13. September.

Heute ist Sonntag. Und Sonntag heißt Ruhetag. Heute ist Sonntag. Heute sind Kommunalwahlen: Also falls ihr das hier vor 18 Uhr lest: Ab ins Wahllokal mit euch. Denn wer nicht wählt, unterstützt ja bekanntlich anteilmäßig auch die rechten Parteien.

Gestern Abend auf einem 30. Geburtstag gewesen. Das war echt schön. Ein bisschen gefeiert und dabei getrunken, nicht zu viel. Heute lange geschlafen – neben dem Partner aufgewacht. Ein ausgiebiges Sonntagsfrühstück. Dann ein bisschen Serie.

Und nun macht jeder was für sich. Jeder für sich. Das ist ein großes Thema. Gemeinsam allein sein. Für gesunde Menschen kein Problem. Für mich eine echte Herausforderung. Gestern gab’s einen Streit. In dem es genau darum ging: Gemeinsam allein sein. Bei jemandem zu sein, aber trotzdem noch genug für sich selbst zu tun. Sich nicht von dem anderen abhängig machen und 24/7 miteinander sein zu müssen. Weil man es auch genießen können sollte, mal was für sich zu tun. Der Streit war nicht schön. Und wir sind voll in die Vergangenheit abgedriftet. Jetzt weiß ich wenigstens worüber wir bei dem Therapeuten reden können. Vorwürfe. Wut. Hilflosigkeit. Alles mit dabei. Am Ende nur Verzweiflung – wollten wir doch alles anders machen. Ja, wir haben uns irgendwann rausgekämpft. Und ja, es tat uns beiden leid. Und wir hatten dann einen schönen Abend. Und heute ist es auch alles gut. Aber der Kern verschwindet ja nicht.

Ich dachte ich wäre weiter. Aber diese Balance zwischen Nähe und Autonomie liegt mir noch nicht. Wirklich nicht. Zu schnell lasse ich mich dazu verleiten, mich wieder komplett aufzugeben. Hinzugeben. Und das will ich eigentlich nicht.

Die Erkenntnis – der erste Weg daraus. Ich weiß.
Aber wie? Ich habe keine Ahnung.

Gemeinsam allein sein. Klingt so einfach. In meiner Idealvorstellung ist das auch einfach. Weil selbstverständlich. Aber bei der Umsetzung scheitere ich jedes Mal wieder.

Gemeinsam allein sein. Ist doch das, was eine gesunde Beziehung ausmacht oder?

Gemeinsam allein sein. Heißt für sich selbst sorgen können. Heißt mit mir selbst irgendwas anfangen zu können.

Also Selbstfürsorge. Ich meine – das schwebt mir ja auch immer wieder im Kopf rum die letzten Tage. Und ich weiß ich müsste mich öfter aufraffen. Aber es ist doch so viel leichter es nicht zu tun. Im abgestumpften Bewältigungsmodus zu bleiben. Bewältigungsmodus: Partner. Da wären wir wieder. In dem befinde ich mich nämlich glaube ich seit dem Tag, über den ich hier zuletzt berichtete. Die kleine hat so viel Angst vor der Trauer und dem Gefühl, dass sie sich wieder voll an ihre Überlebensstrategie Partner klammert. Und so auch mich klammern lässt. Und mir das Gefühl gibt nicht alleine mit dieser Situation zurecht kommen zu können.

Dazu die alten Wunden, die natürlich eine Kruste haben, aber verheilt sind sie nicht. Und mit jedem bösen Wort und mit jedem destruktivem Verhalten in unseren Streitigkeiten kratzen wir sie mehr und mehr auf. Und ich versinke wieder mehr und mehr in der Bewältigung. Im einsamen, ängstlichen Kindmodus. Welcher das ganze nicht leichter macht. Weil ich dadurch nur noch weniger allein sein kann.

Meine gewonnene Stärke kann ich schon wahrnehmen, aber sie erscheint so minimal in den Streitigkeiten. Und ich bin so hilflos.

Letzte Nacht wieder einmal von einem Überfall geträumt. Ich total hilflos. Diese Träume habe ich oft, wenn ich in einer Beziehung bin. Ich werde verfolgt, gejagt, überfallen oder was auch immer. Und sie alle haben gemein, dass ich am Ende der Situation hilflos ausgeliefert bin.

Ein Gefühl so wie gestern in dem Streit. Auch wenn alles gut gegangen ist, ich habe mich so hilflos gefühlt. Ich dachte ich wäre weiter und so ein Streit hat zumindest in dem Moment alles zu nichte gemacht. Wirklich alles. Ich erwischte mich dabei mich am Arm zu kratzen. Das mache ich nur wenn ich überfordert bin. Wenn die Anspannung zu groß wird. Und ich hilflos bin. Und einfach nicht mehr weiter weiß. Erst jetzt kann ich langsam sehen, dass nicht alles in dem Streit wie früher war. Dass ich durchaus was verändert habe. Es meinem Partner sagen und diesen Stolz zeigen? Das traue ich mich nicht. Zu viel Angst vor erneutem Streit.


Morgen ist wieder Montag. Montag heißt schlaue Frau. Es fühlt sich an, als wäre ich 3 Wochen nicht dort gewesen. Dabei waren nur 6 Tage. Krass. Einfach krass. Schaffe ich es jemals dahin nur alle 14 Tage zu ihr zu gehen?


Würde mich heute jemand fragen wie es mir geht, ich würde ihm sagen „ganz gut“. Denn eigentlich ist das auch so. Abgesehen von diesen zwei, drei, zehn kleinen Dingen, die versuchen mich vom Gegenteil zu überzeugen.

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