Irgendwo dazwischen.

Mich die letzten zwei Tage immer wieder gefragt, wie ich mich fühle. Ergebnis: Irgendwo dazwischen. Irgendwo zwischen Wut. Trauer. Enttäuschung. Stolz. Angst. Und Leere. Pendelt stetig.

In einem Moment beflügelt von meinem neu gewonnenen Mut, bin ich im nächsten wieder schlichtweg einfach nur enttäuscht. Enttäuscht, dass ich offensichtlich wieder nicht reiche. Dass jetzt NICHTS mehr so ist wie vorher. Deshalb: Ich hätte es mir sparen können. Dann hätte ich jetzt nicht diese Wut. Wut auf mich. Wut auf ihn. Wut auf uns. Und die Verzweiflung, die mich dann zur Leere führt.

Eine Leere, in der ich wieder wie angeklebt am Bett festhänge. Nur in meinen Fernseher oder mein Handy gucke. Das Gefühl habe, niemanden sehen oder sprechen zu wollen. Nicht aufstehen kann. Und mir auch einfach niemand genug ist.

Und dann kommt da ganz kurz wieder ein bisschen Mut und Stolz hoch. Ich hab’s geschafft. Geschafft mich aus einer Schwebe zu befreien. Trotz meiner Verlustangst. Ich bin eigentlich die Starke in dieser ganzen Geschichte. In der Vergangenheit habe ich solange durchgehalten, bis der andere den Kontakt abgebrochen hat. Egal, wie es mir damit ging. Leider reichen Mut und Stolz (noch) nicht aus, um die Wut runter zu regulieren. Aber zumindest schaffen sie es ab und zu meine Leere zu durchdringen.

Und was war da noch? Achja. Trauer. Jaaa, die Trauer ist das Gefühl, welchem ich derzeit am wenigsten Platz einräume. Ich merke das. Ich weiß, dass die kleine, traurige Lynn Platz bräuchte. Aber Trauer ist auch das Gefühl, was ich in der Vergangenheit am wenigsten zugelassen habe. Ich wusste bis vor 10 Monaten (Therapiebeginn) nicht einmal, wie sich wirkliches Traurig- Sein anfühlt. Die kleine Lynn will Platz in mir, der großen Lynn, haben. Und in den kurzen Momenten, in denen ich sie spüre, versuche ich vor meinem inneren Auge ein Bild von ihr hervorzurufen. Und da sitzt sie, wie immer in einem leeren, weißen Raum. Zusammengekauert und sie weint. Manchmal bricht meine Vorstellung dann ab. Manchmal schaffe ich es, mich als große Lynn in den Raum zu begeben. Die kleine Lynn berühren darf ich nicht. Aber ich sehe sie zumindest. Und manchmal schaut sie mich auch an. Kurz danach bin ich häufig wieder raus aus der Imagination. Vielleicht kann ich sie irgendwann trösten. Im Moment noch nicht. Aber zumindest sehe ich sie, die Trauer der kleinen Lynn. Ausgelöst durch Zurückweisungen. Ich sehe sie. Und das ist der erste Schritt.

Irgendwo in Mitten all dieser Emotionen befinde ich mich derzeit. Und schwebe durch die Gegend. Treibe im Wellengang. Nicht zu stark, nicht zu schwach. Ich versuche zu schwimmen. Das grau zu ertragen, Und nicht mit den Wellen wegzutreiben.

Aber….ich bin da. Irgendwo dazwischen.

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