Das Gespräch mit der kleinen Lynn.

Was. für. ein. Tag. Seit ich aufgestanden bin, nur im Klinsch mit dem inneren Kind, mit der kleinen Lynn gestanden. Sie hat Angst – die kleine Lynn. Sie realisiert, dass ich als große Lynn entschieden habe eine uns sehr vertraute und daher ganz wichtige Bindung aufzugeben. Und, dass ich mich dazu entschieden habe mich neuen, fremden Bindungen in einem komplett neuen Umfeld zu stellen. Etwas Unbekanntem. Sie mag das nicht. Sie hat nämlich unglaublich viel Angst einsam zu sein. Und das nicht aushalten zu können. Also hat sie mich den ganzen Tag angeschrien.

Gib mir mehr! Gib mir mehr, mehr mehr. Mehr Sicherheit. Mehr Liebe. Von einem anderen! Nicht von dir! Ich brauche jemanden. Du sagst da ist jemand? Ja! Aber der. Der gibt mir noch lange nicht genug. Er muss mehr geben. Mehr. Mehr. Mehr.

Den ganzen. beschissenen. Tag. lang. Und ich versuche ihr die Ängste zu nehmen. Uns ins Gewissen zu rufen, wieso ich die Entscheidung (en) getroffen habe. Wieso sie gut sein können für uns. Immer wieder über den Tag verteilt. Immer wieder mit ganz viel Energie und Kraft. Aber sie ist. so. Laut. So vereinnahmend. Ihre Gefühle bestimmen mein Handeln mehr und mehr. Ich merke es und will’s stoppen. Irgendwie. Jedes Mal wieder. Aber…. Sie schreit. mich. einfach. an!

Du lässt mich alleine! Du sorgst dafür, dass ich einsam bin! Wir kriegen nicht genug! Wir brauchen mehr! Gib mir jetzt jemand neues, der für mich da sein kann! Jemanden, dem wir vertrauen und der für uns da ist! Und zwar 24/7! Jemand, der alle unsere Sorgen tragen kann. Jemand, der bei uns bleibt . Zumindest für den Moment. Weil wir ihm leid tun oder weil wir ihm wichtig sind.

Aber nein. Das kann ich nicht. Das ist Bewältigung. Dysfunktionale Bewältigung. Das Außen ist nicht dafür verantwortlich mir/ ihr uns das Gefühl der Einsamkeit wegzunehmen.

Kleine Lynn – Ich (!) muss dir das geben. Ich kann’s nur noch nicht so gut. Aber ich sehe dich doch. Hörst du mich? Ich sehe dich. Ich spüre deine Einsamkeit und deine Angst. Deine Wut und dein Unverständnis. Basierend auf deiner Angst. Aber ich darf dir jetzt nicht wieder von irgendwem, den wir lieben, das geben, was du brauchst. Es steht uns auch gar nicht zu, so viel von dem anderen zu erwarten. Denn er ist er. Und wir sind wir. Und du musst Geduld haben. Bitte warte, bis ich für uns sorgen kann. Bitte. Ich gebe mir Mühe. Ich suche einen Weg. Aber so weit sind wir noch nicht. Bitte warte. Ich sorge für uns. Wir werden nicht einsam sein. Versprochen.

Aber wir sind anstrengend und keiner kann uns mögen, wie wir sind. Wir können es einfach nicht. Und deswegen werden wir es mit neuen, fremden Menschen niemals schaffen können harmonisch zu leben.

Uff. Das ist der innere Kritiker. Er hat sich dann auch noch mit eingeschaltet. Die kleine Lynn reagiert natürlich sofort drauf. Wird Impulsiv. Fordernd. Aufgrund ihrer Angst. Auch bei mir als große Lynn nehmen die Worte des inneren Kritikers Mut. Sie fördern vielmehr die Verbreitung der Angst des inneren Kindes. Es fordert weiter.

Gib mir jetzt sofort wieder, was ich kenne. Und Versuche es nicht mit etwas, was ich nicht kenne. Denn das macht mir Angst. Nur Angst.

Liebe kleine Lynn. Wir sind nicht anstrengend. Wir sind liebenswert. Wir sind okay, so wie wir sind. Es gibt Menschen, die uns dafür lieben, dass wir die Gefühle so stark leben. Es gibt Menschen, die uns dafür lieben, dass wir unsere Meinung vertreten. Genauso gibt’s Menschen, die das nicht mögen. Und vielleicht wird eine soziale Beziehung mit diesen Menschen anstrengend sein. Aber das ist nicht deine Schuld, kleine Lynn. Du bist nicht verkehrt. Du bist gut, so wie du bist. Wir sind gut so wie wir sind. Wir sind liebenswert. Wir sind sozial kompatibel. Wir können das. Denn ich bin jetzt groß. Und ich habe ganz viel gelernt. Ich kann jetzt soziale Beziehungen haben ohne große Konflikte zu führen. Ich kann das. Und ich tue das. Für dich. Für uns. Du musst keine Angst haben alleine zu sein. Hörst du? Ich bin hier. Und bin da für dich. Bitte schrei mich nicht mehr an. Bitte vertraue mir. Ich lasse dich nicht allein. Ich bleibe hier. Und ich gebe mein Bestes um dir als Anker zu reichen. Ich liebe dich. Und ich beschütze dich. Bitte vertrau mir.

2 Kommentare zu „Das Gespräch mit der kleinen Lynn.

  1. Das ist sehr ergreifend zu lesen, denn ich fühle mich genauso von meiner Angst bzw der Angst der kleinen Monique gelähmt. Und der innere kritiker, Billy, lässt mich auch nicht in Frieden..

    Ich bin sehr beeindruckt von dem Dialog bzw von der tatsache, dass du ihn mit uns teilst. Danke dafür.. fühl dich aus der Ferne gedrückt

  2. Liebe Moni,
    Ich danke dir für dein Feedback und deine Offenheit. Ich finde die Idee, dem inneren Kritiker einen Namen zu geben, sehr reizend. Ich sollte mal darüber nachdenken…

    Der Dialog ist spontan beim Tippen entstanden. Ursprünglich wollte ich wie immer nur Struktur schaffen.

    Danke für’s lesen und deinen Kommentar. Einen schönen Tag ☀️

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