Die Achterbahnfahrt mit dem inneren Kritiker.

Prüfungsphasen sind Achterbahnen. Wahrscheinlich für jeden von uns. Für mich aber extrem. Ich merke richtig, wie die Gefühle hin und her switchen.

Von: „Klar, kein Problem. Ich schaff‘ das“ und „Ach du scheiße, wie soll ich das alles bis zur Prüfung schaffen?“

Ein „Ich werde es meistern, zur Not mit durchschnittlicher Leistung“ gibt es nicht. Im Master erst Recht nicht. Jede Note zählt. Jede gute Note zählt. Ich möchte doch eine gute Abschlussnote haben – damit ich einen guten Job kriege.

Druck. Druck, den ich selbst erzeuge.


Ich war schon immer eine durchschnittliche Schülerin. In der Grundschule, auf dem Gymnasium. Im Studium. Ich bin niemals immer super gut gewesen. Es gab sicherlich, die ein oder andere 1 (Studium: 1, …), aber ab und zu eben auch mal eine 3 (Studium: 3,…). Und es war nach der Prüfung auch immer okay für mich. Nur vorher scheint es nie okay zu sein.

Also immer nur für ein paar Minuten/Stunden. Und dann wieder nicht. Schwarz. Weiß. Schwarz. Weiß. Es ist echt anstrengend.


Runterkommen ist schwierig. Schlafen daher ebenso. Stundenlanges wach liegen, dann verwirrtes Träumen und mit Unruhe aufwachen. Den Tag wieder einmal mit Lernen verbringen – zwischendurch versuchen die Ruhe zu bewahren. Und weiter.

Und immer wieder die Zeit im Nacken. Und der innere Kritiker. Der sagt:

„Durchschnitt ist nicht genug. Du musst gut sein, wirklich gut! Du darfst keine Fehler machen. Du musst das alles wirklich können!“

Und dann die Zeit, die ihn anstachelt.

„Guck, nur noch 7 Tage. Das schaffst du niemals. Niemals. Außerdem sind da noch die anderen Abgaben, die du fertig machen sollst. Wie sollst du das bloß jemals gut (!) hinbekommen?“

Doch – ich schaffe das! Ich bin gut im Auswendig – Lernen. Habe 10 Jahre meines Lebens für mein Hobby auswendig lernen müssen – und es hat immer gut geklappt. Einmal musste ich fast den gesamten Text eines Buches auswendig lernen und es lief großartig!

„Ja. Aber jetzt ist Corona. Und normalweise lernst du im Fitnesstudio und normalerweise hast du 14 Tage Zeit. Jetzt hast du nur noch 7. Das schaffst du niemals.“

Doch.. ich schaffe… nein okay vielleicht auch nicht. Doch, ich schaffe es. Irgendwie. Und wenn nur durchschnittlich – das ist auch okay. Sagt die schlaue Frau.

„Nein, das ist nicht okay. Das ist definitiv NICHT OKAY! Hör auf das zu denken“

Okay. Es ist nicht okay.
Ich muss gut sein. Ich muss gut sein. Ich muss gut sein.


Schwarz- weiß. Schwarz- weiß. Hoch, runter. Hoch, runter. Mir wird schlecht von diesen Achterbahnen. Und wenn ich den Partner sehe, freue ich mich vorher drauf. Auf Entspannung. Aber da dann dasselbe. Gut drauf, schlecht drauf. Schlecht drauf, gut drauf. Kein „Es ist okay und entspannt“. Zwischen uns gerade gott sei Dank – ja! Seit nunmehr 2-3 Wochen schon ohne Streit. Das ist eine wirklich lange Zeit. Aber die Gefühle. Dieser Druck.

Das ist alles so anstrengend.


Und dazwischen sind sie ja irgendwo – diese kleinen Fortschritte.

Mir fällt auf, dass ich die Stimmungen selbst weniger am Partner auslasse. Und das ist mir in Prüfungsphasen bisher nie gelungen – egal mit wem. Ich spreche die Stimmung aus, statt die andere Person für etwas eigentlich belangloses anzumeckern. Ich bemühe mich und es fällt mir sogar eigentlich ganz leicht. Das erste Mal in meinem Leben.

Es ist eine Veränderung. Ein Zwischenziel, was ich erreicht habe.
Verstehen, dass die Gefühle und der Stress der Prüfungsphase MEIN sind und nicht SEINS. Es aber trotzdem zuzulassen und nicht zu sehr unterdrücken.

Das ist gut. Das ist wirklich gut.

Und ja. Bald habe ich es geschafft. Dann sind zumindest die Seminare vorbei. Und die Prüfung auch. Dann stehen drei Hausarbeiten an – aber keine Seminare mehr. Mehr Zeit am Tag. Und Hausarbeiten machen mir weniger Druck, als eine Prüfung. Das sollte okay sein.

Bis dahin: Luft anhalten und weiter Achterbahn fahren.

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