Kontrollzwang.

Gestern war mal wieder einer dieser Tage. Ich wache auf und bin absolut unsicher in mir selbst. Warum? Ich weiß es nicht. Aber ich merke, dass nichts genug ist.

Da hieß es dann nur : Durchhalten. Möglichst viel über den Zustand kommunizieren und so verhindern, dass ich es destruktiv an den falschen Leuten auslasse.

Diese Tage kommen mir doppelt so lang vor wie andere. Ich hatte so viele Stimmungen an diesem Tag – alle begleitet von diesem dumpfen Gefühl der Unsicherheit.

Dem Gefühl, nicht genug zu sein. Dem Gefühl, für andere eine Belastung zu sein. Dem Gefühl, nervig zu sein. Dem Gefühl, zu viel zu verlangen. Dem Gefühl, unwichtig zu sein. Und dem Gefühl, so wie ich bin nicht geliebt werden zu können.

Es war so anstrengend. Am Morgen hatte ich ein Uni-Seminar. Danach quälte ich mich mit einer Aufgabe für einen anderen Kurs – die schob ich schon tagelang vor mir her. Und wie erwartet überforderte sie mich. Einige Wutanfälle später dann kurz zum Partner, dieser überraschte mich mit einer kleinen Aufmerksamkeit, was mich wirklich glücklich machte. Ich hätte mich nun nur eben verabschieden müssen und mich dann auf den Weg in die alte Heimat machen müssen.

Doch in meinem Kopf legte sich auf einmal ein Schalter um. Innerhalb von Sekunden sprang mein Gefühl von Freude in Angst um. Angst in die Heimat zu fahren – weil ich dort nicht kontrollieren kann, was der Partner in der Zeit tut.

Direkt darauf diese unterschwellige Wut. Auf mich. Dass ich so denke. Dass ich dauernd kontrollieren muss. Dass ich Dinge kontrollieren will, die außerhalb meiner Macht liegen.

Und gelähmt von Angst und Wut bleibe ich in seinem Flur stehen und gehe einfach nicht. Er versteht schnell was los ist. Er möchte es aber auch nicht diskutieren. Das Thema, worum es geht, ist indiskutabel.

Ausnahmsweise muss ich ihm dabei Recht geben. Sein Therapeut sagte ihm dies einst. Meine Therapeutin sagte es mir. Alle anderen Menschen um mich herum sagen es mir. Und trotzdem stehe ich da und werde von diesem Drang nach Kontrolle eingenommen. Und der Angst vor dem damit verbundenen Kontrollverlust, wenn ich weggehe.

Die gesamte Unsicherheit des Tages sorgte wohl dafür, dass sich dieser Schalter im Kopf umgelegt hat. Und ich voll drin war. In der Angst ihn zu verlieren, wenn ich nun für 5 Stunden wegfahre und nicht kontrollieren kann, was er in der Zeit tut.

Am schlimmsten finde ich, dass ich wahrnehme, wie unsinnig diese Kontrolle ist. Wie unberechtigt und überzogen sie ist. Und, dass ich in solchen Momenten einfach so machtlos bin. So gelähmt. Und damit meine ich wirklich gelähmt. Meine Füße waren wie fest geklebt. Bis er mir zum gefühlt 10. Mal sagte, dass es indiskutabel sei und ich mir gerade nur meine eigene Zeit stehlen würde.

True.

Dann auf dem Weg in die alte Heimat durchweg geweint, egal wie sehr ich auch versuchte es nicht zu tun. Diese ganze Unsicherheit, diese ganzen Selbstzweifel, die Wut auf meine Kontrollsucht – das alles kam da raus.

Der Besuch bei einem Herzensmenschen kam mir dann besonders gelegen. Freiwillig hätte ich das nie getan, aber es war ja geplant – und deswegen passte es eigentlich gut. Es war sehr schön. Mit leckerem Essen und einigen netten Gesprächen.


Heute ist es okay. Nicht gut, nicht schlecht. Aber okay. Ich fühle mich im Selbstwert ein wenig stabiler. Mit dem Partner ist es dem Umständen entsprechend auch okay. Viel Quality time und ein lazy saturday.

Jetzt „Gemeinsam allein sein“ . Ich blogge. Er geht seinem Hobby nach. Es fühlt sich okay an.


Tatsächlich blogge ich nicht gern an Tagen, an denen mich diese Zweifel im Selbstwert so bestimmen. Denn sie beinhalten auch das Gefühl, dass dieser Blog hier schwachsinnig ist. Dass weder ich noch andere einen Nutzen davon haben und, dass ihn sowieso niemand lesen mag. Dass ich nicht gut schreiben kann, dass andere Blogs viel professioneller sind und daher auch beliebter. Und überhaupt.

Und dann, wenn ich darüber schreibe, merke ich zumindest wieder eins: Für mich ist er gut. Und für mich soll er in erster Linie sein.

Also ist auch das nun gefühlsmäßig: okay.

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