10 Tage.

10 Tage ist der letzte Beitrag her. 10 Tage habe ich nicht reingeschaut. Gerade zeigt die Statistik des letzten Beitrags: 49 Aufrufe.

Zugegebenermaßen: ich bin ein wenig stolz. Das hat mir gerade ein kleines Lächeln ins Gesicht gezaubert. Denn damit habe ich nun wirklich nicht gerechnet.

Danke an alle Leute, die meinem Blog folgen und die Beiträge regelmäßig verfolgen ☀️


In den 10 Tagen ist eine Menge passiert. Da war vor allem die Therapiesitzung am Dienstag. Und die war sehr wichtig. Wir haben darüber gesprochen, dass ich erneut Schwierigkeiten damit habe, dem Partner seinen Freiraum zu geben. Und wir fanden heraus, dass dies verstärkt wieder auftritt, seit wir den Streit hatten, in dem ich die Kontrolle verlor. Ich erzählte von dem Vorkommnis und fühlte dabei puren Scham und Wut auf mich. Doch wir waren schon schnell nicht mehr bei der Wut, nachdem sie fragte, was die kleine Lynn denn eigentlich dazu zu sagen hätte.

Und das war der Knackpunkt. Die kleine Lynn. Das Kind. Der Part, der nur elementare Gefühle wie Trauer, Wut und Freude empfindet. Der war traurig. Und enttäuscht. Denn ich habe mich entschieden uns weh zu tun. Und weil ich dieses Gefühl der Trauer verdrängt habe – durch diese Wut, die so unfassbar stark war und durch den inneren Kritiker immer weiter angestachelt wurde – hat sie, habe ich mir den Schutz wieder im Außen gesucht. Denn ich war nicht für sie, für mich da. Das ist jetzt kein Schuldzugeständnis . Nein. Ich konnte schlichtweg nicht anders.


Also fragt die schlaue Frau mich, ob wir versuchen wollen Kontakt zur kleinen Lynn aufzunehmen.

OK. Ich kann das schon. Die Therapie läuft ja bereits über ein Jahr.

Ich sehe die kleine Lynn. Zum einen im weißen Raum, sie hält sich die Ohren zu, sie will mich nicht sehen. Zum anderen sehe ich sie auch in meinem alten Kinderzimmer. Sie liegt im Bett. Sie wartet auf mich. Auf meine beruhigende Hand auf ihrem Bauch.

Ich sage, dass das Bild von mir als Kind vor dem inneren Auge pendelt. Zwischen diesen zwei Bildern.

Die schlaue Frau sagt das ist oft so mit Kindern, die wütend und verletzt sind. Sie trampeln und hauen um sich, sie wollen offensichtlich nicht, dass man ihnen hilft und sie in den Arm nimmt – doch gleichzeitig wollen sie es doch. Sie brauchen Liebe, um der Wut und Verzweiflung zu entkommen.

In meinem Kopf frage ich mich die ganze Zeit, wieso die kleine denn traurig ist.

„Naja. Weil sie 5 Wochen etwas richtig gut gemacht haben und dann eine Situation entstanden ist, in der Sie in alte Muster zurück gefallen sind“

Ja, das macht Sinn. Genau das habe ich auch in dem Moment der Selbstverletzung gedacht . 5 Wochen richtig gut und jetzt mache ich wieder alles kaputt.

„Sie haben sich angestrengt und es hat Wirkung gezeigt. Sie haben das grau angenommen und es hat sich gut angefühlt. Dann in ein altes Muster zu fallen, kann erstmal sehr enttäuschend sein. Die Trauer und Enttäuschung haben Sie jedoch nicht zugelassen. Sie haben Sie verdrängt und mit Wut überstülpt und weil die Kleine im ihrer Trauer Unterstützung brauchte, haben Sie sich an den Partner geklammert – so wie Sie es immer taten, denn: Partner waren stets die Überlebensstrategie als Kind. Und dazu kommt : Sie haben sich bis jetzt nicht mit Ihrem inneren Kind versöhnt.

Und wie kann ich jetzt dafür sorgen, dass es sich wieder verändert? Dass ich mich versöhne?

„Naja. Wenn man Streit mit einem Kind hatte, weil man ihm zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat, sollte man dem Kind Zeit schenken. Ich würde vorschlagen Sie gehen in den nächsten Tagen irgendwo spazieren – wo sie möglichst allein sind – und wenn dann ein paar Gefühle hochkommen, versuchen Sie diese zuzulassen.“

Ok. Danke. Ich werde es versuchen.


Das war Dienstag. Noch am Nachmittag bin ich in einen Park in der Nachbarstadt gefahren und habe Zeit mit mir und meinen Gefühlen verbracht. Ganz ungezwungen. Man muss nicht zwingend in Tränen ausbrechen. Es geht nur darum, sich bewusst Zeit dafür zu nehmen, zu schauen, was man gerade an Gefühlen mit sich trägt. Und wenn man Übung hat, eventuell auch das innere Kind oder das Gefühl vor dem inneren Auge zu sehen und es sanft in den Arm nehmen.

Jedes Gefühl ist okay. Jedes. Wir müssen es nur annehmen. So wie wir Freude annehmen, sollten wir auch Wut annehmen. Jedes Gefühl hat seine Berechtigung. Und jedes Gefühl geht vorbei.

Es tat sehr gut, in den Park zu gehen. Ich bin außerdem seit letzter Woche krank geschrieben – der Bauch tut dauerhaft weh. Ich war bei verschiedensten Ärzten, am Ende hieß es : Einweisung ins Krankenhaus oder Akzeptanz, dass es ein Reizdarmsyndrom ist. Mögliche Ursache (bei mir) : Stress, ‚falsche“ Ernährung.

Ich probiere es gerade mit Flohsamenschalen und einem krampflösenden Medikament. Aber der Darm verhält sich gerade wie meine Gefühle: wellenartig. Zwischen mal gut und mal schlecht und eigentlich ist es „okay“.

Dann war da noch die Paartherapie und ein wundervolles Treffen mit der besten Freundin. Und viel Sonne – die alles irgendwie leichter macht.


10 Tage. Voller Liebe. Wut. Trauer. Action. Arztbesuchen. Und am Ende lässt sich doch sagen : es ist okay.

Ich bin okay. So wie ich bin. Mit jedem Gefühl. Und Nicht-Gefühl.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.