Idealbild Freundin.

Gestern Abend lag ich auf dem Sofa und mir ging nur noch ein Satz durch den Kopf

„Vielleicht sollte ich einfach keine Beziehung führen“

Dazu Scham- und Schuldgefühle sowie absolute Unsicherheit. Ich sprach den Satz nach einer Weile aus, mein Partner fragte mich nach der Begründung.

„…weil ich einfach keine gute Freundin bin. Weil ich immer alles und jeden kontrolliere“

Was ist denn eine gute Freundin? Was ist das für ein Idealbild, was ich ständig erfüllen möchte? Eine Freundin, die nicht einengt. Eine Freundin, die nicht eifersüchtig ist. Eine Freundin, die alleine sein kann. Eine Freundin, die nicht anstrengend ist. Eine Freundin, die nicht kontrolliert.

Auslöser war, dass ich mich bei meiner eigenen Kontrollsucht erwischt habe. Bezüglich einer absolut absurden Sache. Ich möchte sie hier nicht genau ausführen, da ich mich einfach nur dafür schäme. Ich habe mich gefragt, wieso mein Kopf so tickt. Was mich dazu bewegt, SO etwas zu kontrollieren. Und nein, es geht hier nicht um sowas wie das Kontrollieren des Handys oder so. Es geht auch um keine andere Frau. Nicht wirklich Eifersucht auf jemand anderen. Vielmehr Eifersucht auf Zeit, die ohne mich verbracht wird, in der ich keine Kontrolle über meinen Partner habe.

Wisst ihr, diese Tatsache, dass ich wahrnehme, wie stark ich ihn am liebsten kontrollieren würde macht das ganze irgendwie noch unerträglicher. Denn genau dann fangen solche Gedanken an wie:

Warum tickt mein Kopf so? Warum bin ich so anders? Warum kann ich nicht „normal“ sein? Warum kann ich keine Akzeptanz für ein Autonomiebedürfnis entwickeln?

Und dann denke ich mir, dass ich wahrscheinlich am wenigsten Schaden zufüge, wenn ich einfach alleine bleibe. Was ich ja aber auch nicht kann. Aber ich würde so wenigstens nur mir selbst schaden und niemand anderem.

Denn meine Kontrollsucht wirkt sich nicht nur auf mich aus. Auch meine Partner ersticken daran.

„Dann hör doch einfach auf damit“ sagt mein Partner zu mir.

Das geht nicht. Das hat die schlaue Frau ja auch schon gesagt. „Hören Sie einfach auf [das und das] zu kontrollieren.

Äh… ja. Klar. Wie denn? Wie soll ich mich davon lösen, wenn ich nicht einmal verstehen kann, wieso ich es tue. Wenn ich nicht einmal weiß, was mich daran stört, wenn ich keine Kontrolle habe? Wahrscheinlich die Angst einen Moment zu verpassen, in dem der andere sich, aus welchem Grund auch immer, emotional abkapselt und mich dann verlässt. Die Verlustangst also wieder.

Es ist anstrengend. Und ich merke, dass ich mich nur unwohl fühle gerade. Dass ich mich schäme zu sein, wie ich bin. Dass ich mich als Belastung empfinde. Als Freundin, die nicht gut genug sein kann.

Dabei weiß ich nichtmal, wie realistisch dieses Idealbild ist, welches ich versuche zu erreichen.

Mein Partner ergänzt noch : „Wir müssen beide aufhören irgendwelche Erwartungen an uns selbst und den anderen als Partner zu stellen. Insbesondere an uns. Denn wir müssen keine Erwartungen erfüllen. Wir müssen uns davon abkapseln“

Ja, da hat er Recht. Denn er kann das genauso gut wie ich. Dass er denkt, er sei nicht gut genug, weil er irgendwelche Erwartungen an sich selbst stellt und diese dann denkt nicht erfüllen zu können. Aus meiner Perspektive sind die Erwartungen dann aber völliger Schwachsinn. Er stellt sie an sich, nicht ich.

Umkehren kann ich das leider nicht. Also mir sagen „Schau. Umgekehrt müsste es ja dann doch genauso sein. Dass nicht er die Erwartungen stellt, sondern nur ich“

Warum eigentlich nicht… Wieder das Gefühl nicht normal zu sein. Andere können solche Dinge sicherlich logischer betrachten. Ich allerdings werde von meinen eigenen Gefühlen und dem inneren Kritiker überrannt.


Am Montag ist die schlaue Frau wieder da. Ihr ahnt vielleicht, dass ich mich in gewisser Weise drauf freue.

… auch wenn die Worte eines Familienmitglieds noch tief sitzen und nachwirken, dass „ich endlich unabhängig werden muss. Und mich nicht dauernd auf die Therapeutin verlassen soll, da sie ja nicht ewig bei mir sein kann. Und es mir ja oft nur schlecht ginge, weil ich so fokussiert auf die Therapie sei“

Wunder Punkt. Wirklich. Das war nicht schön. Denn ich weiß das, aber bin ja auf dem Weg unabhängiger zu werden.



Meine Top 3 der positiven Dinge der letzten zwei Wochen:

  1. Umzug gemeistert und im neuen Heim eingerichtet
  2. Verhätlnismäßig gut ohne die schlaue Frau zurecht gekommen
  3. Herzenspost aus der Ferne von meiner liebsten Freundin

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