Kreislauf Wut.

Wut. Einfach nur Wut. Das ist es, was ich nicht erkannt habe. Das ist es, wieso ich das innere Kind nicht trösten konnte. Weil es gar nicht traurig war bzw. ist, sondern vielmehr wütend. Wäre ich da von alleine drauf gekommen? Nein. Ich habe zwar wahrgenommen, dass ich wütend werde, gleich nachdem ich mich zurückgewiesen fühle. Aber, dass das wütende Kind in mir gerade die Oberhand hat, hätte ich nicht gedacht. Wie ich mich damit fühle? Absolut überfordert.

Es fühlt sich an, als hätte ich absolut keine Strategien mit dieser Wut umzugehen. Ich meine: klar. wütend toben in Streitigkeiten – das kann ich. Aber so wirkliche Wut empfinden und diese auf eine gesunde Art und Weise artikulieren oder loswerden? Das kann ich nicht.

Worauf ich wütend bin? Ich weiß es nicht mal genau. Ich weiß, ich bin wütend, dass mein Partner keine Lust auf Sex hat. Ich bin wütend, dass ich darüber wütend bin. Ich bin wütend, dass mein Partner mir nicht so gegenüber tritt, wie ich es bräuchte. Ich bin wütend, dass ich darüber wütend bin. Ich bin wütend, dass ich mein Zuhause verlasse. Ich bin wütend, dass ich darüber wütend bin. Ich bin wütend, ich bin wütend, ich bin wütend.

Das Problem? Ich lass‘ die Wut nicht raus. Das erhöht die Anspannung. Und reduziert die verbleibende Zeit bis zum nächsten explodieren. Ich stau‘ sie an, bis es nicht mehr geht und dann habe ich keine Kapazität mehr, sie gestaffelt und konstruktiv loszuwerden. Wer mir sagt, dass das so ist? Die schlaue Frau. Ob ich das verstehe? Ja, schon. Aber etwas in mir sträubt sich es anzunehmen.

Es passt für mich nicht zusammen. Dass ich ausraste (in ungefähr jedem Streit) und sie mir sagt, ich würde meine Wut nicht rauslassen. Wenn ich aber genau drüber nachdenke, fühlt es sich doch genau danach an. Ich unterdrücke die eigentliche Wut. Denn ich sollte die Wut, die ich beim Gespräch mit ihr empfinden konnte, an ihr auslassen. Es ging nicht. Es ging einfach nicht. Je mehr ich es sollte, desto höher wurde die Anspannung. Meine Arme fangen an zu kribbeln, ich verkrampfe. Mein Blick wird starr. Mit jeder Aufforderung von ihr ein bisschen mehr. Ich soll aufstehen und die Wut jetzt endlich rauslassen. Ich sage ihr immer wieder, dass ich es nicht kann. Einfach nicht kann. Nicht kann. Weil ich es nicht darf. Sie fragt warum. Ich sage, weil ich es nie durfte. Nie. Ich hab’s immer gemacht, aber eigentlich wurde mir immer gesagt, dass das falsch ist. Dass ich zu impulsiv bin. Dass ich „immer nur rumschreie“. Dass ich „anstrengend“ bin, wenn ich so bin. Und mich so ganz bestimmt nie jemand aushalten kann und auch nie können wird. Egal wer. Das gepaart mit dem Anspruch an mich selbst niemals anstrengend zu werden, weil doch schon das Geschwisterkind so viel Ärger verursacht hat. Produziert Wut. So viel Wut. Auf mich. Auf die anderen. Auf die schlaue Frau. Auf das Leben. Und sie will raus aus mir. Aber ich lasse sie nicht raus. Weil ich doch Angst habe. Angst, alles und jeden, den ich liebe, zu verlieren, wenn ich so bin. Ihr merkt… hier switcht der Modus.

Das einsame, ängstliche Kind wird aktiviert. Dieses empfindet jetzt nichts mehr außer Angst und Schuld. Ich fühle mich schuldig, ich bin beschämt – wegen der unkontrollierten Wut. Ich fühle mich schuldig. Ich empfinde den Drang, dem anderen meine Schuldgefühle entgegen zu bringen. Weil ich alles falsch gemacht habe. Weil ich wieder anstrengend war. Und weil ich doch nicht will, dass er/ sie weggeht.

Wut und Schuld gehen bei mir Hand- in – Hand. Das wütende Kind ist mit dem einsamen, ängstlichen Kind verbunden. Immer. In jedem Streit. Und auch noch viele Tage nach dem Streit.

Solange, bis mich das Außen von meiner Schuld befreit (Bewältigungsmodus). In einer Beziehung durch Sex. Sex als Bewältigungsmodus. Denn Sex gibt mir einen vermeintlichen Wert. Er gibt mir das Gefühl, wieder geliebt zu werden. Habe ich keinen Sex, fühle ich mich bestraft. Weil mich „das Außen nicht von meiner Schuld befreien will“. So ist mein Empfinden. Ganz alleine meins. Habe ich keinen Sex, fällt mein mir angeeigneter Bewältigungsmodus zur Schuldbefreiung weg. Ich habe keine Ahnung, wie ich mit dem Schuldgefühl umgehen soll. Ich fühle mich nur noch bestraft vom gegenüber, die Wut verschwindet natürlich nicht. Sie wird stattdessen nur wieder aktiviert, meine Anspannung steigt und am Ende ist da wieder das Schuldgefühl für diese Wut. Welches, wenn es nicht genommen werden kann, wieder in Wut endet und so weiter und so weiter… Teufelskreis. Absoluter Teufelskreis. Der vermeintlich nur durch eins gelöst werden kann: Sex.

Dann ist da die negative Bewertung dessen. Das Wissen, dass dies nicht normal ist. Dass man Sex benutzt, um sich von Schuld zu befreien. Ich meine… Was soll sowas? Das macht mich wütend. Das alles macht mich wütend. Die anderen machen mich wütend, ich mache mich wütend. Alles.


Sie gibt mit eine Skills-Sammlung mit. Ich soll mir Skills raussuchen, die eventuell helfen könnten die Wut zu regulieren, während sie sich anbahnt und immer stärker wird. Während ich versuche sie zu unterdrücken, anfange mich zu kratzen, weil sie irgendwohin muss. Aber nicht ins Außen darf, weil ich Angst habe dadurch Menschen zu verlieren.

Ich bin so überfordert. Mit der Skills- Sammlung. Mit der Aufgabe. Mit dieser Erkenntnis. Mit dem wütenden Kind. Mit meinem derzeitigen Verhalten.

Ich habe keine Coping- Strategien. Die schlaue Frau hat Urlaub.

Ich muss es aushalten. Alleine……..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.