Der Tag danach.

Wie fühlt sich das an, so ein Tag nach dem der innere Kritiker schon wieder richtig hart Überhand genommen hat? Ich würd’s so gern beschreiben. Doch kann ich es nicht.

Ich wache auf. Bin dumpf. Fühlt sich an wie Leere. Doch irgendwo ist da Reue. Für mein Verhalten. Scham. Für die Wut und das unkontrollierte ausbrechen. Verletztheit. Durch das Verhalten meines Gegenübers. Unverständnis. Für mich. Wut. Auf mich. Überforderung. Weil ich dachte, dass ich mehr kann. Kein Bedürfnis nach Nähe.

Und ich glaub‘ das ist gut. Ich will gar niemandem schreiben. Schon gar nicht meinem Partner. Auch wenn ich hoffe, dass von ihm die erste Nachricht kommt. Aber ich möchte gar nicht. Ich möchte mich auch nicht entschuldigen. Weil ich mir diese Rückschläge Vorfälle erlauben möchte. Und trotzdem darf ich nicht erwarten, dass es für ihn nun einfach okay ist.

Ich hätte liegen bleiben können. Wirklich. Aber ich habe mir vorgenommen die ersten Kisten zu packen. Damit war ich dann auch eigentlich so gut wie den ganzen Tag beschäftigt. Irgendwann fiel mir auf, dass ich weder gegessen noch getrunken habe. Also eine kleine Pause eingelegt. Ein paar Krims-krams Sachen bei ebay Kleinanzeigen reingestellt und FERTIG Tortellini mit FERTIG Pesto gemacht. Und es war lecker.

Danach noch so getan als würde ich weiter produktiv sein, wobei da rückblickend jetzt nun wirklich nicht mehr viel bei rum kam. Aber das ist okay.


Die Kommunikation mit meinem Partner erweist sich (surprise!) als äußerst schwierig. Angespanntheit auf beiden Seiten. Ich verstehe es als Abweisung. Das einsame Kind wird aktiviert und ich kämpfe immer wieder gegen impulsive, wütende Antworten. Aber es bleibt „ruhig“. Angespannt, aber ruhig. Wir formulierte er so schön

„Das ist für mich heute normal und freundlich. Kein Streit, keine Vorwürfe, keine Beleidigung“.

Jo. Ok. Ist halt einfach hauptsächlich mein Problem gerade. Muss ich wohl irgendwie mit klar kommen.

Ihr glaubt’s kaum, aber passend dazu meldete sich heute ein Paartherapeut bei uns. Er ist etwas weiter weg, aber arbeitet auch schematherapeutisch und er bot uns einen Termin für diesen Freitag an. Wir stimmen zu. Halleluja. Bitte lass ihn gut sein. Und die Anreise wert.


Apropos Therapie…. Morgen ist der Termin bei der schlauen Frau. 10 Tage ist’s her, dass ich bei ihr war. Ging vom Gefühl her eigentlich ganz gut. Ein Blick auf mein Protokoll verrät mir jedoch, wie viel schon wieder passiert ist seitdem. Und ich bin froh, dass ich die wichtigsten Dinge aufgeschrieben habe, damit ich es nicht vergesse.

Manchmal vergisst man prägende Dinge in diesen riesen Gefühlswellen. Weil’s einfach alles so intensiv ist. So wie gestern Abend. Und ich tendiere dazu mich gleich ins nächste Hoch zu stürzen. Und das Problem ist, dass ich dasselbe von meinem Gegenüber erwarte. Aber das geht nicht. Denn gesunde Menschen brauchen danach einfach ihre Zeit. Und können nicht einfach von „Hass“ auf „Liebe“ umstellen.


Ich hätte heute morgen also liegen bleiben können. Aber stattdessen tat ich was produktives und es fühlt sich gut an, die ersten Kisten gepackt dort stehen zu sehen. Zum Abschluss des Tages habe ich mich nach einigen Zweifeln doch noch aufgerafft baden zu gehen. Und habe mir eine Mediation angemacht. Eine Meditation, in der man dem inneren Kritiker begegnet und ihn friedlich verabschiedet, nachdem man sich seine Kritik angehört hat. Kannte ich so vorher noch nicht in Form einer Meditation. Fand ich schön. Und passend. Man sollte sich ihn als Person vorstellen. Mein innerer Kritiker sah nicht komplett aus wie ich. Er sah vielmehr verzerrt aus. Schon in Ansätzen wie ich, aber einfach schwarz. Ich konnte kaum was erkennen. Außer ein paar Umrisse meiner Frisur sowie meine körperliche Statur.

Die Frau in der Meditation sagte am Ende, dass jedes Mal, in dem man dem inneren Kritiker begegnet und sich mit ihm versöhnlich unterhält, dazu beiträgt, dass er irgendwann weniger laut sein wird. Weil wir lernen ihm zu erklären, dass wir uns unsere Fehler heute erlauben.

Das wünsche ich mir. Dass das irgendwann so ist. Und der innere Kritiker mich nicht mehr so stark in meinem Handeln beeinflusst, wie jetzt.

In meinen Gedanken darf er sein. Aber auf mein Handeln soll er nicht mehr so viel Einfluss haben.

[Triggerwarnung]

Wow. Es ist nur etwas über eine Stunde her, dass ich das alles geschrieben habe. Was gerade passiert ist, kann ich niemandem erklären. Eskalation. Von jetzt auf gleich. Am Telefon. Am Ende die Frage wieso man überhaupt noch zusammen sei. Er denke da wieder „seit Tagen“ drüber nach. Ciao. Ciao Selbstwert, ciao, gutes Gefühl. Einfach ciao. Die Anspannung steigt innerhalb von Sekunden so hoch, dass ich sie nicht aushalte. Jeder Satz, den er sagt : er sticht und sie steigt und steigt und steigt. Ich kann nicht mehr denken. Ich kann nicht mehr fühlen. Ich bin verloren. Ich habe verkackt. Ich bin Schuld. Es sollte alles anders sein. Es ist alles gleich. Weil ich krank bin. Ich. Ich. Ganz alleine ich. Die Anspannung. So. Hoch. Ich denke nicht mehr. Ich muss sie loswerden. Es muss aufhoren. Ich kann’s nicht mehr aushalten. Es geht nicht. Ich tue mir weh. Nochmal. Und nochmal. Und nochmal. Solange, bis es aufhört. Bis da Leere im Kopf ist. Vermeintliche Leere. Neutralität. Vermeintliche Neutralität. Danach geht’s besser. Jetzt fühle ich nichts mehr. Wenigstens auch nicht mehr die Wut auf mich. Einfach nichts. Distanzierter Beschützer? Keine Ahnung.

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