Week 1.

Week 1 – survived.
Das erste Mal, dass wir entschieden haben, die nächste Sitzung erst nach 14 Tagen wieder anzusetzen. So ganz ohne Gründe wie Urlaub/Termine o.ä. Sondern bewusst entschieden. Und die erste Woche ist um.


Und da im Moment gefühlt keine Zeit für nichts ist, ist die Woche auch ganz schön schnell vergangen.

Aber da gab’s einen Tag, der mir wirklich alles abverlangt hat. Das war der Donnerstag. Und für nichts an diesem Tag konnte ich etwas.

Ich mein‘ es ist nicht mein Fehler, dass mein Arbeitgeber mich bei einer falschen Krankenkasse anmeldet und ich diese Woche – nach 3 Monaten, die ich mich nun bereits darum bemüht habe, dies zu korrigieren – beim Arzt stehe und abgewiesen werde, weil die Karte besagt, dass kein Schutz bestehe. Ist ja nicht so, dass ich in den letzten 3 Monaten ungefähr 700 Telefonaten mit Arbeitgeber, falscher und richtiger KK geführt habe und immer wieder die Zusage bekam, dass nun wirklich alles geregelt sei (von allen drei Parteien aus). Naja. Verlässt man sich drauf, doch zur Sicherheit rief ich am Morgen des Arzt-Termins noch einmal bei der Kasse an und man versicherte mir erneut, dass alles geregelt sei. Zudem : ich könne auch behandelt werden, wenn die Karte nicht einlesbar sei – ich müsse lediglich wenn ich vor Ort bin die KK anrufen und die würden der Praxis dann eine Bescheinigung faxen. Ok. Gut.

Ich stehe also da in der Praxis – Karte geht nicht.

„Kein Problem. Ich rufe eben die Krankenkasse an – einen Moment“

Ich rufe an. Die Dame sagt mir das ginge nicht, da ich bei denen keine Versicherung hätte. Ich sage ihr, dass der Herr am Morgen mir versicherte es ginge. Oh! Da müsse sie „mal eben“ in der Fachabteilung nachfragen. Das „mal eben“ dauerte 14 Minuten.

14 Minuten, die ich nicht hatte. Und draußen vor der Arztpraxis in der Kälte stand und wartete. Am Ende hieß es: keine Bescheinigung, weil keine Versicherung. Eine andere Krankenkasse (die falsche, bei der der Arbeitgeber mich angemeldet hat), würde eine (Wieder-) aufnahme in ihre Krankenkasse blockieren.

Nun. Ich bin dezent wütend geworden – auch wenn ausgerechnet diese Dame nun ja nichts dafür konnte. Aber wisst ihr. Ich habe nicht nur 3 Monate lang versucht alles zu regeln, sondern zudem auch die 5 Tage vor dem Arzttermin jeden Tag bei meiner Krankenkasse angerufen, um sicherzugehen, dass jetzt alles seinen Gang geht und ich auf jeden Fall bei einem Arzt behandelt werden könne. Und dann sowas.

Die Quintessenz des Telefonats war zudem: man müsse mich trotzdem behandeln. Der Arzt dürfe mich nicht ablehnen. Dies wurde von der nicht ganz netten Sprechstundenhilfe abgewiesen. Man könne mir für „die nächsten Tage“ einen Termin anbieten.

Meine Augen füllten sich mit Tränen – und es war mir so, so unangenehm. Da zu stehen und mich nicht unter Kontrolle haben zu können. Ich wurde etwas lauter, sagte, dass mir die Dame der KK es zuvor versichert hat und ich ja nicht mal wüsste, ob ich „in ein paar Tagen“ eine funktionierende Karte haben werde. Die andere Sprechstundenhilfe wies darauf hin doch bitte etwas leiser zu sein – sie könne sich so wirklich nicht konzentrieren (seriously?! Ich mein, das waren 3 Sätze von mir).

Und ich sagte schließlich mit einem riesen Kloß im Hals und mehr leise als laut:
„Ok. Ich nehme einen Termin nächste Woche“

Ich verließ die Praxis und rief meinen Partner an. Ich weinte den gesamten Nach-Hause-Weg. Irgendwo zwischen Wut, Unverständnis und Verzweiflung.

Heute ist das Problem „gelöst“, nachdem ich noch 2 weitere Stunden meiner Zeit in Telefonate investierte und wir letztendlich über ein paar Kontakte einen Mitarbeiter der richtigen Krankenkasse in höherer Position erreichen konnten, der versprach am Freitag erstmal „dort aufzuräumen“.

Gesagt, getan sicherte man mir am Freitag dann zu, dass die Karte wieder ginge (auf einmal war es möglich die frühere Familienversicherung wieder zu reaktivieren) und ich zusätzlich eine Bescheinigung per Post zugeschickt bekäme. Diese war bereits gestern im Briefkasten. Dennoch könnte die Studentenversicherung erst in Kraft treten, wenn der Arbeitgeber mich gemeldet hat. Ich versprach, mich noch einmal (zum x-ten Mal) darum zu kümmern und bedankte mich.

Die einzige Frage, die dann noch blieb ist: WIESO ist das nicht schon vor 3 Monaten passiert und wieso sagen mir x verschiedene Leute, dass alles erledigt und möglich sei.


Ok. Das ist jetzt etwas ausgeartet hier. Jedenfalls hat mich dieser Tag auf emotionaler Ebene extrem gefordert. Ich ging direkt nach dem gescheiterten Arzt-Besuch und den 2 Stunden Telefonat in der Heimat babysitten und kam erst abends um 21 Uhr wieder in der neuen Heimat an. Und dann saß ich da. Im Auto. Wie gelähmt. Für mehr als eine Stunde. Und konnte nicht aufstehen. Ich weinte und weinte und weinte. Weil’s einfach so viel war. So viel, was ich nicht händeln konnte.

Und mein Kopf schrie „Du musst zu deinem Partner. Du kannst jetzt nicht alleine nach Hause. Los, fahr hin! Alleine schaffen wir das gerade nicht“. Und ich setzte mich ihm entgegen. Ich realisierte, dass das sinnlos wäre – denn der Partner war zum zocken verabredet und ich hätte damit auch unsere Absprache gebrochen (was erstmal zweitrangig gewesen wäre – er hatte auch angeboten, dass ich kommen könne. Aber wies auf seine Verabredung zum zocken hin). Was also hätte ich davon, nun zu ihm zu fahren. Ihm zuzuschauen. Nichts. Zumindest nichts, was mir in diesen ganzen Gefühlen hilft.

Ich rief nach 40 Minuten im Auto einen Herzensmenschen an und nach weiteren 30 Minuten schaffte ich es auszusteigen und vom Auto nach Hause zu gehen. Ich ging zuhause baden und versuchte, das alles irgendwie zu verarbeiten. Was so bescheuert klingt. Denn es war ja „nichts schlimmes“. Aber nach 3 Monaten, die ich Zeit und Energie in diese ganze scheiße – verzapft durch den Arbeitgeber – gesteckt habe, war das einfach der Tropfen, der das Fass zum überlaufen gebracht hat.


Ansonsten fiel mir auch sonst 1-2 Mal in dieser Woche auf, dass ich altbekannte Denkmuster bemerkte und mich versuchte ihnen aktiv entgegen zu stellen. Ihnen keinen Glauben zu schenken. Dass ich merkte, dass ich den Partner nur sehen wollen würde, weil ich nichts mit mir selbst anzufangen weiß. Beziehungsweise gerade einfach herbe gestresst bin.

Jeder Januar/Februar ist stressig, wenn man Student ist. Denn alle Prüfungen und Prüfungsleistungen werden in diesen Zeitraum gesetzt. Und dann sieh zu, wie du darin nicht untergehst. So auch bei mir gerade.


Aber… Reminder: Es ist okay, durchschnittliche Leistungen zu erbringen.


Und weil jeder Januar / Februar bei mir seit 7 Jahren (holy shit- ich bin fast schon Langzeitstudent :o) stressig ist, ist auch jeder Januar/Februar für meine Beziehung eine Herausforderung. Aber bisher meister ich es gut. Und das ist ein Silberstreifen am Horizont.


Achja. Vorgestern war da noch der Paartherapeuten – Termin. Der war aufwühlend, aber die Stimmung relativ gut. Ich konnte einiges loswerden, der Partner signalisierte mir seinen Stolz und – auch wenn ich gelegentlich das Gefühl hatte, der Therapeut sei der Meinung wir bräuchten ihn nicht (was definitiv falsch ist) – war es dennoch für uns relativ ertragreich. Und wir fuhren mit einem guten Gefühl heim – holten uns richtig ungesundes Essen im Fast Food Restaurant, welches wir im gemütlichen Bett verspeisten und dann ins Wochenende starteten. Welches wir, bis auf meine 3 Stunden Schicht am Samstag, im Bett verbrachten. Mit viel Kuscheln, Serie/Film gucken und Snacky Snacks.


Heute bin ich müde. Aber es ist okay.

Ich bin stolz auf mich, denn diese Woche war sehr anstrengend.
Und es ist okay, morgen nicht zur Therapie gehen zu können. Es ist tatsächlich okay.
Und auch das macht mich ein wenig Stolz. Denn es zeigt, dass ich voran komme.

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