6.Oktober.

Es ist Oktober. Es ist Herbst. Ich mag den Herbst. Er ist so schön bunt. Und doch macht mir das Wetter zu schaffen. Wenn die Sonne scheint, geht es mir meistens besser. Im Herbst wird das schon schwieriger. Ist mir so nie aufgefallen, aber als ich mal drüber nachdachte konnte ich die Verknüpfung doch irgendwie herstellen. Verrückt, was das Vitamin D der Sonne bewirken kann….

Im Moment kann ich meine Gefühle nicht wirklich genau beschreiben. Ich erlebe jeden Tag immer wieder wild herumwütende Wellen. Freude und Trauer stehen so nah beieinander. Und ich pendel immer wieder irgendwo dazwischen. In einem Moment voller Euphorie vor dem, was vor mir liegt, sitze ich ein paar Momente später in meinem Auto oder auf meinem Bett (oder, oder, oder…) und fange einfach nur an zu weinen. Weil es mich so traurig macht. So traurig, dieses Zuhause aufzugeben. So traurig die Erkenntnis, dass die Geschichte mit dem jungen Mann vor der jetzigen Beziehung (der übrigens mein [noch] Mitbewohner ist) mich so verletzt hat. So sehr, dass ich einfach nicht mehr hier sein möchte. Obwohl ich dieses Zimmer liebe. Und diese Wohnung. Diese Stadt. Und diese ganze Sicherheit, die ich hier hatte. Bis vor unserer Geschichte. Mein sicherer Hafen. Das war das hier. Immer.

Mit dem gestrigen Brief an die kleine Lynn habe ich versucht den traurigen Teil von mir zu trösten. Denn ich merke, dass die Streitigkeiten mit dem Partner zunehmen. Dass meine Gefühle wieder extremer werden. Dass ich mich von jeder Kleinigkeit zurückgewiesen fühle. Und, dass ich einfach immer denke, dass alles, was ich tue nicht genug ist. Ich finde mich nicht mehr schön. Ich habe Angst, ihn an jemand anderen zu verlieren, der besser ist. Und ich dachte, dies sei nach der letzten Sitzung erstmal normal und ich müsse es nur aushalten. Da ich die kleine gemeinsam mit der schlauen Frau einfach nur habe weinen lassen und mich dann sorgfältig um sie gekümmert habe in der Imagination. Ich dachte das geht schon wieder nach ein paar Tagen. Aber es ist immernoch genauso extrem wie vor 5 Tagen.

Und ich werde so müde von dieser Trauer. Müde, mich mit diesem inneren Teil von mir auseinander zu setzen. Müde, generell traurig zu sein. Müde, mich dabei (so wie jetzt ) einfach nur absolut dumm zu fühlen und mich als falsch zu bewerten. Müde von dem impulsiven, wütenden Teil in mir, der so auf meine Trauer und Überforderung reagiert. Müde von den Streitigkeiten, die aus der Wut entstehen und müde vom selbst reflektieren. Müde vom aushalten. Müde vom planen. Müde vom alles- richtig- machen. Müde vom „Du macht das so toll“ von den anderen. Einfach nur müde.

Und gleichzeitig bin ich auch irgendwo voller Tatendrang und Vorfreude. Vorfreude auf das neue WG-Zimmer. Vorfreude auf die neue Stadt. Vorfreude auf den nächsten Schritt in meinem Leben. Vorfreude auf die neue Unabhängigkeit.

Ich hasse diese Tage ständig wechselnden Gefühlsextreme. Es ist anstrengend. Und meine Selbstzweifel sind so groß, wie schon lange nicht mehr. Ich kämpfe jeden Tag gegen mit dem inneren Kritiker. Versuche alles, die inneren Teile der Einsamkeit, Ängste und Trauer zu verstehen und anzunehmen. Aber es scheint einfach alles nicht genug.

Ist da doch gerade so viel anderes, was meine Energie zieht….


Nichts destotrotz, einfach, weil ich es mir versprochen habe…

Meine Top 3 der positiven Dinge des Tages:
1. schöne Farbe für das neue Zimmer ausgesucht
2. gemeinsames Essen- Gehen mit den Mitbewohnern zum Abschied
3. Kleidung an den Sozialmarkt gespendet


Immer in Bewegung, immer auf dem Sprung,
bin ich wirklich auf der Suche oder nur süchtig nach Veränderung?
Ich frage mich wie lang soll das noch weitergehen?

Schon so lang unterwegs
Mein Kopf will immer nur weiter
Mein Herz sagt, dass ich
Zuhause vermiss‘
Wo auch immer das ist
Wann halt‘ ich an und hör‘ auf wegzulaufen?
Weil ich Zuhause vermiss‘
Wo auch immer das ist

Ist ’ne Flut neuer Gesichter, kenn mich selbst manchmal nicht mehr,
Wache irgendwo auf und frag mich, wo ich wirklich hingehör‘,
Lauf vor mir selber weg und komm kaum hinterher

Immer mehr erleben, immer noch ’ne Schippe drauf,
Muss noch ein Level höher, fast alle Leben aufgebraucht
Wann bin ich mal zufrieden?
Ist doch eigentlich nicht so schwer.

M. G, – Zuhause

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