Zu viel. 2.0.

Chaos. So viel Chaos. Ausgelöst durch nur ein Gespräch. Ein einziges unangenehmes Gespräch an diesem Tag. Was einfach so unglaublich emotional aufwühlend war. Weil so viele negative Glaubenssätze aktiviert wurden. Alle auf einmal. Sie überschlagen sich. Wut. Kampf. Wut. Dazwischen immer wieder den Atem versuchen zu kontrollieren. Runterfahren. Der Wut nicht so viel Raum geben. Versuchen, zu verstehen, wodurch die Gedanken ausgelöst werden. Versuchen, sie zu relativieren.

Es sind nur Glaubenssätze. Es sind nur aktivierte Schemata. Das ist nicht real.

Aber es fühlt sich so real an. Das ganze.

Ich bin die einzige, die die Belastung der Vergangenheit mit sich rumträgt. Wovon ich reden würde, werde ich gefragt wenn ich sage, dass ich „das, was passiert ist“ nicht einfach so abhaken kann. Sie alle haben ihn gefunden. Ihren Weg damit umzugehen. Aber ich, ich trage diese ganze scheiße immernoch in mir. Und deswegen bin ich die einzige, die immernoch eine Belastung ist in diesem ganzen Konstrukt. Weil ich es nicht abhaken kann. Weil ich Versuche, Dinge zu heilen. Weil ich Versuche, sie aufzuarbeiten. Weil ich mich dauernd dafür verantwortlich fühle, dass es allen gut gehen muss. Und wenn’s ihnen schlecht geht muss ich was daran ändern. Ich muss es einfach. Kein anderer fühlt sich so für die jeweils Anderen verantwortlich – nur ich.

Ich muss für sie sorgen. Ich darf keine Sorgen bereiten. Ich muss funktionieren. Ich brauche Akzeptanz. Ich kriege Akzeptanz, aber doch niemals genug. Ich darf krank sein. Aber ich bin es ja eigentlich nicht. Zumindest darf ich es so nicht nennen. Ja. Ich bin mir sicher. Ich bin es. Der Fehler, der Fehler des gesamten Systems.

Aber nein. Ich soll doch positiv denken. Okay. Ich bin es nicht. Aber es fühlt sich in dem Moment so an.

Immer wieder das impulsive Kind in mir, dann das traurige Kind. Das Kind, was einfach nur in den Arm genommen werden möchte. Tränen laufen mir über die Wangen. Dann wieder das impulsive. Dann der gesunde Erwachsene. Und der Kritiker. Sie alle sind da. In diesen 20, 30 – keine Ahnung – vielleicht auch 40 Minuten. Sie alle wechseln sich ab. Bestimmen meine Gefühle, die innerhalb von Sekunden/Minuten immer wieder wechseln. Immer. Und immer wieder. Jeder ist mal an der Reihe.

Ich bin erschöpft. Die Situation wird unterbrochen. Und ich schaffe es zu gehen. Es tut weh. Es tut so unglaublich weh. Wegzugehen. Mich schuldig zu fühlen für alles, was ich wieder von mir gegeben habe. Schuldig fühle, dem anderen wieder Sorge zu bereiten. Wieder eine Belastung zu sein. Wieder die Wunden der Vergangenheit aufgerissen zu haben – ohne den anderen zu fragen, ob er das überhaupt möchte. Es tut so weh. Es fühlt sich so falsch an. Aber ich gehe – und das ist ein Fortschritt. Dachte ich zumindest.

Ich sitze im Auto. Wie so oft in den letzten Wochen. Normalerweise fahre ich wutentbrannt los. Heute nicht. Das wütende Kind ist schon eine Weile nicht mehr da. Ich habe verstanden, dass es sich angegriffen gefühlt hat, obwohl der andere es so nicht meinte. Aber wieder erst zu spät. Jetzt fühle ich mich nur noch schuldig. Ich weine. Und weine. Und weine. Fahre los. Wähle die Nummer der schlauen Frau. Mailbox. Ich spreche nicht drauf. Diesmal nicht. Sonst eigentlich immer.

Vielleicht gut so, dass sie nicht rangeht. Ich meine… Wegen so einer Lapallie? Was soll das überhaupt? Das ist ja wohl ’nen Witz. Wegen sowas anrufen. Andere haben viel schlimmere Situationen. . Aber es tut doch weh.

Eine Nachricht erreicht mich. Es sei unverschämt so kommentarlos aus dieser Situation heraus zu gehen.

Aber ich kann’s doch nicht anders. Ich lerne doch noch. Ich lerne. Und es fühlte sich gut an. Gut, obwohl es so weh tat in dem Moment. Weil ich die Spirale nicht mehr wollte. Weil ich nicht weiter verletzen wollte. Nicht weiter belasten wollte. Und dann ist es doch wieder falsch. Obwohl es sich für mich richtig angefühlt hat. Wenn auch nur wie ein kleiner Fortschritt.

Die kleine weint. Ich weine. So viel, was da gerade auf uns eingeprasselt ist. So viel, womit wir gerade zu kämpfen hatten. So viel, währenddessen wir versucht haben alles richtig zu machen. Und trotzdem wieder versagt haben. Das sagt der Kritiker, ich weiß. Er sagt, wir haben wieder versagt. Aber die kleine fühlt sich schuldig. Und ist traurig. Traurig und Enttäuscht. Von sich? Von der anderen Person? Von mir? Ich weiß es nicht.

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