Gemeinsam allein sein 1.0

Sitze gerade auf dem Sofa bei meinem Partner. Versuche den zweiten Schritt der Therapie – Hausaufgabe umzusetzen. Man, ist das schwer. Wieso ist sowas so schwer. Ich sollte mir als Hausaufgabe bis zum nächsten Besuch bei meinem Partner für die Tage, an denen wir zusammen sind, jeweils eine Aktivität in einem genau definierten Zeitfenster festlegen. Und das dann umsetzen, wenn’s soweit ist.

Ziel: Eigene Bedürfnisse wieder wahrnehmen. Und zwar unabhängig von den Bedürfnissen des Partners. Am Anfang noch „zwangsweise“ durch festgelegte Zeiträume und Aktivitäten soll daraus irgendwann entstehen, dass ich mich nicht mehr so orientierungslos und lost fühle, wenn mein Partner auch mal Zeit für sich braucht. Sondern ich auch – ebenso wie er – manchmal denke „Och, jetzt alleine in den Park gehen/ Jetzt ein Buch lesen – das wäre schön“.

Gemeinsam allein sein – das war das Ursprungsthema.

Derzeit ist’s laut der schlauen Frau so, dass ich mich nur am Partner orientiere und deswegen jedes Mal, wenn er etwas für sich machen möchte, orientierungslos bin. Solange er auch Nähe/etwas mit mir machen möchte ist das alles kein Problem – weil wir ja dasselbe Bedürfnis haben. Will er allerdings etwas alleine machen für ein paar Stunden, kollidieren unsere Vorstellungen (Ich: Nähe Er: Autonomie). Und das Resultat: ich weiß nicht, was ich machen soll. Weil mein Bedürfnis doch immer nur an seinem orientiert ist. Und ich für mich gefühlt gar keine eigenen Bedürfnisse habe, wenn ich bei ihm bin. Sie sagt das ist eine Hierarchie, in der ich seins immer über meins stelle und deswegen keine eigenen wahrnehmen kann.

Die schlaue Frau sagt, ich schaffe das Wahrnehmen meiner Bedürfnisse schon sehr gut wenn ich alleine zuhause bin. Da hat sie Recht. Das konnte ich vor 12 Monaten wirklich noch nicht. Da war ich zuhause auch immer aus „Langeweile“ überfordert und unglücklich. Habe mich in jegliche Aktivität geschmissen, aber keine davon war einfach mal für mich (Stichwort: Selbstfürsorge). Nun… und jetzt muss ich das auch in einer Beziehung lernen.

Ich sitze also hier. Um 16 Uhr ploppte bereits die Erinnerung „Buch lesen“ auf – wir kamen aber gerade vom Eis essen und wollten noch eine Folge unserer Serie schauen. Wir beschlossen, dass ich dann nach einer Folge das Buch beginne zu lese. Folge zu Ende. Seit nun circa 30 Minuten. Partner steht irgendwann auf, um dem nachzugehen, worauf er Lust hat. Er weiß ja auch, dass ich das Buch lesen soll und will mich wohl auch etwas unterstützen. Und was ist mit mir?

Ich sitze hier. Ich bin total überfordert. Ich fühle mich dumm, es nicht zu schaffen mein Buch in die Hand zu nehmen. Ich fühle mich dumm, nichts für mich alleine machen zu können und mich damit wohl zu fühlen. Ich will mich in mein Handy stürzen, aber ich weiß, dass ich genau das gerade nicht soll. Deswegen habe ich mir ja extra eine Aktivität aufgeschrieben. Und eigentlich habe ich mich auch darauf gefreut, das Buch zu lesen, aber jetzt, wo ich es soll – geht es einfach nicht.

Dann fange ich vor 10 Minuten irgendwann an zu lesen. 10 Sätze. Öffne – weil’s Handy aufblinkt – nur kurz social media und kriege direkt auf der Startseite in der (un)beliebten „Personen, die du vielleicht kennst“ – Kategorie die Ex meines Partners vorgeschlagen. Und ich denke mir: Wow. Einfach wow. Könnte nur heulen. Hab‘ doch eh gerade schon Selbstzweifel. Die Eifersucht runter schlucken heißt es. Mir nahelegen, dass er bei mir ist – nicht bei ihr. Obwohl er zu ihr hätte gehen können in den 9 Monaten ohne Kontakt. Ich meine – Sex hatten sie in der Zeit. Bedeutungslos – sagt er. Aber daher wohl auch die Eifersucht.

Er hätte bei ihr bleiben können, wenn er sie wollte. Er ist jetzt hier, bei mir. Mit mir. Ich bin gut genug. Und überhaupt….ich habe echt keine Lust zu lesen.

Uff. Das überfordert. Ich entscheide zu bloggen. Und da bin ich nun hier und schreibe. Ist ja auch etwas für mich, oder? Ist doch auch irgendwie „was alleine machen“ oder? Ich weiß es nicht.


Ich weiß auch nicht, ob das jetzt gut genug ist, um am Montag stolz davon zu berichten. Wenn ihr mich fragt fühlt es sich eher nach nichts an gerade. Weder gut noch schlecht.

Aber was ich mich immer noch frage, ist, wieso es so unglaublich schwer ist, mich einfach hinzusetzen und für 1,5 Stunden dem nachzugehen, was ich mir vorgenommen habe. Ich meine es sind eineinhalb Stunden. Das ist doch nicht die Welt.

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