Neues Jahr, neues Glück?

Neues Jahr, neues Glück.

Nimmt sich das nicht jeder von uns vor? Ja, zugegebenermaßen irgendwie schon. Und so startet man direkt mit Druck ins neue Jahr.

Dieses Jahr wird alles anders, alles wird besser.

Ich gebe zu: genau deswegen sind Jahresübergänge immer anstrengend für mich. Und emotional.
Alle Tage rund um den Jahreswechsel bedürfen einer Menge Kraft und Selbstachtung. Weil ich nur zu gern in dem versinke, was das „alte“ Jahr so alles für mich bereit hielt. Und was ich doch wieder nicht geschafft habe, obwohl ich es mir doch SO fest vorgenommen habe.

Und am Ende ist’s doch eigentlich nur ein Datum, welches sich verändert. Warum muss man also ein neues Jahr immer mit dem Versprechen neuen Glücks verbinden? Warum nicht einfach genau dort bleiben, wo man ist. Und genau dort auch weiter machen. Im selben Tempo wie vorher auch.

Trotzdem…. man kann sich davon irgendwie nicht befreien. Weil doch jeder um einen herum von einem Neuanfang spricht. Von Vorsätzen und Zielen.

Ich habe meine Vorsätze. Und auch meine Ziele. Und zwar nicht erst seit 3 Tagen. Und ich arbeite täglich daran, diese zu erreichen. Muss ich sie jetzt nochmal aufschreiben? Muss ich sie aufmalen? Eine Collage kreieren, um mich jeden Tag nur weiter dran zu erinnern – und noch mehr unter Druck zu setzen?

Ich weiß nicht. Ich kann das nicht ab. Dass mir jemand unbewusst auferlegen will, dass ich JETZT was zu verändern habe. Genau jetzt. Und trotzdem hofft man es ja. Weil’s so eingestiehlt ist. Weil man’s ja immer so gemacht hat. Jahresende bedeutet: Cut. Jahresbeginn bedeutet: Neuanfang.

Ich würde lügen, wenn ich nicht hoffen würde, dass ich dieses Jahr eine bessere Version meinerselbst werde. Dass sich die Beziehung mit dem Partner wie aus dem nichts auf einmal verändert und wir einfach besser werden. Doch… Spätestens seit Anfang 2020 weiß ich, dass das alles Bullshit ist. Da wollte ich dasselbe. Und das war kein Neuanfang. Ne. Das war genau dasselbe, wie jedes Jahr. Habe viel zu sehr daran versucht festzuhalten, dass ich jetzt alles anders machen muss. So, dass ich nicht gemerkt habe, dass ich alles genau so mache wie sonst.

Denn, was ich dabei vergessen habe ist: man kann immer „neu“ anfangen. Man muss sich nur dazu entschließen. Ganz bewusst. Man kann sich immer Ziele setzen. Wenn man dazu bereit ist. Zu jedem Zeitpunkt in jedem Jahr. Und wieso muss man eigentlich „neu“ anfangen?


Ich habe Probleme die Vergangenheit loszulassen – gerade deswegen hasse ich dieses „Neues Jahr, neues Glück“- Ding. Ich wünschte ich könnte sagen „Alles klar. Ciao, 2020. Hallo, 2021. Jetzt bin ich ganz anders. Jetzt bin ich viel besser“ – Kann ich aber nicht. Denn eigentlich lerne ich doch, dass ich gut bin, wie ich bin.

Denn:
Ja, ich habe Schwierigkeiten, Menschen aus der Vergangenheit loszulassen, die mir in welcher Form auch immer wichtig waren – denen ich aber weh getan habe (oder sie mir). Ich fühle mich stetig schuldig und wünschte, ich könnte nun endlich alles – und damit meine ich wirklich alles – besser machen.

Ich habe auch Schwierigkeiten damit, mein altes Ich loszulassen, welches so oft so emotional ist. Und so impulsiv. Und, welches ganz viel Angst davor hat, verlassen zu werden.

Und ja, ich wünsche mir für 2021 nichts anderes, als an diesem „Ich“ weiter zu wachsen. Ich will’s nicht „neu“ machen. Ich will’s besser machen. Gestern las ich den Beitrag vom 07. September und was ich mir in dieser Therapiesitzung versprach. Und ich war so enttäuscht – dass 3 Monate vergangen sind und ich davon doch noch gar nicht so viel verinnerlicht habe. Da wäre sie also wieder – diese stetige Ungeduld meines „alten“ Ichs – die ich auch nicht mag. Und die auch 2021 besser werden soll.

Und zack – ist man drin. Im Kreislauf der negativen Eigenschaften – und das alles nur, weil jemand mal gesagt hat: neues Jahr, neue Chance. Neues Jahr, neues Glück. Was ich dazu denke ist: Bullshit.

Es besteht jederzeit die Möglichkeit mich für die Auseinandersetzung mit dem Ich – samt aller liebenswerten und schwierigen Seiten zu entscheiden.

Weil man sich niemals verändern muss. Für niemanden. Und schon gar nicht zu einem von anderen Menschen festgelegten Zeitpunkt – nur weil ein neues Jahr anbricht.

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