Wiederkehrende Zweifel.

Gerade ist’s hier etwas ruhiger geworden. Was schlichtweg daran liegt, dass auch Coronabedingt nicht viel passiert. Außerdem sind Semesterferien und es steht zwar noch eine Abgabe an, aber so wirklich viel passiert trotzdem nicht. Und jeder Tag ist irgendwie gleich.

Was mir auffällt ist, dass mir die zwei Wochen zwischen den Therapiesitzungen immer wie mindestens vier Wochen vorkommen. Es ist, als wäre ich unfassbar lange nicht mehr dort gewesen. Heute ist mir eingefallen, dass die Aufgabe des letzten Males war, wiederkehrende Zweifel aufzuschreiben

Ich habe erzählt, dass mir jede Woche, die der Partner im Home-Office ist, zu schaffen macht. Weil ich weiß, dass er den ganzen Tag zuhause ist, wir uns aber nicht mehr sehen als in der regulären Arbeitswoche. Und es ist jeden zweiten Montag dasselbe. Jeden zweiten Montag dieselben Zweifel. Jeden zweiten Montag das Gefühl fragen zu wollen, ob wir uns noch einen weiteren Tag in der Woche sehen und doch wissen, dass das entgegen der Abmachung ist und ich mit einem „Nein“ nicht umgehen könnte. Die Zweifel werden mit jeder Stunde stärker und das einzige, was ich noch denken kann ist:

Ich bin nicht erwünscht. Ich werde nicht geliebt. Ich habe mich nicht genug angestrengt. Ich bin anstrengend. Ich kann alleine nichts mir mit anfangen. Ich kann keine Beziehung führen. Ich werde niemals eine führen können. Ich bin einfach nicht erwünscht. Ich werde einfach nicht genug geliebt.

Das habe ich bei der schlauen Frau vor zwei Wochen also erzählt. Und die schlaue Frau hat gesagt, ich soll die Zweifel aufschreiben.

„Wieso? Was soll das bringen?“

Naja. Erstmal überdenkt man einen Gedanken bereits in dem Moment, wo man ihn aufschreibt. Zudem können Sie die Liste jedes Mal zur Hand nehmen, wenn die Zweifel wieder auftreten.

„Das heißt ich soll mir wenn ich Zweifel habe, die Zweifel nochmal durchlesen? Das führt doch nur zur Bestätigung der Zweifel“

Nein. Eigentlich sollte das Gegenteil passieren. Die Liste soll dazu dienen, zu erkennen, dass diese Zweifel wiederkehrend sind. Dass sie immer wieder kommen, aber, dass es auch Zeiten dazwischen gibt. An denen keine Zweifel da sind.

„Verstehe ich immer noch nicht. Ich kann mir vorstellen, dass es die Zweifel verstärkt. Ungefähr so wie mit den positiven Affirmationen. Wenn ich sie mir durchlese, erinnern sie mich doch auch daran, was ich eigentlich kann.“

Okay. Ich verstehe, was Sie meinen. Es wird jedoch auf jeden Fall so sein, dass Ihnen das erneute durchlesen ermöglicht, den Gedanken noch einmal mit etwas Abstand zu betrachten. Zudem nehmen Sie die Liste nur zur Hand, wenn die Zweifel wieder auftreten. Und das Ziel ist zu erkennen, dass dazwischen Tage waren, an denen Sie die Liste nicht zur Hand nehmen mussten.

„Okay. Ich versuche es.“


Das war vor zwei Wochen. Heute fiel mir erst wieder ein, dass ich das ja machen wollte. Weil heute wieder der Montag der Home-Office Woche ist. Weil ich wieder Schwierigkeiten hatte, mich heute vom Partner zu verabschieden. Weil ich wieder heim kam und mich verloren gefühlt habe. Und das war letzte Woche Montag nicht so. Aber vorletzte. Kurz vor der Therapie. Also schrieb ich die Zweifel eben auf. Und wage den Versuch.

Ich vertraue der schlauen Frau immerhin. Auch wenn ich noch nicht zu 100 % davon überzeugt bin.


Ein „neuer“ praktischer Ansatz. Ich werde berichten, ob er wirksam ist.



Zudem ging es auch um meine Zweifel, nach der Therapie alleine zurecht zu kommen. Die schlaue Frau erinnerte mich daran, dass ich ja nicht alleine sei. Ich habe ja Freunde und Familie und all die Werkzeuge, die wir bereits erarbeitet haben. Außerdem sagte sie, dass niemand alles perfekt kann sobald eine Therapie endet.

Vielmehr sei das Ziel, dass ich am Ende der Therapie in schwierigen Situationen weiß, was meine Therapeutin jetzt dazu sagen würde – würde ich es ihr erzählen.

Für den Moment hat das erstmal gereicht, um die Zweifel etwas in den Hintergrund rücken zu lassen.


Was ich aus der Sitzung also mitnehmen konnte war: Es gibt gewisse Zweifel, die immer wiederkehren. Mal schwächer, mal stärker. Und wir können lernen, damit umzugehen. Ihnen nicht einfach Glauben zu schenken, ohne zu überprüfen wie realistisch sie eigentlich sind.

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