Brief an die kleine Lynn.

Liebe kleine Lynn,
ich weiß wie du dich fühlst. Ich weiß, dass du gerade denkst, dass du einfach nicht genug bist. Und ich verstehe, dass dich der innere Kritiker überfordert. Ich verstehe, dass dich diese ganze Unsicherheit, die vor uns liegt überfordert. Und, dass du denkst, dass du keine Strategien hast, um damit umzugehen. Ich weiß, dass du früher immer nach Strategien gesucht hast, die in erster Linie darauf abzielten, dass es allen in der Familie gut geht. Und ich weiß auch, dass du immer versucht hast, den anderen keine Sorgen zu bereiten und nun umso mehr darunter leidest, dass du dies am Ende doch getan hast. Und, dass du jetzt noch viel mehr Aufmerksamkeit brauchst als früher, weil du es immernoch tust. Statt Anerkennung für deine Bemühungen zu bekommen, bist du in dem ganzen Trubel und Ärger entweder untergegangen oder fühltest dich bestraft dafür, dass du es versuchst. Weil es nicht erkannt wurde. Und du tun konntest, was du wolltest, es war einfach nicht genug. Es kehrte keine Ruhe ein. Es war nur laut. Und du lagst in deinem Bett, so wie jetzt, und weintest. Bis es irgendwann aufhörte.

Liebe kleine Lynn, ich sehe all diesen Schmerz, den du noch immer empfindest. Aber ich bin jetzt bei dir. Am Bett. Und ich sorge für dich. Du bist nicht mehr allein. Und das, was du tust ist genug. Ich erkenne, dass du alles tust, was du kannst. Ich erkenne, dass du jede Zurückweisung als Strafe empfindest und, dass dich diese genauso verletzt, wie früher zuhause. Aber wir sind nicht mehr klein. Ich habe neue Strategien für uns entwickelt, um mit dieser emotionalen Überforderung umzugehen. Und ich werde dir immer weiter zeigen, dass wir das können. Und, dass wir so wie wir sind immer, wirklich immer, genug sind. Seit der letzten Sitzung bei unserer schlauen Frau gebe ich dir wieder einen Platz in mir. Ich habe dich zuvor (wieder einmal) verdrängt, aber du hast das Recht da zu sein. Du darfst weinen. Und schreien. Und traurig sein. Und überfordert. Und jetzt gebe ich dir dafür den Raum. Du bist ein Teil von mir. Ich bin hier, um dich zu trösten. Ich möchte, dass du diesen Trost anzunehmen lernst. Von mir. Denn ich bin stark genug für uns beide. Ich trage deine Trauer mit dir. Und ich sorge dafür, dass du keine Angst mehr haben musst.

Liebe kleine einsame, traurige und überforderte Lynn, die im Moment wieder ganz schnell wütend wird und impulsiv reagiert, wenn jemand sie zurückweist: wir sind jetzt groß. Wir können damit jetzt umgehen. Ich bin bei dir und zeige dir wie das geht. Bitte schenk‘ mir Vertrauen.

In Liebe,
deine Lynn

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