Verlustängste – mein jetziges Ich (Part II)

Jaaa. Es gibt ihn noch…. den Plan den zweiten Teil zu schreiben. Angefangen am 21. Juni, will ich’s heute nochmal probieren. Heute ist der 6. Juli.

Ich habe versprochen: ich schreibe auch darüber, wie sich die Verlustängste bei mir verändert haben. Und der erste Teil hat sich etwas angefühlt wie Frieden schließen. Frieden schließen mit dem Leid und den schlechten Erfahrungen der Beziehungen der letzten 10 Jahre.


Nachdem ich die beschriebenen zwei Beziehungen beenden konnte (Verlustangst Teil I), führte ich eine relativ harmonische Beziehung. Wir waren 2 Jahre zusammen. Meine Krankheit war mitsamt ihren Symptomen da, mein Partner aber stabiler als die beiden zuvor. Daher weniger Kämpfe, etwas mehr Liebe. Dennoch auch bei mir das unabdingbare Klammern. Angst davor, dass wenn er sich physisch von mir distanziert, ich ihn verliere. Das führt natürlich irgendwann zu Streits, denn er fühlte sich eingeengt. Am liebsten hätte ich ihn 24/7 bei mir gehabt. Ich wusste auch gar nichts mit meiner Zeit anzufangen, wenn er weg war. Wir wohnten zwar zusammen, aber das hat mir nicht gereicht. Ich war dann ein halbes Jahr im Ausland. Für die Beziehung der Todesstoß. Ich weiß nicht mehr wieso, aber wir haben fast jeden Tag gestritten. Über tausende Kilometer Entfernung. Wie geht sowas eigentlich? Naja. Wir haben durchgehalten. Ich kam zurück . Es war 2-3 Monate mehr oder weniger okay. Und dann war es zu Ende. Er war stabil genug, um sich endgültig von mir zu trennen. Für mich begann hier die nächste Hölle.

Zum ersten Mal merkte ich, wie wichtig mir dieser Mann gewesen war. So wichtig, dass ich ihn nicht einfach ersetzen wollte. Und auch nicht konnte. Ich floh mich dennoch wie immer in verzweifelte Geschichten. Einige davon mal wieder nur vermeintlich belanglose Sex- Geschichten. Aber in den Momenten hoffte ich immer, sie könnten das Gefühl hervorrufen, was er mir zuvor gab. Monatelang wollte ich trotzdem nur ihn als festen Partner – nur ihn zurück an meiner Seite. Die anderen Männer – sie waren nur ein Versuch meiner Angst vor dem alleine sein auszuweichen. Denn… was ich heute weiß: Ich brauchte sie für die Steigerung meines eigenen Wertes. Ich lebte von ihrer Bestätigung. Ohne Bestätigung fühlte ich mich einsam und verlassen. Circa 8 Monate später lernte ich meinen aktuell letzten Ex Partner kennen. Ich dachte ich wäre bereit für eine neue feste Bindung. Er war hin und weg von mir. Er gab mir genau das, was mein altes Ich brauchte: jede Menge Bewunderung. Und jede Menge Mitleid. Für meine Vergangenheit, meine ehemaligen Partner und und und. Er wollte alles für mich tun. Wirklich alles. Ein Monat war es ein hin und her. Dann waren wir ein Paar.

3 Tage später küsste ich unter Alkoholeinfluss beim Feiern fremd. Ich sagte es ihm – direkt am nächsten Tag. Er verzieh mir. Zumindest probierte er es. Letztendlich war ab da schon alles gebrochen. Ich merkte, dass ich ebenso Angst hatte ihn zu verlieren wie er mich. Die ganze Beziehung hinweg. Meine Aktion hatte ihn letztendlich extrem getriggert, hatten seine Ex Freundinnen ihn zuvor immer schnell ersetzt. Und bereits von Anfang an lebte unsere Beziehung von unserem jeweiligen geringen Selbstwertgefühl. Der fremde Kuss nur ein noch tieferes Sinken darein. Wir führten unermüdliche Kämpfe. Machtkämpfe. Wem tut was mehr weh? Wem geht’s schlechter, auch wegen des anderen? Wer hat mehr scheiße verbockt? Dabei immer wieder: Unsere Verlustängste. Knapp ein Jahr später haben wir uns getrennt.

Ich habe mich in dem ersten Monat nicht wirklich an ihn binden können, habe ihn ständig mit meinem Partner zuvor verglichen. Hatte Angst wieder in eine Beziehung zu rutschen, die mir all meine Kraft raubt. Nach dem fremden Kuss habe ich mich nur noch in seiner Schuld gesehen. Und trotzdem weiter mit der Person vom Feiern geschrieben. Ich braucht sie als Back-Up Plan. Falls mich mein Ex doch verlassen würde. Gleichzeitig herrschte aber auch absolute Unsicherheit darüber, ob ich nicht doch Gefühle dabei entwickelt hatte. Hin und her. Immer wieder Vorwürfe meines Ex Partners. In jedem Streit. Ich hätte sowieso nichts verdient. Ich bin die, die fremd geküsst hat. Ich muss mir das Vertrauen erst wieder erarbeiten. Blablabla. Über Monate. Wirklich Monate. Irgendwann aus Verzweiflung ein Anruf beim Jugendtherapeuten. Ich ging hin. Er sagte ich solle überlegen mir einen Erwachsenen Therapeuten zu suchen. Er sagte außerdem ich solle die Person vom Feiern treffen, dafür um ein Okay meines Partners bitten. Um herauszufinden, was dahinter steckte. Tat ich, danach den Kontakt zu ihm abgebrochen. Und noch knapp 10 Monate mit meinem Ex Partner versucht unsere in gegenseitiger Hassliebe schwimmende Beziehung zu retten. Großartig.


Und jetzt?

Seit unserer Trennung bin ich in Therapie. Schematherapie – wie ihr wisst. Und es hat sich einiges verändert. Ich fing die Therapie gott sei Dank zeitgleich mit der Trennung an. Ich sagte der schlauen Frau direkt, dass ich nicht wieder so leiden möchte, wie nach dem Partner zuvor. Und, dass ich nicht wieder tausend belanglose Sex-Geschichten führen will. Und was soll ich sagen? Ich flüchte mich nicht mehr in belanglose Sex- Geschichten. Habe mehr Kontrolle über mein eigenes Verhalten. Ich nehme es wahr, wenn ich anfange in diesen Bewältigungs-Modus abzurutschen. Und schaffe es daher, mit etwas mehr Bewusstsein, mich weniger tief in etwas hineinzustürzen.

Aber ich habe immernoch Angst. War ich doch nie die, die Distanz besonders gern mag, gestaltet es sich auch jetzt noch als äußerst schwierig für mich, wenn sich jemand aus meiner Nähe entfernt. Ich fühle mich sofort allein. Kämpfe dagegen an, mich nicht mit mir selbst überfordert zu fühlen. Und dazu kommt: Gefühlt kann ich mich den Männern, die für mich nicht zu erreichen sind, super gut öffnen. Für die, die mich mögen und mir den Himmel auf Erden schenken wollen, bin ich verschlossen. Warum ist das so? Ich vermute, ich habe Angst ihnen weh zu tun. Und mir selbst weh zu tun. Denn die letzten Partner, die liebten mich alle abgöttisch. Zumindest zu Beginn. Die wollten mir auch den Himmel auf Erden schenken. Und am Ende hätten sie mich am liebsten nie gekannt. Das möchte ich nicht nochmal. Ich habe also Angst, mich zu binden. Aber gleichzeitig auch Angst alleine zu sein. Ein völlig neues Gefühl, denn sonst zeigte sich immer nur der erste Teil davon.

Ich lerne also Männer kennen. Ich habe seit Therapiebeginn auch 3-4 Geschichten angefangen und wieder beendet. So wirklich alleine bin ich nie. Es gibt immer jemanden, der gerade in meinem Interessenbereich liegt. Aber die schlaue Frau sagt, das sei normal. Wichtiger ist zu sehen, wie ich mehr und mehr lerne, für mich selbst in diesen Geschichten einzustehen und Klarheit statt Chaos im Kopf zu kreieren. Ich habe Männern weh getan, weil sie sich verliebt haben, ich es aber nicht erwidern konnte. Aber ich lerne, zu verstehen, dass diese Männer für ihre Gefühle selbst verantwortlich sind. Ich bin nur für mich verantwortlich und es sind erwachsene Menschen, die sich dann auch selbst beschützen müssen. Das muss nicht ich tun. Ich muss nur ehrlich sein. Und das war ich bei allen. Aber diese unsichere Geschichte, in der ich im Moment mit besagtem jungen Mann stecke (seit nunmehr 6 Wochen übrigens) gibt meiner Verlustangst gerade wieder so unglaublich viel Raum und Macht. Und das macht es nicht leichter für mich.

Ich merke immer wieder Eifersucht. Für mich kann sich nicht entschieden werden, ich höre kaum Komplimente oder ähnliches, aber kriege mit, wie mit anderen Mädchen umgegangen wird. Von seiner Seite aus. Und ich will das auch. Ich vergleiche mich zudem mit seiner Ex, die ich gut kenne, da er und ich ja seit einigen Jahren gut befreundet sind. Sie war bzw. ist das Modelmädchen schlechthin. In meinen Augen einfach nur unglaublich schön. Und einfach so entspannt. Keine Streitigkeiten, nicht zickig. Sie hat mich etwas an Schneewittchen erinnert. Naja. Jedenfalls vergleiche ich mich ständig. Ich will, dass er mich auch so anschaut, wie er sie angeschaut hat, dass er mich stolz als Freundin vorstellt, und und und. Und dann sind da diese starken, negativen Glaubenssätzen wie Ich bin nicht gut genug für ihn. Ich bin immer anstrengend. Ich mache immer nur Stress. Ich mache alles kompliziert. Und sowieso sind alle anderen in seinem Umkreis viel hübscher als ich.

Und an den Tagen, wo er sich dann distanziert verhält, fühlt es sich für mich einfach nur wie die pure Zurückweisung an. Aus diesem Gefühl rauszukommen ist für mich am schwierigsten. Ich denke sofort er hat kein Interesse mehr. Schwarz/Weiß eben. Ich fasse mehr Mut, die Dinge anzusprechen, aber habe immer Angst ihn zu verlieren, wenn ich zu viel „mecker“ oder „kritisiere“

Die Unsicherheit zwischen uns macht alles schlimmer. Sie spornt meine Vergleiche an, denn im Moment hat er noch alle Freiheiten. Aber wenn er sich binden würde, könnte ich Vertrauen aufbauen. Und dann würde evtl. auch meine Eifersucht und der Drang mich zu vergleichen weniger werden. Heute steht wieder ein Gespräch an. Ich habe wieder um eins gebeten. Mit so unglaublich viel Angst dabei, ihm zur Last zu fallen oder ihn damit zu nerven. Und ich werde ihn um eine Entscheidung bitten. Hoffe ich. Denn ich habe dabei unglaublich viel Angst, ein Nein von ihm zu bekommen. Und dann wieder da zu stehen, mich alleine zu fühlen, und nicht zu wissen, wie ich das händeln soll. Aber…. ich will es probieren. Denn der Schwebezustand macht mich kaputt.

Der ganze Beitrag kommt mir so chaotisch vor. Es ist soo viel. Und ich kann’s irgendwie nicht strukturieren. Also versuche ich zusammenzufassen:

Ich habe also gelernt, mich nicht mehr willkürlich in Beziehungen zu stürzen. Ich habe aber stattdessen eine unglaubliche Angst davor entwickelt, mich an etwas, was mir gut tun könnte zu binden. Also laufe ich davor weg. Und rede mir 1000 Gründe ein, wieso die nette Person sowieso nicht ausreichen wird. Und wenn da jemand ist, der mich zappeln lässt, mir immer wieder einen Gefühlskick gibt, bei dem ich aber ständig nach Aufmerksamkeit schreien muss, dann möchte ich mich binden. Finde mich aber einfach viel zu anstrengend und schrecklich und absolut niemals gut genug für diesen „ach so tollen“ Mann.

Und das macht mich verrückt. Einfach nur verrückt. Denn egal, in welchem der beiden Modi (Wort von mir selbst gewählt, nicht auf die Schematherapie-Modi bezogen) ich mich befinde: es gibt nicht einfach mal ein okay. Ein Ich bin einfach glücklich . Oder ein Ich warte ab was passiert.

Meine Verlustangst macht es kompliziert. Meine Verlustangst führt zu meiner Bindungsstörung. Und meine neu erarbeitete Bewusstheit über meine Vergangenheit hat mir zwar geholfen, mich nicht mehr benutzen zu lassen (Aufmerksamkeit und das verfälschte Gefühl geliebt zu werden weil man Sex hat), mich aber in ein anderes Extrem geworfen, welches (so fühlt es sich an) manchmal noch schlechter zu händeln ist für mich als das andere. Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich es einfach nicht kenne. Und nicht damit vertraut bin, auch mal Angst vor Nähe zu haben. Denn sonst konnte ich nie genug Nähe haben. Auch wenn sie nur auf physischer Ebene stattgefunden hat. Denn das war ein wunderbares Mittel um mich zumindest kurz besser zu fühlen. Manchmal wünsche ich es mir zurück, aber dann fällt mir ein, wie unfassbar benutzt ich mich jedes Mal danach gefühlt habe. Weil’s für mehr halt einfach nie genug war, was ich gab.

Aber jetzt lerne ich, dass das was ich gebe genug sein wird. Eines Tages. Und, dass wenn jemand anders das nicht wertschätzt, ich auch gut ohne ihn zurecht kommen kann. Eines Tages…..

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.