse, im Ungewissen lasse, was mit mir los ist. Aber ich weiß es doch selbst nicht. Ich hätte so gerne eine Antwort darauf, wieso ich in diesem Gemütszustand bin, aber ich kann es nicht beantworten. Und so warten sie, mit mir.

Es fühlt sich an, als würde man an einem leeren Bahnhof mitten im Nirgendwo stehen und vergeblich auf den nächsten Zug warten. Es ist kein Abfahrtsplan vorhanden, die Uhr am Bahnhofseingang ist stehen geblieben. Man selbst hat nichts dabei, weder eine Uhr, einen Koffer, noch einen Plan. Selbst das Ortsschild ist verbleicht, und so weiß man noch nicht einmal wo man sich befindet. So kann man nur warten und hoffen, dass der nächste Zug bald kommt und er einen in die nächste lebhafte Stadt fährt. Ich fühle mich überfordert und unterfordert zugleich. Ich möchte mich so vielen Dingen widmen, meine Kreativität ausleben, mir neue Fähigkeiten aneignen, aber der Gedanke es auszuführen führt zu einer vollständigen Prokrastination.

Morgen vielleicht, ja morgen bin ich wieder motiviert, dann werde ich früh aufstehen, eine Liste anfertigen mit all den Dingen, die ich erledigen will und diese gleich umsetzen. Morgen wird alles besser, morgen ist alles wieder gut. Morgen, ein Land voller Hoffnung, Träume und Motivation. Ich wiege mich weich in die Federn meines Bettes, noch bevor ich meine Augen schließe und in eine andere Bewusstseinsebene entfliehe, denke ich an all die schönen Dinge, die morgen endlich Realität werden. Doch am nächsten Tag, nachdem der Wecker klingelt, ist alles wie immer, nichts hat sich verändert, die Ängste, Sorgen, Probleme, gegenwärtiger als je zuvor. Ich versuche wieder in den Schlaf zu fliehen, da ich dort alle meine Probleme vergessen konnte, weil sie nicht gegenwärtig waren, doch es ist bereits zu spät, ich bin wach und nun warten die gerade noch so schönen Dinge darauf, erledigt zu werden. Doch auch dieses Mal bleiben sie wieder unbeachtet liegen, langsam verstauben sie in der hintersten Ecke meines Zimmers, im Bücherregal, zwischen den Unterlagen auf meinem Schreibtisch. Der Haufen unerledigter Dinge wird immer größer und größer. Und ich sitze wieder einmal auf meinem Sofa, starre mit leeren Augen die Wand an, dieses Mal mit einem noch schlechteren Gewissen als gestern.

Wie gebettet in einem Kokon fühlt es sich an, ich warte darauf zu schlüpfen und meine eigentliche Schönheit zu entfalten.

Morgen kann ich dem entweichen, morgen bin ich stark genug, um dagegen anzukämpfen. Und als ein schöner Falter empor zu steigen und mit meinen Flügeln abzuheben und zu fliegen zu beginnen. Ganz sicher. 


Danke, Louise – für deine Worte und, dass ich sie hier teilen darf! ❤️

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