Gefühls- Domino.

Domino. Kennt jeder, oder? Spätestens seit dem „Domino-Day“ , der zu Kindheitstagen immer im öffentlichen Fernsehen übertragen wurde. Als man dieses noch anschalten konnte, ohne egal bei welchem Sender schlichtweg einfach nur zu verdummen.

Manchmal habe ich das Gefühl meine Gefühle lieben diesen Domino Effekt. Auf ein Gefühl folgt das nächste und das nächste und das nächste. Wäre auch okay, wenn das irgendwie nur mit meinen Gefühlen so wäre. Dann könnte ich herausfinden, wo die herkommen und was sie mir mitteilen wollen. Oder sie einfach so stehen lassen.

Was mich heute allerdings beschäftigt ist die Tatsache, dass ich immer öfter bemerke, dass ich sich Gefühle von mir nahestehenden Personen auch in mir breit machen. Ist das Gegenüber angespannt oder gereizt breitet sich dasselbe Gefühl in mir aus. Klar. Das passiert auch mit positiven Gefühlen. Ist das Gegenüber glücklich, kann es sein, dass ich es auch bin. Das ist ja zumindest besser als das erste. Allerdings trotzdem irgendwie nicht zufriedenstellend. Weil es ja nicht mein Gefühl ist. Sondern das, von jemand anderem, was sich gerade zu meinem macht. Es nervt es mich also genervt zu sein, weil der andere genervt ist. Und eben nicht genervt zu sein, weil es bei mir einen mehr oder weniger plausiblen Auslöser gibt.

Ich frage mich ob das an der übermäßigen Empathie liegt, die Borderliner oft haben (siehe auch Borderline und Empathie). Oder ob es an der Hochsensibilität liegt, die ich mitbringe. Oder, oder, oder. Es wurmt mich den Grund nicht zu kennen.

Was ich allerdings merke ist, dass ich mich meistens dafür verantwortlich fühle etwas zu tun den anderen sich nicht so fühlen zu lassen. Klingt ja erstmal super oder? Empathie ist toll. Allerdings äußert sich mein Mitgefühl bei mir mehr in Form von Wut und Unverständnis.

Es ist tatsächlich skurril und oft auch nicht ersichtlich für mich wie diese beiden Dinge zusammen passen. Ich bin unglaublich empathisch. Ich werde einen sozialen Beruf ausführen, habe schon so viel positives Feedback erhalten. Feedback darüber, wie unglaublich gut ich mich in andere hineinversetzen kann. Auch meine Freunde schätzen meine Empathie sehr.

Doch bei meinen mir am nächsten stehenden Personen wie Familie oder Partner fällt es mir (schon immer) schwer, echtes Mitgefühl zu empfinden. Vielmehr ist meine Reaktion immer mit einer Art Wut verbunden. Es fühlt sich an, als gestände ich es dem Anderen nicht zu „schlecht drauf“ zu sein.

Oft beziehe ich es auch auf mich. Vor allem bei meinen Partnern. Denke, dass ich was falsch gemacht habe. Dass sie sich so verhalten, weil sie eigentlich keine Lust mehr auf mich haben. Und das zieht mich in der Situation dann noch mehr runter. Ich habe keine gesunde Distanz zu dem Empfinden des Anderen. Ich nehme es einfach an als wäre es mein eigenes.

Warum ist das so? Ist das bei euch auch manchmal so? Ich meine. Das ist doch so widersprüchlich.

Empathisch sein, aber bei den wirklich wichtigen Menschen genau diese Empathie scheinbar nicht nutzen zu können. Vielmehr ein Verhalten an den Tag legen, was alles andere als empathisch erscheint.


Ich meine: Ja. Allein, dass ich diese Erkenntnis gerade habe, zeigt wieder einmal meinen Fortschritt der letzten 10 Monate. Denn davor hätte ich nicht einmal bemerkt, dass ich genervt bin, weil der Andere es ist. Hätte wahrscheinlich unbewusst ebenfalls patzig reagiert. Keine Möglichkeit gehabt, so wie jetzt, darüber zu schreiben, nachzudenken und mich mit viel Energie und Übung versuchen davon abzuhalten in das Gefühl des Anderen mit einzusteigen. Da hätte ich es einfach getan. Und es hätte vermutlich in einem riesen Streit geendet.

Dennoch ist es anstrengend. Weil ich mich durch die aktuelle Bewusstheit gegen ein unbewusst abgespeichertes Verhalten entscheide. Eins, was ich 24 , ne eher so 20 Jahre, meines Lebens immer gleich gemacht habe. Mich irgendeinem Gefühls- Domino hingegeben. Gefühle aufgesaugt. Verantwortung für die Gefühle Anderer übernommen. Ohne darüber nachzudenken wieso das gerade passiert oder wie ich handeln könnte um nicht darunter zu leiden.

Dennoch…. wie kann man sich diese Empathie mit gleichzeitiger Nicht- Empathie bei den mir am nächsten stehenden Personen erklären? Sicherlich würde ich über ein paar Ansätze von euch dazu freuen. Denn ich verzweifel dran.


Ach. Und trotzdem ist’s gerade noch bunt. Nur halt vielleicht nicht mehr farblich gemischt oder gelb oder so wie gestern, sondern vielleicht eher so dunkelorange und türkis.

Aber es ist noch bunt. And I still like.

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