21. November.

[Triggerwarnung SV – rot markiert]

Gestern Paartherapie. Heute Chaos. Gestern noch an uns geglaubt. Heute nicht mehr. Ich natürlich noch. Denn ich habe sie ja – diese unermüdliche Hoffnung. Er natürlich nicht. Er fühlt wie gesunde Menschen halt fühlen. Die Sitzung war herbe anstrengend. Für uns beide. Ich hatte dauerhaft das Gefühl für alles die Schuld zu tragen. Und der Partner war irgendwann genervt – fuhr seine Mauer hoch. Und blockte fast alles, was gesagt wurde mit Wut ab. Wir stritten vor dem Paartherapeuten. Er unterbrach auch regelrecht und sagte, was man da anders machen müsse. Fragte nach Empfindungen, blablabla.

Mir sagte er immer wieder, dass ich ja nunmal Muster hätte und er erkennen würde, dass ich immer wieder in das Schuld-Muster rutsche. Auch ihm gegenüber.

Ja, weil ich das Gefühl hatte, dass alle Probleme nur von mir aus gehen.

Was vielleicht ja irgendwie auch so ist. Denn ich habe derzeit einfach keinen anderen Halt als meinen Partner gehabt. Ich habe mir auch keine Mühe gegeben, mir einen anderen zu suchen. Erst als ich am Montag den „Tritt“ der schlauen Frau bekommen habe, fing es in mir an zu rattern. Offensichtlich zu spät.

Ich konnte die Wut auf sie, auf mich und auf die Gesamtsituation und die Wahrheit einfach nicht händeln. Also war die ganze Woche anstrengend für mich und meinen Partner. Dann dieser Termin – der schon vorher Angst auslöst. Weil ich mit Paartherapie verbinde, dass wir hingehen und mein Partner mich kurz drauf verlässt. Weil er es in der ersten Beziehung nach einem Beratungstermin bei einer Stelle auch tat.


Wir kommen also bei dem Paartherapeuten an. Es ist anstrengend. Viel Wut. Viele Gefühle. Der Partner macht auf seine Weise dicht. Ist überanstrengt davon. Irgendwann fallen die Worte „Ich habe keine Lust mehr auf das Ganze“.

Ok. Angst. Angst. Angst. Was meint er? Die Beziehung? Die Therapie? Die Arbeit an uns?

Der Therapeut geht erst einmal nicht drauf ein. Wir einigen uns auf ein paar Regeln für die nächsten Streitigkeiten, an die sich beide halten sollen. Ein frühzeitiges Stop-Signal, welches von beiden Seiten bedingungslos akzeptiert werden muss ist eins davon. Und kurz vor Ende wirft er ein, dass wir uns ja beide überlegen müssen ob wir das ganze überhaupt fortführen wollen.

Alles klar. Das wird den Partner in seinen Zweifeln unterstützen. Danke dafür!

Wir fahren nach Hause. Stille zwischen uns. Zuhause auf dem Sofa merke ich, dass der Partner kein Bedürfnis nach Nähe hat. Ich akzeptiere es vorerst. Wir gehen früh ins Bett – sind beide platt vom Termin. Er sagt nicht Gute Nacht. Es enttäuscht mich. Heute früh gehe ich heim – die Uni ruft. Wir schreiben später. Es bahnt sich ein Konflikt an. Ich nenne das Stop-Signal.

Dann Funkstille für 3 Stunden (2 waren mindestens vereinbart mit dem Therapeuten).

Nach der Uni gehe ich zum Partner Ich möchte über den Konflikt am Morgen sprechen und möchte wissen, wie ich seinen Widerspruch aus der Sitzung deuten kann oder soll. Den Widerspruch, dass er sagt er hat keine Lust mehr auf das Ganze und dann aber den eingeführten Regelungen zustimmt.


Ich bemerke nicht, dass es ihn überfordert. Ich bemerke nur, dass er sofort wütend ist. Es gibt keine Einigung.

Stattdessen sagt er mir zuerst, dass er damit sicher nicht meinte, dass wir uns trennen sollen – sonst hätte er das da gesagt.

Keine 5 Minuten und 5-6 Diskussionssätze später verlässt er mich. Er sagt er beende die Beziehung. Es hätte sich nichts geändert. Ich hätte mich nicht geändert. Er könne es nicht. Und ich solle alle Sachen mitnehmen. Alle.

Ich stehe auf, ziehe Schuhe und Jacke an und sage ihm, dass ich mich an die Regel gehalten habe (am Morgen). Und, dass es gemein ist, dass er mir erst Mut und Hoffnung macht und mich nun verlässt. Dass er wieder in der Sitzung zustimmt und mich am nächsten Tag verlässt.

Er ist vollkommen wütend und wiederholt immer nur den Satz „Pack deine Sachen – ALLE – und geh'“.

Ich weigere mich alles mitzunehmen, sage ihm, dass ich wiederkommen werde – weil ich reden will wenn er nicht mehr so wütend ist. Meine Borderline Störung ist hier in vollem Gange. Alles tun um zu verhindern, dass er weggeht. Alle Möglichkeiten versuchen mitzunehmen um ihn nicht zu verlieren.

Er sagt das würde nichts bringen. Er wirft mir vor ihn emotional zu ziehen. Am Ende gehe ich und auf die Frage wann ich wieder kommen darf sagt er: Morgen. Mit Tüte.


Auf dem Weg nach Hause rufe ich mehrere Leute an. Ich erreiche nur eine Person. Aber die, die ich am wenigsten gern gehabt hätte. Denn die ist zwar einfühlsam, aber auch sehr rational. Sie kennt mich sehr gut und fing auch zeitnah an mir zu erklären, wieso es nun dazu kam und das hat meine Schuldgefühle nur gefördert. Plus ihre Meinung, dass der zweite Versuch der Beziehung sowieso nichts getaugt hat von Anfang an – weil wir schlichtweg nicht zusammen passen. Und Paare, die am Anfang schon eine Therapie machen müssen es einfach niemals schaffen können.

Es fällt mir schwer sachlich zu bleiben. Aber ich rede einfach, egal ob die Antwort zu dem passt, was das Gegenüber gesagt hat. Ich rede. Und weine. Und erwische mich dabei, wie ich überlege, wie ich wohl jetzt handeln muss, um ihn zu überzeugen, dass es eine Fehlentscheidung war. Gepaart mit so unendlich vielen Schuldgefühlen. Versagensempfinden. Und so viel Trauer.


[Triggerwarnung]

Ich beende das Telefonat. Fange an zu realisieren, was passiert ist. Schuld. Schuld. Schuld. Die Anspannung wird immer größer.. Ich kann das nicht aushalten. Ich konnte es nicht aushalten. Es musste irgendwohin. Ging einfach nicht anders. Ich hab’s wieder verkackt. Ich habe wieder nicht akzeptiert, dass er Raum brauchte. Ich, ich, ich. Und wer wird dafür bestraft. Natürlich ich.


Kurz drauf erreiche ich meine liebste Freundin aus der Ferne. Wir telefonieren fast eine Stunde und sie findet die richtigen Worte. Sie baut mich auf. Macht mir Mut. Keine Hoffnung. Aber Mut.


Ich entscheide mich irgendwann ihm einen Zettel vorbei zu bringen, auf dem ich mich entschuldige und darum bitte mit mir gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, da er unsere Fortschritte kenne. Und wir gerade einfach nur maßlos überfordert sind.

Er nimmt ihn entgegen. Ich sage ich melde mich morgen. Er stimmt zu.

Und da bin ich jetzt. Hier – zwischen Hoffnung und Melancholie. Zwischen Trauer und Akzeptanz. Zwischen Wut und Schuld. Zwischen Distanz und zu viel Gefühl. Zwischen Negativität und Mut.

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