Mehr Farben. Weniger schwarz- weiß.

Gestern ist mir etwas klar geworden: ich bin schon wieder ganz schön negativ. Und ganz schön fies zu mir selbst. Meine Fortschritte verblassen. Meine Stärke auch. Ich glaube weniger an das, was ich kann und das, was ich tue. Einfach weil da derzeit so viele Unsicherheiten sind. Auf verschiedensten Ebenen. Plus ein endgültiger Verlust, den ich zu verarbeiten habe.

Die schlaue Frau hat mir gestern gesagt, ich soll öfter in meinen Blog schauen und nachlesen – um meine Fortschritte zu sehen. Als ich das tat und mir die letzten Beiträge durchlies, fiel mir auf, dass da echt wenig positives Mindset zu finden war.

Das bedeutet für mich : Achtung !! Ich muss wieder mehr auf mich achten. Ich muss wieder mehr auf meine Stärken schauen. Und mir ins Gewissen rufen, was ich in den letzten 12 Monaten alles geschafft habe – mit Hilfe der Therapie. Denn ich bin schon lange nicht mehr da, wo ich vor einem Jahr war.

Ich lasse mir das positive derzeit viel durch meine Zukunftsangst nehmen. Angst vor dem Ende der Therapie. Angst vor dem Umzug. Angst vor den ganzen Veränderungen, die gerade passieren. Die Zukunftsangst siegt. Und was ist das? Ganz klar reines schwarz- weiß Denken.

Es ist mir einfach nicht aufgefallen in den letzten Wochen. Das schwarz-weiß Denken schlich sich ein, mit jeder Unsicherheit und jeder Belastung ein bisschen mehr. Und ich bemerkte es gar nicht. Doch beim durchforsten meiner letzten Beiträge fiel mir auf:

Statt zu sehen, dass ich durchaus Fortschritte mache, aber eben noch nicht am Ziel angekommen bin – was aber auch vollkommen in Ordnung sein sollte – sehe ich in manchen Phasen voller Euphorie all meine Fortschritte (aber auch nur die) und in anderen wieder nur die „Rückschritte“ Dinge, die ich noch nicht verändern konnte. Es muss wieder etwas dazwischen geben.

Ich bin so froh, dass ich das gestern von alleine realisiert habe – während ich nach positiven Beiträgen im Blog suchte und keine fand. Und ich bin froh, dass ich dadurch merke, dass ich den Fokus derzeit einfach wieder mehr auf mich legen muss. Denn nur so kann ich es mir zugestehen, die einzelnen Farben, die ich bereits zu verschiedenen Zeitpunkten in den letzten Monaten inmitten des schwarz-weiß Denken entwickeln konnte zu sehen und zu fühlen. Gerade fällt mir dazu mein Beitrag vom 6. August ein – ihr findet ihn hier.

Farben statt Graustufen. So heißt er. Und ja, das ist der erste Schritt um die Borderline- Störung und dieses schwarz-weiß denken als etwas positives anzunehmen.

Wir wollen ja eigentlich kein grau. Weil grau ist auch irgendwie trist. Wir wollen aber eigentlich auch weder das schwarz noch das weiß. Was wir brauchen sind Farben. Viele verschiedene helle und dunkle Farben. Es kann vielleicht nicht immer strahlend gelb sein, aber es muss genauso wenig immer dunkelblau sein – manchmal ist ein dunkles orange oder ein türkis vollkommen ausreichend.

In dem Beitrag vom 6. August berichte ich euch nicht von direkter Selbstfürsorge im Sinne von Mediation, Entspannung oder ähnlichem. Aber ich berichte von einem Tag, an dem ich mindestens zwei Dinge getan habe, die mich mit Freude erfüllt haben: Zeit mit meinen Mitbewohnern verbracht und etwas unglaublich leckeres gegessen. Was mir das zeigt? Es sind die kleinen Dinge, die Farbe in unser Leben bringen können. In unser Denken und Fühlen. Denn das Leben ist eigentlich schön. Es ist bunt. Es steckt voller Möglichkeiten und Abenteuer. Und es ist auch voller toller Menschen – auch wenn wir das oft nicht sehen können, weil wir einfach zu oft enttäuscht wurden.

Das Leben steckt voller Liebe und Glück. Doch das tut es nur dann, wenn wir uns zugestehen, es auch so zu betrachten. Wenn wir es uns erlauben aus dem schwarz- weiß Denken auszutreten und uns trauen etwas zu fühlen, was uns unser Kopf uns gerne versucht zu verbieten. Am Ende ist ein Gefühl immer nur ein Gefühl.

Und du bestimmst ob sich dein Handeln dem (negativen) Gefühl anpasst oder ob du das Gefühl kurz in den Arm nimmst, es zulässt und dir anschließend erlaubst, es weiter ziehen zu lassen und etwas zu tun, was dich besser fühlen lässt.

Ich möchte
… wieder positiver denken.
… in diesem Blog wieder positiver schreiben.
… mir und euch wieder zeigen, dass es zwischen dieser schwarz- weiß Welt Farben gibt.

Farben, die es sich lohnt zu entdecken. Für euch. Für euer Leben. Und diese Farben müssen nicht strahlend sein – denn das wäre für den Anfang auch zu viel verlangt. Aber jeder noch so kleine Farbpartikel ist besser als ein tiefes schwarz, tristes grau oder blendendes weiß. Schritt für Schritt.

Denn jeder noch so kleine Fortschritt ist bereits ganz viel wert auf dem Weg zu einem positiveren Selbstbild.

2 Kommentare zu „Mehr Farben. Weniger schwarz- weiß.

  1. Hi!
    Meiner Erfahrung nach gehen solche Entwicklungen häufig in einer Art Wellenbewegung voran. Die Tiefpunkte sind dabei leider sehr frustrierend, weil sie sich die Rückschritte anfühlen. Aber wenn man weiter arbeitet, geht es irgendwann auch wieder aufwärts und die Wellentäler werden seltern und/oder nicht mehr so tief.
    So zumindest erlebe ich das.

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