16.November.

Wisst ihr. Therapie ist immer irgendwie anstrengend. Aber manchmal haut sie so richtig rein. Heute war so eine Sitzung. Im Grunde hat die schlaue Frau mir die Wahrheit, die ich eigentlich schon kenne, noch einmal um die Ohren gehauen.

Und das sitzt. Nachdem wir 40 Minuten (wieder einmal) auseinander geklügelt haben, dass ich bei meinem Partner eigentlich nicht authentisch bin/fühle und alles nur mache, damit es bloß nicht eskaliert, hat sie mir kurz vor Ende der Sitzung gesagt, dass es für sie auch etwas anstrengend ist. Da sie das Gefühl hat an mir zerren zu müssen. Da ich alle Informationen, die ich brauche um mich für mich selbst zu entscheiden, habe. Es aber dennoch nicht tue. Ich mich lieber für den Bewältigungsmodus Partner entscheide. Dort die Fassade der letzten 20 Jahre aufrecht erhalte und alles so mache, wie ich es immer tat. Damit meint sie nicht, mich von ihm zu trennen. Damit meint sie, mit ihm zusammen zu sein, weil ich es fühle. Und nicht, weil ich nicht alleine sein möchte.

Kaum was zu sehen von dem Fortschritt des Ich-Selbst-Sein. Oder „Ich bin okay wie ich bin“.

Vielmehr ein “ Ich verhalte mich so, dass ich okay für dich bin“.

Und wisst ihr. Es tat so weh. Als sie sagte, dass es für sie anstrengend ist. Meine Augen füllten sich mit Tränen, dann direkt die kleine Lynn, die nur hört :

Du bist anstrengend. Wenn du anstrengend bist, kann ich dich nicht lieben. Dann muss ich weggehen von dir.

Auf Nachfrage wieso ich weinen würde sage ich ihr, dass ich es so verstehe, dass sie mich jetzt auch nicht mehr haben will. Ich soll sie angucken. Sie stellt es richtig. Dass die Therapie nicht zu Ende ist. Sie nicht weggeht. Aber sie mir alle Informationen gegeben hat, die es braucht um eine Entscheidung für mich zu treffen. Dass sie mir nicht sagen wird was genau wie laufen wird – dass das niemand kann. Und dass sie weiß, dass ich es weiß. Und sie deswegen das Gefühl hat zerren zu müssen.

In mir Leere. Ich höre was sie sagt. Ich soll’s wiederholen. Mache ich. Dann ist die Sitzung zu Ende. Ich bin leer. Traurig und gleichzeitig so leer gepumpt. Meine Augen brennen jetzt immernoch. Mein Herz zieht. Meine Augen füllen sich über den Tag ständig mit Tränen, dann schiebe ich sie wieder weg.


Die Arbeit lenkt etwas ab. Doch kaum den Fuß aus der Tür ,kommt alles wie ein Schlag zurück. Ich habe so viel Angst. So so so viel Angst.

Ich weiß, dass ich den Bewältigungsmodus loslassen muss. Aber ich habe so viel Angst. Was soll ich denn machen, wenn ich ihn loslasse. Was soll ich machen, wenn ich den Partner nur noch am Wochenende sehe – nicht mehr gefühlt jede Nacht. Als wir getrennt waren, war das leichter – irgendwie. Denn da war ich ja in gewisser Weise gezwungen alleine Zeit zu verbringen.

Jetzt – gerade jetzt, wo er 10 Minuten entfernt wohnt – fühlt sich das alles absolut nicht machbar an. Fast utopisch.

Die gesunde Lynn will den Bewältigungsmodus loslassen. Das innere Kind, die kleine Lynn hält krampfhaft fest. Es ist sein Schutz.

Ich erzählte meinem Partner heute von der Sitzung. Er versucht sein bestes. Aber er soll’s nicht tragen. Ich muss es tragen. ich muss zurecht kommen. Mit dem inneren Kind und dem gesundenn Erwachsenen, die dringend wieder vereint werden müssen in dieser Angelegenheit.

Bewältigungsmodus:Partner. Mein festsitzendster Bewältigungsmodus. Mein größter Schutz. Den soll ich loslassen. Den soll ich bekämpfen. Es macht mir Angst.


Freitag ist übrigens wieder Paartherapie.
Ich hoffe ich nehme die gesunde Erwachsene dahin mit.
Ich kann sie gebrauchen.

2 Kommentare zu „16.November.

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