7. September: Therapiesitzung.

Montag. Das heißt Termin bei der schlauen Frau. Der war so nötig nach dem Wochenende. Ich hatte so viel geschluckt und so viel Wut auf mich nach diesem Wochenende. Ich weiß, dass mein Partner es ebenso wenig leicht hatte wie ich. Habe ich doch einfach ziellos drauf losgeschossen und alles rausgelassen, was andere in mir ausgelöst haben.

Die schlaue Frau fragt “ Und, worüber reden wir heute“ . Ich hasse diese Frage. „Wie geht es Ihnen“ oder „Wie war Ihre Woche?“ fällt mir leichter zu beantworten. Vielleicht sollte ich ihr das mal sagen.

Naja. Erzähle vom Wochenende und von der Situation mit dem Familienmitglied. Parallel davon, dass ich erkannt habe, dass ich diese Zurückweisung und Kritik letztendlich auf meinen Partner projiziert und so an ihm ausgelassen habe. Im Zuge dessen auch über die unangebrachte Eifersucht und das stetige Konkurrenzdenken. Das Idealbild der „guten Freundin“, was ich stets versuche zu erreichen und meinen Kontrollwahn. Die immerwährende Angst, nicht alles kontrollieren zu können. Am Ende der Sitzung geht’s mir besser. Über die Situation mit dem Familienmitglied reden wir insgesamt kaum, ich finde aber auch, das habe ich gut gemacht habe und deswegen brauchen wir das nicht weiter reflektieren.

Das mit meinem Partner erscheint mir wichtiger. Ich möchte lernen, mich anders zu verhalten. Mich aus diese emotionalen Spiralen zu befreien. Und ihn dabei daraus zu lassen. Zumindest soweit es möglich ist. Sie sagt ich gehe einen Schritt zu weit, während ich in dem Modus feststecke. Sie sagt ich werde wütend, realisiere das, bewerte es als scheiße und erwarte dann, dass das einfach irgendwann von alleine weg ist. Ich überspringe dabei aber den Punkt der Gefühlsregulierung (Borderline – fehlende Emotionsregulierung). Sprich: Ich müsste mich eigentlich zunächst aus der Situation, die das Wutgefühl auslöst befreien, damit es weggehen kann. Und erst danach Kontakt zu meinem Partner oder dem anderen aufnehmen.

Ich muss für mich und das Gefühl sorgen. Wichtig ist hierbei… die Regulierung nicht im Außen zu erwarten/ zu suchen, sondern selbst zu finden. Mein Partner hat mir am Wochenende in dem Zweistündigen Endloskreislauf- Gespräch immer wieder auf sehr liebevolle und fürsorgliche Art und Weise gesagt, ich solle bitte etwas für mich tun und anschließend nochmal mit ihm ins Gespräch kommen. Bei mir kam das aber nicht an. Es bringt einfach nichts. Die schlaue Frau erklärt mir, dass das nicht verwunderlich ist, da es bei mir oft so ist, dass es mir in einer emotionalen Situation nicht hilft, wenn der andere versucht für mich zu intervenieren oder mich dazu auffordert. Ich muss mich alleine dazu entscheiden. Denn ich bin rein gar nicht empfänglich für das, was der andere mir empfiehlt. Trotzdem möchte ich an dieser Stelle nochmal sagen, wie stolz ich auf meinen Partner bin. Er hat wirklich sehr viel Geduld gehabt am Wochenende.

Bezüglich meines Kontrollwahns hat sie mir gesagt, dass ich verstehen muss, dass es Bereiche gibt, die ich nicht kontrollieren kann/ darf. Jeder hat das Recht auf Privatsphäre. Auch in einer Partnerschaft. Und da gibt es nunmal Grenzen. Generell ist Kontrolle schädlich für Beziehungen. Das fällt mir schwer. Ich möchte am liebsten alles kontrollieren können. Aber ich weiß ja, dass unter anderem dieser ungesunde Kontrollzwang viele meiner vergangenen Beziehungen kaputt gemacht hat. Und das möchte ich nicht mehr. Ich möchte mich anders verhalten können. Das muss ich aber üben. Und mir hier vor allem erlauben, das immer wieder in verschiedenen Situationen zu tun. Mit kleinen, aber radikalen Schritten.

Sie sagt die Eifersucht und die Vergleiche werden weniger werden, wenn ich mich von dem Idealbild löse, was ich unbedingt erreichen will. Sie meint, wer bestimmt schon, was eine „gute Freundin“ ausmacht. Kategorien sind in diesem Bereich so unsinnig. Und, wenn ich mich mehr selbst akzeptiere, wie ich bin. Aber das ist ja die Grundvoraussetzung für alle positiven Verhaltensänderungen bei mir. Eigentlich weiß ich das mit den Kategorien ja auch. Aber das setzt in emotionalen Momenten und Triggern einfach aus. Also… Immer wieder vergegenwärtigen und irgendwann hoffentlich verinnerlichen.

Weil so viel wichtig ist, von dem, was wir heute besprochen haben, habe ich es mir handschriftlich aufgeschrieben. Das mache ich nicht immer, nur bei für mich prägnanten Therapiesitzungen. Ich würde die Notizen gerne mit euch teilen, da auch wichtige positive Affirmationen festgehalten sind, die nicht nur für mich hilfreich sein können – denke ich.

Der erste Punkt ist wohl mit am wichtigsten. Wenn ich mich über bestimmte Verhaltensweisen definiere, wird es mir schwerer fallen, diese zu verändern. Denn nur, weil sich jemand dumm verhält, heißt das ja nicht gleichzeitig, dass er dumm ist. Heißt: wir verhalten uns vielleicht auf eine bestimmte Art und Weise, aber das heißt nicht zwingend, dass dieses Verhalten unser Selbst definiert.

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