Träume und die Vergangenheit.

Ich würd‘ mal behaupten, gerade weil ich emotional so intelligent bin, arbeitet mein Unterbewussstsein enorm viel. Und ich werde immer wieder von Träumen eingeholt. Heute morgen verabschiedete ich den Partner zur Arbeit und schlief noch einmal ein – die Träume, die in diesen ein/eineinhalb Stunden folgen, sind meistens am schlimmsten.

Heute morgen träumte ich, ich würde meinen Partner betrügen. Und ich fühlte mich im Traum genau so, wie ich mich als 15 oder 16 jährige Lynn fühlte. Nämlich: Ich möchte treu sein, aber ich kann es einfach nicht. Da war sie wieder, diese Seite in mir, die stets danach strebt, ein Extrem zu empfinden. Aus einer „okayen“ Beziehung eine dramatische zu machen. Und immerzu die Aufmerksamkeit anderer herauf zu beschwören, um sich bloß nicht unattraktiv oder unwichtig zu fühlen – und um einen Backup Plan zu haben, falls der Partner einen verlässt.

Ich ging in diesem Traum zu einer Familienfeier und wir übernachteten bei den Verwandten. Der Raum, in dem ich schlief, sah exakt so aus wie das derzeitige Schlafzimmer meines Partners. Ich ging zu Bett und dann war da dieser junge Mann, der nicht mit mir verwandt war – aber von irgendwem mitgebracht wurde – und er legte sich irgendwann dazu und versuchte mich zu verführen. Und seine Anziehung war so extrem, es war kaum auszuhalten. Und ich wusste ich darf es nicht, aber es war so schwer. So schwer wie damals im echten Leben. Ich war verzweifelt und hilflos. So wie damals im echten Leben. Ich war dieser Situation ausgeliefert und konnte nichts an dieser Anziehungskraft verändern. So wie damals im echten Leben. Ich konnte nichts gegen meinen Impuls tun – der so viel größer war als die Vernunft. So wie damals im echten Leben. Wir hatten Sex. So wie ich es so oft gern im echten Leben getan hätte – aber gott sei Dank in der Regel „nur“ via Sexting fremd ging – was definitiv nicht besser war. Und ich fühlte mich danach dreckig und ekelig. Und wie das untreuste Mädchen der Welt. Ich wusste ich habe wieder versagt. So wie immer. So wie damals im echten Leben. Und ich würde es nie schaffen.

Dann wachte ich auf. Mit Wut auf mich. Einem schlechten Gewissen, Unwohlsein und Ratlosigkeit.

Und ich kann’s nicht loslassen. Ich realisiere, dass der Traum wohl mal wieder der Verarbeitung dient. Ich kann nur vermuten, dass er mir zeigt, dass ich dieses Muster mehr und mehr loslasse. Dass ich lerne auch „graue“ Gefühle in einer Beziehung zuzulassen und zu verstehen, dass es niemals immer super euphorisch, aber auch niemals immer super dramatisch ist. Sondern manchmal eben einfach „gut so wie es ist“. Und, dass die Aufmerksamkeit meines Partners vollkommen ausreichend ist.

Dieses Muster ( Partner als Überlebensstrategie) loszulassen, fühlt sich für mich an, als gäbe ich das größte und stabilste Schild ab, welches ich habe. Welches ich brauchte, um zu überleben. Ich tausche es ein gegen viele, kleine Schilder, die genügen. Denn meine Existenz ist nicht mehr so sehr bedroht wie damals -ich bin jetzt groß. Es reicht, kleine Schilder zu haben, die ich sowieso besser tragen und händeln kann als dieses riesengroße, viel zu schwere Schild. Welches mir zwar half die Jugend zu überstehen, aber nun einfach nicht mehr angemessen und notwendig ist.

Die Vergangenheit ist ein schweres Paket. Das wissen wir alle. Aber wenn sie in Träumen zurückkehrt, dann ist es besonders schwer. Und der Tag danach ist immer irgendwie anstrengend.



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