Zwischen Übermüdung und Hochanspannung.

Irgendwo zwischen Übermüdung und Hochanspannung. Da bin ich gerade. Und pendel hin und her und her und hin. Es ist mühselig und anstrengend. Und es war wie ein Schalter, der sich umgelegt hat, als es anfing.

Die Prüfung ist vorbei, die Wartezeit auf die Note habe ich mit dem inneren Kritiker verbracht, der mit nichts in der Prüfung zufrieden war. Ich bekomme die Note. Die Note ist 1,7. Das ist die drittbeste Note, die man an einer Hochschule bekommen kann.

Warum hast du keine 1,3 geschafft?

Ich hatte mir geschworen, mit der 1,7 zufrieden zu sein. Und ich bin’s auch. Der Kritiker ist es nicht.

Aber wie gesagt: wie ein Schalter.

Note erhalten. Aus der digitalen Sitzung verabschiedet. Zack. Müde. Genervt. Überanstrengt. Ich berichte den Menschen, die mir vorher Glück gewünscht haben von dem Ergebnis.

Das ist doch super. Hey! Herzlichen Glückwunsch. Großartig. Ich wusste du wirst es super hinbekommen“

Ja, ich wusste es auch. Weil’s ja immer so ist. Und trotzdem ändern sich Stress und Druckausmaß vorher nicht. Und nachher ist es doch immer so : ich kann mich nicht freuen. Ich bin nicht stolz auf mich. Obwohl mir die Note reicht.


Ich überrasche einen Herzensmenschen in derselben Stadt zum Geburtstag – nur kurz und mit Abstand und so – doch der Kritiker rückt mir auch hier nicht von der Seite.

Du bist anstrengend. Du redest zu viel. Du stellst dich schon wieder in den Mittelpunkt. Hör auf so viel zu erzählen. Niemand mag das. Du willst dazu gehören, also nimm dich etwas zurück.


Auch dem Partner gegenüber werde ich ungerecht, zickig. Es reicht wieder nicht, was er tut. Ich kritisiere, dass er zu wenig schreibt. Rational gesehen weiß ich, dass es nicht wahr ist. Aber die Emotion ist einfach zu stark. Kurz vor der Eskalation schreibe ich einfach nichts mehr. Besser ist das. Jetzt kommen Gute-Abend- Wünsche und Denk-an-dich- Nachrichten. Und ich will sie einfach nicht.


Ich will nichts und niemanden. Und gleichzeitig nicht allein sein.


Beim gemeinsamen Serie streamen mit meiner besten Freundin aus der Heimat und der liebsten Freundin aus der Ferne bin ich da. Aber der Kopf nicht. Drei Folgen. Das war schön.


Fertig.

Ich klappe den Laptop zu.

Stille.

Das erste Mal Stille seit der Prüfung.

Tränen füllen meine Augen.

Ich fange an, den Tag und die letzten Wochen Revue passieren zu lassen.

Krass, was ich alles geschafft habe. Krass, wie stolz alle sind. Aber auch krass, wieviel Energie das gezogen hat – wovon ich nichtmal etwas bemerkt habe. Weil ich einfach weiter gemacht habe. Ich bin müde. Einfach müde.

Und dieses Nicht- Zufrieden- Sein- Können, obwohl man es will – es fängt an mich wütend zu machen. Und ich nehme wahr, wie die Hände und Finger immer wieder anfangen zu kribbeln, weil ich einfach so wütend auf mich bin. So angespannt – ich weiß nicht wohin mit diesen ganzen Gefühlen.

Wohin mit dem Unverständnis über mein Verhalten dem Partner gegenüber, wohin mit der Überforderung durch die Prüfung und auch nicht wohin mit der Freude und Erleichterung über die Bewältigung dieser. Ich müsste mich doch eigentlich freuen.

Also: warum zur Hölle tue ich es nicht? Alle sind stolz auf mich. Alle bewundern mich. Wie stark ich bin. Wie toll ich es „gerade“ alles hinbekomme.


Doch die kleine Lynn sitzt da und ist traurig. Sie ist traurig und sie weiß nicht einmal warum. Und ich weiß auch nicht warum. Deswegen kann ich ihr nicht helfen.

Also schaue ich ihr zu. Wie sie da sitzt in dem weißen Zimmer – dort waren wir schon einige Zeit nicht mehr.

Wenn sie zu Besuch war, dann waren wir meist in meinem alten Kinderzimmer und ich saß bei ihr auf der Bettkante. Ich konnte meine Hand auf ihren Bauch legen und sie trösten. Bei ihr sein. Heute geht das nicht.

Denn es ist wie immer in dem weißen, leeren Raum.. . ich sehe sie, doch sie mich nicht.


Und eigentlich will ich auch nicht, dass sie mich sieht. Denn ich weiß doch gar nicht, wie ich sie trösten könnte… weil ich doch noch nicht mal ihr Gefühl verstehen kann.


Wer hätt’s gedacht: diese Woche hätte ich gerne einen Termin bei der schauen Frau. Aber der ist erst wieder in 7 Tagen.

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