24. November.

Eine ganze Weile habe ich nun überlegt, ob ich heute blogge oder nicht. Es war das stetige Wechseln zwischen „Ja, das möchte ich unbedingt. Es wird bestimmt gut tun“ und dem „Ne. Eventuell hole ich dann Gefühle an die Oberfläche, die ich nicht händeln kann. Und überhaupt – was gut tut, will ich eigentlich gar nicht“.

Ich kämpfe immer wieder über den Tag verteilt gegen den Dämon, der mich immerzu dazu verleiten will im Leid hängen zu bleiben. Der es sich dort gemütlich macht und sich pudelwohl fühlt. Aber mir im Gegenzug dafür jegliche Freude am Alltag und dem Leben nimmt.

Ihr müsst wissen – ich funktioniere trotzdem. Ich mache die Sachen für die Uni. Ich gehe irgendwie zur Arbeit. Aber wenn ich einen Moment lang allein bin geht es los..

Herzrasen. Angst. Panik. Unruhe. Herzrasen. Angst. Panik. Unruhe.

Gleich bin ich nicht mehr abgelenkt. Was mache ich dann. Wie soll ich das aushalten? Ich kann das nicht. Ich kann es einfach nicht überleben.

Ja. Das sind die schlechten Nachrichten dieser Tage.


Und was habe ich gut gemacht?

Ich habe nach der Therapiesitzung meine Uni-Abgabe erledigt.
Ich bin nach der Therapiesitzung arbeiten gegangen, obwohl mir gar nicht nach Menschen war.
Ich habe mir Affirmationen an den Schrank geklebt, die mich dazu motivieren sollen die Trauer zuzulassen und sie zu akzeptieren.
Ich habe die Trauer heute für einen Moment zugelassen. Sie war mit einem Mal da – beim Abendessen auf meinem Bett. Für meine Verhältnisse habe ich sie gut zugelassen, auch wenn ich mich zwischendurch ärgerte, dass das Essen kalt wird und ich versuchte weiter zu essen – hat sich die kleine, traurige Lynn in mir ihren Platz eingeräumt und ich habe es zugelassen.

Ich war einfach traurig. Tief traurig. Denn ich war bin enttäuscht. Und einfach nur traurig. Hatte ich doch geglaubt, dass ich mich diesmal auf seine Worte und Taten bezüglich unserer Beständigkeit verlassen kann. Hatten wir doch 2 Tage zuvor noch ein sachliches Gespräch, indem er mir Sicherheit vermittelt hat. Und dann ist da diese Sitzung – und alles ist irgendwie anstrengend. Und er handelt im Affekt. Trennt sich. Aber hält dran fest – an seiner Entscheidung.

Es ist gemein. Es tut weh. Ich habe damit nicht gerechnet. Und jetzt ist da wieder nichts zwischen uns außer Kälte, Wut und Hass. Genau so wie letztes Jahr zu dieser Zeit.


Aber dieses Jahr bin ich schon ein bisschen stärker.
Ich meine. Hey, ich habe es heute geschafft zu trauern. Ich meine – so richtig traurig sein. Und es war das erste Mal in meinem Leben. Weinen, weil ich wirklich traurig bin. Und nicht, weil ich denke ich muss traurig sein. Oder weil ich gerade keine andere Person habe.

Nein. Ich war bin traurig, weil er mir weh getan hat. Und das ist okay.

Ich nehme außerdem wahr, wenn ich in Bewältigungsmodi rutsche – in der Regel überprüfe ich den Impuls und entscheide dann aktiv sie zuzulassen oder nicht. Ja, okay. Das mit dem Handy und der Selbstfürsorge klappt noch nicht ganz so gut. Ich hänge jeden Abend bis zum schlafen gehen in social media und höre Musik. Einfach um nicht zur Ruhe kommen zu müssen.

Aber andere Dinge, die in der Vergangenheit sonst automatisch und unbewusst abgelaufen sind – nur um nicht zu trauern – erkenne ich und versuche sie nicht anzunehmen.


Lavendelöl, pflanzliche und homöopathische Mittel regeln das Müde-Werden und einschlafen. Die Träume nehmen sie mir leider nicht. Das belastet. Vor allem morgens. Zuletzt träumte ich ich würde ermordert. Und ich bin jedes Mal wieder aufgestanden, zurück zum Anfang gegangen und wurde wieder ermordert. Und das hat sich solange wiederholt, bis ich mit Herzrasen aufgewacht bin.


Aber:
Ich bin stärker. Stärker als letztes Jahr. Stärker als er. Stärker als mein altes Ich. Stärker als meine Bewältigungsmodi. Und stärker als der Verlust und die Trauer.


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