Therapiesitzung 1.10.

Nach der Selbstverletzung gestern, war ich bis zur Hinfahrt voll im distanzierten Beschützermodus gefangen.

Das heißt, ich lasse kaum Gefühle an mich ran. Ich fühle mich stumpf, habe keine Meinung zu irgendwas und Entscheidungen kann ich in dem Modus erst Recht nicht treffen. Auf dem Weg zur schlauen Frau gab ich einem meiner Herzensmenschen Bescheid, dass ich unsere Verabredung heute evtl. nicht wahrnehmen kann. Weil’s mir emotional nicht so gut geht. Und ich erzählte warum. Und dabei realisierte ich, was gestern passiert war. Und wie sehr die kleine Lynn eingeschüchtert wurde. Wie sehr sich ihre Angst, ausgelöst durch den inneren Kritiker, so verfestigte, dass ich nicht mehr anders konnte, als diesem Gefühl zu glauben.

Die Situation gestern war ein absoluter Trigger. Denn ungefähr vor genau einem Jahr hat mein Partner zwei Tage vor einem Paarberatungs – Gespräch mit mir Schluss gemacht. Ist dann aber noch mit mir zum Gespräch gegangen… um dort nochmal zu sagen, dass er nichts verändern will und nicht mehr an uns glaubt, um mich danach dann endgültig zu verlassen. Als er gestern wieder seine Zweifel aussprach, setzte alles an Vernunft und Werkzeugen aus. Der Kritiker. Die ängstliche, kleine Lynn. Sie definierten mein Handeln und meine Wut. Und diese Wut auf mich musste irgendwohin. Erden ging nicht mehr. Das war einfach wie ein Kurzschluss. Niemand anders hätte diese Wut verdient zu spüren außer mir. Ich verletzte mich. Und gleich danach schützte ich mich durch den distanzierten Beschützermodus.

Heute morgen entschuldigte sich mein Partner für den Satz bzw. das In-Frage-stellen. Er sagte mir, ich müsse keine Angst haben und es täte ihm leid, da er weiß, was diese Sätze anrichten können. Meine Meinung dazu war keine. Ich bedankte mich stumpf.

Dann war die Sitzung. Ich erzählte zuerst, dass wir morgen den Termin haben. Sie: „oh, das ist doch super, oder nicht?“

Nein. Nichts ist super. [Es folgte die Erzählung von unseren Streitigkeiten, den Zweifeln meines Freundes sowie der heutigen Entschuldigung]

Ich erzählte außerdem, dass ich einfach nur Angst habe. Angst davor, dass wir morgen dahin gehen, er dort dasselbe sagt wie letztes Jahr und mich danach wieder verlässt. So wie letztes Jahr.

Ich erkenne von alleine, dass Ursprung aller Diskussionen der letzten Wochen mit meinem Partner meine derzeitige Überforderung ist. Mit dem Umzug. Mit der Uni. Mit meinem Partner. Einfach alles.

Wir nutzen das aktive Gefühl der Überforderung beim Erzählen für eine Imaginationsübung, in der die kleine genau diese Überforderung spürt. Und ich habe schon lange nicht mehr so dolle geweint und geschluchzt wie da. Es kam alles raus. Einfach alles. Gefühlt von ganz unten im Herzen. Alles der letzten Wochen. Jede Angst. Jede Unsicherheit. Jede Sorge.

Die große Lynn soll die kleine dann versuchen zu beruhigen. Meine Hand liegt seit Beginn der Übung auf meinem Bauch. Vor meinem inneren Auge ist die große auch bei der kleinen und berührt sie. Schafft es aber nicht zu ihr zu sprechen. Die schlaue Frau fragt, was die kleine braucht. Ich muss mich konzentrieren, da ich immer wieder zwischen kleiner und großer Lynn switche. Ich sage: Ruhe. Ich soll der kleinen sagen, dass ich da bin und für Ruhe sorge. Aber ich schaffe es einfach nicht zu sprechen. Die kleine schaut mich nur erwartungsvoll an. Die schlaue Frau kommt schließlich in der Imagination dazu, legt ihre Hand auf meine Schulter. Dann sagt sie, die große soll der kleinen nun eine gute Nacht und schöne Träume wünschen. Zur Erklärung: ich hatte der schlauen Frau zuvor erzählt, dass die Kleine in meinem Kinderzimmer im Elternhaus in ihrem Bett liegt. Es ist abends in der Imagination. Die große Lynn wünscht der kleinen eine Gute Nacht und wir lösen die Imagination langsam auf. Auch wenn wir das innere Bild auflösen, sehe ich, dass die große den Raum nicht verlässt. Ich sage es der schlauen Frau. Sie sagt das ist okay. Die große steht an der Tür und wartet, bis die kleine eingeschlafen ist. Beobachtet sie und passt auf.

Nach der Imagination gibt die schlaue Frau mir ein paar Momente Zeit. Dann möchte sie mit mir über morgen reden. Und mir helfen, dass ich in der Paarsitzung morgen nicht als kleine Lynn dasitze. Dass die große Lynn dort spricht. Das heißt, dass ich, wenn mein Partner z.B. sagt, dass er nichts ändern möchte oder keine Chance sieht sage:

Das verletzt mich, denn wir waren letztes Jahr schon einmal an dem selben Punkt.

Oder:

Das macht mir Angst.

Die große soll die Gefühle der kleinen morgen auf eine erwachsene Art und Weise artikulieren. Challenge accepted.

Dieser Teil der Sitzung ist weniger aufwühlend. Sie sagt mir noch, dass ich mich für eine Sache bei meinem Partner entschuldigen sollte. Und, dass ich ihm auch sagen darf, dass ich Angst vor morgen habe. Dann ist die Sitzung zu Ende. Und ich okay.

Die Angst habe ich immernoch. Aber es war gut, dass die Sitzung heute war. Anders hätte da morgen wahrscheinlich niemand außer der kleinen, ängstlichen Lynn beim Paartherapeuten gesessen. Und ich würde mich bis dahin nach wie vor im distanzierten Beschützermodus befinden. Der für einen Moment okay ist, aber auf Dauer nur Gefühle unterdrückt.

Am Nachmittag besuchte ich meinen Herzensmenschen doch noch. Statt geplanter 30 Minuten, war ich fast zwei Stunden dort. Und es tat sehr gut. Jetzt bin ich bei meinem Partner, der aber noch arbeiten ist. Ich genieße die Zeit bis dahin. Eben mit einer Meditation mit positiven Affirmationen gemacht und jetzt ruhe ich einfach. Ich bin nämlich müde. Unglaublich müde.

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