28.Oktober.

Immer wenn ich Beiträge mit dem Tagesdatum versehe, erschrecke ich mich. Denn es erschreckt mich, wie weit das Jahr schon wieder vorangeschritten ist.

Es fühlt sich tatsächlich so an, als hätte im April jemand auf „Pause“ und dann auf „Vorspulen x16 “ gedrückt und sich bis jetzt noch nicht entschieden die Geschwindigkeit zu reduzieren und das Leben in normalem Tempo weiter laufen zu lassen.

Und obwohl doch eigentlich so viel passiert ist und ich die ganzen Veränderungen auch bewusst erkenne, fühlt sich alles der letzten Monate absolut surreal und nicht greifbar an. Als wäre alles nur kurz an mir vorbei geflogen.

Ist doch verrückt, was so außergewöhnliche Situationen und Veränderungen des Alltags mit unserem persönlichen Zeitempfinden anstellen können. Ich meine: müsste uns nicht derzeit eigentlich alles unendlich lang vorkommen? Also zumindest Menschen wie mir. Denn ich habe seit April eigentlich nichts effektives mehr zu tun. Das Praxissemester lief aufgrund der Schließungen öffentlicher Einrichtungen ja ungefähr mal gar nicht, heißt zu der Zeit war ich schon 5 Monate lang fast jeden Tag zuhause ( ohne Aufgabe). Im Anschluss daran stellte ich dann den Bericht für die Uni fertig und nachdem ich ihn Ende August abgeben durfte, machte ich mit dem weiter, was ich seit April ja ohnehin eh schon jeden Tag tat: durchhängen und mich so gut wie jeden Tag fragen, was ich mit meiner Zeit anfangen soll.

Und obwohl da eigentlich so viel Zeit zum füllen ist, rennt sie mir doch irgendwie davon. Und es ist auf einmal Ende Oktober. Fast November – November ist Winter. November ist kalt. November ist Vor-Weihnachtszeit. Gerade war doch noch Frühling?


Jetzt startet bald das nächste Uni-Semester. Und neben großer Motivation und Freude auf der einen Seite, stehen da auch der Zweifel und die Angst.

Endlich wieder produktiv sein! Endlich wieder den Kopf benutzen. Endlich wieder Tagesaufgaben. Aber wird es mich nicht überfordern wieder jeden Tag diese Aufgaben zu haben? Denn ich bin doch gar nicht mehr im Rhythmus. Das fühlt sich jetzt schon so an, als wäre es zu viel.

Das Semester findet selbstverständlich digital statt. Alle meine Kurse finden online statt. Die Chance, diese Wohnung also mal zu verlassen und sich dabei „sozial agiert“ zu fühlen bleibt also auch aus. Es graut mir davor. Hätte ich doch wenigstens gerne 1-2 Kurse gehabt, an denen mich das Leben automatisch dazu verpflichtet zur Universität zu fahren.l und sozial zu agieren. Aber ja, es ist wie es ist. Ich habe zumindest die Hoffnung auf einen neuen Tagesablauf, der vielleicht mal konstant über mehrere Wochen anhält, da die Veranstaltungen ja zumindest meine digitale Präsenz voraussetzen. Und der Filialwechsel innerhalb meines Nebenjobs wird nun auch dafür sorgen, dass ich mehr arbeiten werde. Also noch 1-2 weitere Punkte, die meinen Alltag füllen.


Tatsächlich war mir nicht bewusst, dass mich diese „Leere“ und „Strukturlosigkeit“ belastet. Ist’s auch immernoch nicht wirklich.

Aber ich merke, dass ich seit Monaten nicht einmal das Gefühl von „Zufriedenheit“ verspüren konnte. Weil ich entweder vollkommen lost (btw: Jugendwort des Jahres – but why?) in meinem Alltag war, ich von meinem Umfeld gefühlt nur enttäuscht wurde (Geschichte mit dem jungen Mann) oder ich so sehr mit Selbstzweifeln zu kämpfen hatte, dass ich absolut nichts wahrnehmen konnte, was gerade „einfach mal konstant gut“ ist.

Mein ganzes Leben bin ich schon darauf angewiesen, eine Aufgabe zu haben. Ich habe nie Probleme in der Schule/ Uni oder bei der Arbeit gehabt. Meine Krankheit äußert sich weitestgehend in sozialen Beziehungen. Und diese konstruktiv zu gestalten, wenn mein einziger Halt in Form eines strukturierten, mit produktiven Aufgaben gefüllten Alltags über Monate wegbricht, wird immer schwieriger. Denn ich brauche den Stolz und die Freude der produktiven Aufgaben auch um zufrieden zu sein. Davon ernähre ich quasi meine positiven Gefühle.

Ich wünsche mir so sehr, dass mir der anstehende, neu strukturierte Alltag dabei helfen wird, wieder zufriedener zu sein. Denn ich denke dann wird es auch wieder einfacher mich mit mir selbst zu beschäftigen. Und die Beziehungsarbeit wird leichter werden, weil ich mich selbst wieder mehr lieben kann.


Wie geht es euch derzeit bezüglich eurer Alltagsgestaltung?

Erschwert Corona es euch ebenso euren Alltag zu strukturieren und falls ja – leidet ihr darunter ähnlich wie ich?

Oder ist euer Alltag weitestgehend so „wie vorher auch“ und Corona führt bei euch (glücklicherweise) zu keinen, weiteren Herausforderungen in der Gestaltung eures Tages?


Lasst gern einen Kommentar da.

Ich freue mich über jeden aktiven, aber auch stillen Mitleser hier 🙂

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