Therapiesitzung 11. Januar. Denken in schwarz-weiß.

Oft vergesse ich, dass Borderline nicht nur schwarz-weiß – fühlen bedeutet. Sondern ziemlich oft, vielleicht sogar noch öfter, das schwarz- weiße Denken. Die Sitzung heute hat mir das noch einmal gezeigt.

In meinem Kopf gibt es derzeit nur „Ich bleibe bei ihm oder ich verlasse ihn“. Kein „Einfach mal abwarten.“ Oder “ Es ist okay, heute bleiben zu wollen, aber morgen vielleicht nicht mehr“. Ich zwinge meinen Kopf immer wieder dazu radikale Entscheidungen zu treffen. Und das macht mir so zu schaffen. Das macht alles nur noch komplizierter und schwieriger.

Die schlaue Frau hat mir heute immer wieder gezeigt, dass meine Denkansätze derzeit wieder ziemlich „schwarz-weiß“ sind und es da nur wenige Grauzonen gibt, die ich mir erlaube. Die ich uns erlaube. Ich habe ihr gesagt, dass es schwierig ist in der Beziehung graue Gefühle zuzulassen, weil wir ja genau dieses schwarz-weiß immer wieder erleben. Entweder ist alles super easy perfekt oder es ist alles abgrundtief scheiße und wir stehen kurz vor der Trennung. Auch er trägt seinen Teil dazu bei, dass dies so ist. Auch er sagt zu mir „Wenn ich dir nicht passe, dann verlass mich doch“ . Denn auch er denkt immerzu in Extremen. Oder tendiert zumindest dahin.

Das macht mir Angst. Und ich bin mir nicht sicher, ob das jemals gut gehen kann.

Wir reden außerdem über die nächste Zeit. Es stehen „nur“ noch 19 Sitzungen bevor. Sie möchte diese so anlegen, dass wir noch möglichst lange Zeit damit auskommen. Das heißt die Abstände werden nun größer. Und ich denke es ist okay. Die letzten Wochen kam ich ja auch zurecht. Nächste Woche sehen wir uns, danach dann erst 14 Tage später wieder.

Wir legen außerdem fest, dass die folgenden Sitzungen insbesondere nochmal mit der Aufbau von Selbstakzeptanz gefüllt werden sollen. Die fehlt ihrer Meinung nach immer noch – weshalb ich mich so schwer tue Entscheidungen zu treffen. Weshalb ich dauernd ins schwarz oder weiß will. Weil ich darin vermeintlich Halt finde. Weshalb ich rein rational weiß, dass diese Beziehung derzeit nicht gut ist. Sich eine finale Entscheidung aber immer noch als unmöglich erweist. Weil ich noch nicht genug Sicherheit & Stabilität in mir gefunden habe.

Das klingt immer wie so ein Standard – Gelaber. Aber tatsächlich hat sie ja Recht. Würde ich mich selbst akzeptieren wie ich bin – wüsste ich was ich für Maßstäbe habe und könnte bewusst entscheiden, ob der Partner diese erfüllt oder eben nicht und mich dementsprechend für oder gegen eine Partnerschaft mit ihm entscheiden.

Doch der Druck von außen wird ja auch immer größer. Wenn man mit Freunden redet, dann raten diese einem natürlich eine finale Entscheidung zu treffen. Weil es rational gesehen ja auch relativ simpel ist. Aber ich bin eben noch nicht so weit. Ich verstehe es. Ich sehe es. Aber etwas in mir hält dran fest. Und das sollte okay sein. Ich muss heute nicht entscheiden, ob ich bleibe oder gehe. Auch morgen nicht.

Wie immer zweifel ich jetzt daran, ob ich das alles, was wir heute beredet haben, überhaupt jemals schaffe. Dieser Weg wirkt so lang. Und er fordert so viel von mir. Aber … wenn ich nach 2-3 Jahren wirklich da stehe und weiß, was ich wert bin. Weiß, dass ich lieben kann. Dass ich geliebt werden kann. Und mir selbst genug bin.

Dann weiß ich auch, dass dieser Weg es mir wert war.

In diesem Sinne:

Keep on going. Healing is a process. And it’s not linear.

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