Das Monster „Selbstzweifel“

Sie fressen mich auf. Die Zweifel. Sie erscheinen in Situationen, die triggern. Und dann fressen sie mich Stück für Stück auf. Am Anfang schaffe ich es noch sie wahrzunehmen. Sie in irgendeiner Form zu relativieren und mir selbst zu verstehen zu geben, dass ich okay bin. Ich als Lynn. Ich als Lynn im Job. Ich als Lynn in der Familie. Ich als Lynn in einer Partnerschaft.

Aber dann… Wenn mich etwas triggert – und mag es noch so klein sein – dann fängt es an. Und die Zweifel werden größer und größer. Mächtiger. Sie spielen Ping Pong mit den positiven Glaubenssätzen und Fortschritten, die die schlaue Frau mir immer wieder vor Augen hält. Aber es ist als würden die Zweifel mit jedem Zug mehr Kraft haben. Bis sie irgendwann so viel Kraft haben, dass die andere Seite zerbricht. Warum ist es nicht anders herum? Warum gewinnt die positive, neue Seite nicht?

Ich bin wütend wenn ich an mir selbst Zweifel. Und ich bin traurig. Und verzweifelt. Aber am meisten wütend. Und dann tue ich mir weh, weil wer hat’s verdient außer mir ? Ich bin ja der Grund, wieso nichts funktioniert.

Vier längere Beziehungen. Drei davon richtig scheiße. Eine so lala. Aber auch nur für mich. In allen die gleichen Muster. In allen die gleichen nichtigen Streitigkeiten. Die gleichen Ängste. Die gleichen intensiven Streitgespräche. Die gleiche Überforderung. Die gleiche Selbstbestrafung. Die gleichen Zweifel.

Es ändert sich nichts. Sie kommen. Und sie werden stärker. Immer wieder. Und dann fressen sie mich auf. Mich und alles, was ich gelernt habe. Mich und alles, was ich mir hart erarbeitet habe. Mich und jedes einzelne Lob für mich.

Und dann stehe ich da. Und sehe die kleine Lynn. Ich sehe sie wirklich vor meinem inneren Auge. Und sie sitzt dort. Auf der Treppe im Familientreppenhaus. Nach ihrem Wutausbruch/ ihren Wutausbrüchen. Nach 2 Stunden Streit. Sie sitzt dort und wartet. Wartet bis jemand kommt und sie in den Arm nimmt. Und sagt, dass es nicht so schlimm ist, was passiert ist. Und so stehe ich da als 25 jährige im Türrahmen bei meinem Partner. Nach meinem dritten Wutausbruch und zwei Stunden Streit. Und warte. Warte bis er kommt und mich in den Arm nimmt. Und sagt, dass es nicht so schlimm ist, was passiert ist.

Aber er kommt nicht. So wie damals auch keiner kam. Weil er müde ist davon. Weil sie müde davon waren. Weil er sauer ist. Weil sie sauer waren. Weil wir zwei Stunden Streit hatten. Und ich jetzt groß bin. Ich soll mich jetzt um mich selbst kümmern. Ich schaffe es nicht. So wie damals. Denn da war ich einfach zu klein.

Also bleibe ich hier. Als kleine Lynn. Die solange wartet, bis jemand kommt und ihr sagt, dass es nicht so schlimm ist, was passiert ist. Solange bin ich traurig. Und fühle mich schuldig. Bis mir jemand das Gefühl gibt auch so wieder geliebt zu werden. Und mich von der Schuld befreit. Weil die große Lynn mit ihr als verletzter Teil okay und gut ist wie sie ist. Weil sie eben einfach gut in ihrem Job ist. Einfach gut als Teil der Familie. Und auch einfach gut als feste Freundin.

Und dann glauben wir das erstmal. Aber nur bis zum nächsten Trigger. Bis die Selbstzweifel wieder kommen und die gesunde, erwachsene Lynn Stück für Stück komplett auffressen.

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