25. September.

3 Tage sind seit der Sitzung vergangen. 3 Tage, in denen ich immer wieder darüber nachgedacht habe, wie ich dazu stehe, dass die Therapie (sehr wahrscheinlich) bald zu Ende sein wird. Und es ist skurril. Denn 9 Sitzungen, die ausstehen hören sich nach zu wenig an. 20 Sitzungen, die eventuell bewilligt werden könnten, hören sich nach zu viel an.

Ich habe die Zeit genutzt, um mich zu versuchen zu bestärken. Immer wieder darüber nachgedacht, was ich bereits geschafft habe. Und damit beruhigt, dass ich zur Not auch weitere Sitzungen selbst zahlen kann. Selbst, wenn die Kasse nicht mehr zahlen wird. Wird schon irgendwie gehen.


Seit der Sitzung träume ich jede Nacht. Ich träume von mir und meinem Partner, von unseren Streitigkeiten (in absurden Situationen, die so jetzt gar nicht stattfinden könnten). Ich träume, dass ich meine Sehkraft verliere. Orientierungslos bin. Kenne ich schon – das träume ich öfter. Ebenso wie die Träume mit der Hilflosigkeit. Ich mag diese Träume nicht. Denn ich habe das Gefühl, in den Träumen alles dreimal so intensiv zu fühlen und spüren wie in der Realität. Und wenn ich dann nichts sehen kann, bin ich verloren. Verloren in der Situation. Werde eingenommen von den Gefühlen – ohne irgendeine Kontrolle zu haben. Und ich bekomme Angst. Wahnsinnige Angst.

Da ich weiß, dass meine Träume fast immer einer Verarbeitung dienen (ich glaube daran – zumindest bei mir), bin ich sicher, dass diese durch die Nachricht in der letzten Sitzung ausgelöst werden.

Ja, ich habe Angst ohne die schlaue Frau orientierungslos zu sein. Ja, ich habe Angst meinen Partner wieder zu verlieren – weil ich in alte Muster verfalle. Ja, ich habe Angst mich selbst wieder zu verlieren.

Dann versuche ich an die Worte meiner Herzensmenschen zu denken, einer von ihnen las den letzten Beitrag und machte mir Mut. Er erinnerte mich daran, dass die Werkzeuge, die ich in der Therapie erlernt habe, ja nicht einfach mit dem Ende der Sitzungen verschwinden.

Ich weiß. Ja. Eigentlich weiß ich. Aber nach der Jugendtherapie dachte ich dies auch schonmal. Und da habe ich zwei Jahre später wieder feststellen müssen, dass sie alle noch da sind – die Muster und Schemata. Der Vergleich ist eigentlich absurd. Denn die Therapieformen sind nicht miteinander zu vergleichen. Die jetzige Therapie war viel intensiver. Viel aktiver. Viel tiefenpsychologischer. Und die schlaue Frau hat mir versprochen, dass wir jetzt mit aktiven Handlungsalternativen in Form von Übungen und Strategien arbeiten, die ich lerne in den Alltag einzubinden. Ich vertraue ihr. Und hoffe es klappt.

Ein anderer Herzensmensch bestärkt mich, indem er mir immer wieder sagt, dass wenn ich positiv denke, es auch positiv werden kann. Dass die Träume verschwinden werden, je mehr ich merke, dass mein Partner bleibt. Je mehr ich merke, dass wir weniger streiten. Und je mehr ich merke, dass ich doch schon so einiges geschafft habe, was nicht einfach verschwindet.

Das Modus- Wochenprotokoll (ich setze euch unten mal ein Foto davon rein) fülle ich derzeit wie besprochen jeden Abend aus. Ich stelle fest, dass ich über den Tag verteilt bewusster drüber nachdenke, in welchem Modus ich mich gerade befinde. Der gesunde Erwachsene war jeden Tag dabei bis jetzt. Aber habe auch jeden Tag mindestens einmal das einsame Kind in mir wahrnehmen können. Selbst an dem Tag, an dem ich arbeiten war.


Gestern habe ich eine Uni-Aufgabe abgegeben, die mich über 3 Monate beschäftigt hat. Knappe 80 Seiten mussten wir schreiben. Gestern habe ich sie abgeschickt. Und es war so befreiend.


Jetzt ist der Kopf frei – frei für den Umzug.
Frei für mich.

Habe nach der Abgabe gemerkt, dass ich dennoch überfordert war. Wieder nur am Handy gewesen – obwohl ich eigentlich rausgehen wollte. Saß ja schließlich den ganzen Tag im Haus vor meinem Laptop. Hab’s geschafft mich nach nur 30 Minuten aufzuraffen und habe die Ecke rund um meinen neuen Wohnort erkundet. Von meinem Partner aus kann ich die zukünftige Wohnung fußläufig in 10 Minuten erreichen. Ich habe also einen 45-minütigen Spaziergang durch die belebten Straßen meiner neuen Stadt gemacht und mich danach tatsächlich viel besser gefühlt. Frische Luft. Musik in den Ohren. Die neue Heimat „erkunden“. Das war schön.

Ich wusste außerdem, dass, um das Feld „Beachtung meiner Bedürfnisse“ auf dem Wochen-Protokoll mit einer Zahl, die nicht Null ist, ausfüllen zu können, noch etwas fehlt. Weil ich gestern – vor dem Spaziergang – ungefähr gar nichts für mich getan habe. Irgendwie war das auch ein Anreiz rauszugehen.

Jaaaa. „So soll das wahrscheinlich auch funktionieren mit dem Protokoll“ denkt ich sicherlich jetzt. Ist auch so. Zeigt wohl Wirkung.


Jetzt kommt das Wochenende. Da wird’s spannend. Wie wird es mit dem „gemeinsam allein sein“? Klappt es diesmal besser? Die Liste mit Aktivitäten steht. Ich bin gespannt. Ich habe mir ein Puzzle mit zu meinem Partner genommen, denn ich puzzle viel lieber als ich lese. Vielleicht erfüllt mich diese Aktivität dann mehr mit Freude, als wenn ich mich dazu gezwungen fühle das Buch zu lesen.

Wir werden sehen. Ich werde euch berichten.


Meine Top 3 der positiven Dinge der letzten Tage:

  1. Uni-Abgabe fertig gestellt.
  2. Meine Freunde.
  3. Der gesunde Erwachsene überwiegt.

Modus Wochenprotokoll (Schematherapie)
– dort wo „gesunder Erwachsener“ steht ergänze ich weitere Modi, die bei mir auftreten, wie der des
einsamen Kindes und dann bewerte ich diese Tag für Tag.

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