16. August.

Ein paar Tage war es hier still. Muss gerade wirklich überlegen, was ich die letzten Tage alles gemacht habe. Achja. Da gab’s eine Einschulung. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht dachte ich mir an dem Tag nur. Der kurze natürlich stolz wie Oskar. Das war schön. Begleite ihn nun seit 5 1/2 Jahren, sehe ihn seitdem fast jede Woche und es war dann doch irgendwie besonders – dieser Tag.

Den Freitag dann mit Uni-Kram via Zoom verbracht. Und abends kam meine längste Freundin die ich habe bei mir vorbei. Sind zusammen in den Kindergarten gegangen. Wir sehen uns nur alle paar Monate, sie wohnt auch nicht mehr in der Stadt. Fühlt sich trotzdem jedes Mal so an als wären es nur ein paar Tage gewesen. Schön sowas, oder? Wir tauschten uns aus und sie sagte mir nach meinem fast 40 minütigen Monolog darüber, was bei mir alles so passiert ist:

Weißt du Lynn. Ich kenne dich nun schon so lange und ich weiß mittlerweile: Lynn muss man nicht verstehen, die muss man nur lieb haben.

Naja, wo sie Recht hat…. Ich mochte es irgendwie das zu hören. Sie nimmt mich eben wie ich bin, wenn wir auch gar nicht so viel Kontakt haben. Mich nehmen können wie ich bin obwohl andere, und so eben auch sie, oft gar nicht mehr folgen können bei meinen Gefühls- Wechseln. Die ja nunmal auch wirklich schneller kommen als bei anderen. Und deswegen oft nicht nachvollziehbar sind.


Was war noch? Achja. Die Wohnungssuche. Oder vielmehr WG-Suche. Heute das erste Mal in meinem Leben bei einem „Bewerbungsgespräch“ Kennlerngespräch gewesen. Uff. Super überfordernd. Mädels- WG. Zwei. Plus eventuell ich. Schöne Wohnung. Ein Stadtteil, der keinen guten Ruf hat, aber da wo sie wohnen geht’s. Denke ich. Muss da ja immer gucken. Habe seit der frühen Kindheit mit diesen Ängsten zu tun. Dunkelheit, große Städte, fremde Leute – das sagt mir alles gar nicht zu. Wildeste Fantasien kommen dabei rum. Also…. ich muss schon möglichst sicher wohnen. Jedenfalls… ja, genau. Die Mädels. Mega nett. Beide. Aber während ich da saß kam die kleine immer wieder in mir hervor. Hab’s mir nicht anmerken lassen, denke ich. Aber ich spürte ihre Angst. Ihre Angst vor neuen Bindungen und die davor, diese irgendwann wieder zu verlieren. Uff. Einfach echt anstrengend. Dazu dieses „Entscheiden müssen obwohl noch keine sichere Alternative“ da ist. Ich meine damit: wenn ich denen nun absage, ohne zu wissen, dass was besseres kommt – ist das ein Risiko, ja. Und das stresst. Enorm. Den Kopf, das Gefühl, die Laune, mich.


Apropos Stress. Seit Tagen wieder Übelkeit nach dem Essen. Magenschleimhaut sagt „Hello, it’s me. Please take care“ . Hab‘ ich immer wenn es stressig ist. Nervt auch.


Verbringe die letzten Wochenenden meist mit meinem Ex – Partner. „Keine Gute Idee“ sagen die meisten meiner Freunde. „Probier es“ sagt mein Bauchgefühl. 10 Monate. 10 Monate ohne Kontakt. 10 Monate Therapiefortschritt für mich. Vielleicht kann sich was verändert haben. Vielleicht. Bis jetzt ist es gut. Beängstigend gut. Wobei es auch schon ein paar schwierige Momente gab, die wir bis jetzt echt gut gemeistert haben. Wir sind stolz auf uns beide. Und das sagen wir uns auch. Das mag ich. Die schlaue Frau sagt ohne paartherapeutische Maßnahmen wird es schwierig. Ich traute mich zuerst nicht ihm davon zu erzählen. In unserer letzten Beziehung hat es sehr lange gedauert ihn davon zu überzeuge, dass das helfen könnte. Als wir zu einer Beratungsstelle gingen, war es letztendlich aber schon zu spät. Also mega Angst vor seiner Reaktion. Außerdem will ich keinen Druck aufbauen. Hab’s dann letzte Woche Sonntag doch gesagt. Vollkommen unerwartet stimmte er zu. Er sagte er hätte damals schon zugestimmt, also macht er es nun auch. Also… sollten wir feststellen, dass wir beide noch einmal eine Beziehung eingehen möchten, dann mit Hilfe – ja.

„Klingt schon anstrengend“ würden viele jetzt sagen. Aber soll ich euch was verraten: Für mich ist es viel anstrengender, dass ich immer denke ich muss mich vor anderen für solche Schritte oder Entscheidungen rechtfertigen.

Dabei muss ich meiner Familie und meinen Freunden nichts erklären oder beweisen. Nur mir selbst. Und dabei muss ich auf mich achten. Und bis jetzt klappt es gut. Trotzdem denke ich dauernd ich müsste mich rechtfertigen. Müsste einen neuen Versuch mit ihm und mir immer wieder begründen. Uns dabei ins rechte Licht stellen. Betonen, was wir uns alles so vornehmen. Aber ne. Eigentlich nicht. Ist halt unsere Sache.


…… die Woche war wirklich sehr anstrengend für mich. Einfach wegen der kleinen. Und diesen ganzen Unsicherheiten. Und ich versuche immer wieder mutig zu sein. Mutig, meine Gefühle sowie die der kleinen zu artikulieren. Damit ich nicht einfach so unüberlegt handel und den anderen vielleicht einenge oder mit irgendeinem falschen Gefühl wie Wut (falsch im Sinne von “ ich bin wütend weil ich die eigentliche Trauer der kleinen nicht zulasse) überrenne. Auch so versuche ich ihm immer von der kleinen zu erzählen. Damit er versteht, dass ich verstehe, was gerade passiert. Wenn da mal wieder eine Welle voller Selbstzweifel und Verlustängste auf mich zu kommt.

Ob das in Zukunft gut geht – Wir werden sehen. Was auch immer kommen mag.


Gerade Essen bestellt. In der Kleinstadt gibt’s nicht so viel Auswahl, da fällt das irgendwie leichter. Hier (Großstadt) bestellt man ohne Karte via App. Und da gibt’s viel zu viel Auswahl. Vor allem an Tagen, wo der Kopf eh schon überfordert ist (so wie heute) – ist das nicht förderlich für mich.

Zwischen Gnocchi mit Spinat- Sahnesoße, drei verschiedenen Nudelsorten (überbacken natürlich) oder doch lieber Burgern entschied ich mich am Ende für: asiatisch. Entenfleisch mit Sojasprossen und Erdnussoße, dazu Reis. Es war ein laaaanger Weg hin zu dieser Essensentscheidung. Ich hoffe nur es wird schmecken. Der Asia- Typ bietet nämlich indisch, italienisch und chinesisch an. Usually I wouldn’t trust shops like these. Aber in der Großstadt scheint das üblich zu sein.


Morgen zur schlauen Frau. Ich freu mich. Wenn auch überfordert. Aber: Man muss mich nicht verstehen – lieb haben reicht.

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