Achterbahn der Gefühle.

Da bin ich wieder… die letzten Tage waren die reinste Achterbahn-Fahrt für mich. Eigentlich genau seit dem Moment, an dem ich es gewagt hatte auszusprechen, dass man die Sitzungen bei der schlauen Frau doch nun 14-tägig einführen könnte. Habe es zum Glück nicht zu ihr gesagt, sondern zu einem meiner Herzensmenschen. Habe das Gefühl, ab da ging es bergab. Weiß gar nicht mehr womit es anfing. Dafür ist in den Tagen drauf viel zu viel an Gefühlen auf mich eingeprasselt.

Das sind Tage, an denen es so unglaublich schwer ist sozial zu agieren. Ich liebe Menschen, aber an diesen Tagen habe ich das Gefühl, sie nicht aushalten zu können. Oder, dass sie mich nicht aushalten können. In Beziehungen waren diese Tage immer die schlimmsten. Voller Hassliebe und Wut. Häufig Trennungen und sofortige Rückzieher dieser. Nun. Derzeit bin ich immer noch single, was wohl gut ist. Weil ich nun in Ruhe üben kann, meinen eigenen Umgang damit zu finden.

Am Donnerstag besuchte ich meine Eltern. Ich wollte bei Ihnen im Garten lernen. Denn heute stand eine Prüfung an. Und Prüfungen erfüllen mich immer, aber stressen mich auch. Ich habe eine Aufgabe, aber auch Druck. Ich brauche Aufgaben, aber habe immer Angst vor dem Druck. Naja. Ich bin jedenfalls zum Lernen hingefahren. Habe gelernt. Danach an einem Online-Seminar teilgenommen. Als dieses zu Ende war, ging ich nach draußen zu meiner Mama. Sie hatte zuvor mit einem anderen Familienmitglied telefoniert. Das Familienmitglied, was in der Vergangenheit (Kindheit) fast alle Aufmerksamkeit meiner Eltern brauchte. Weil’s einfach immer irgendwie schwierig war. Ich kam also auf die Terrasse und fragte mit wem sie telefoniert habe und ob die Person Redebedarf gehabt hätte. Sie sagte es mir und freute sich darüber, dass das Gespräch so angenehm und unkompliziert war. Dass es keine politischen Themen gegeben hätte. Und, dass sie glaubte es ginge der Person gerade sehr gut.

Ich nehme auf, was sie sagt. Wut macht sich in mir breit. Ich nehme sie wahr. Ich sage meiner Mama, dass ich es ja schön finde, wenn’s der Person gut geht. Ich aber auch sauer bin, weil ich weiß, was für Dinge passieren, die ich einfach gar nicht fair finde. Ich knalle ihr alle mir einfallenden negativen Aspekte zu der Person entgegen. Sie versteht nicht wieso. Ich zuerst auch nicht. Dann fallen Sätze wie „Klar, es geht ja auch immer nur darum, dass es ihr/ihm gut geht. Es geht ja nie um mich. Es ist Schwachsinn sich über ein von 100 Gesprächen zu freuen, die mal positiv verlaufen“ . Meine Mama ist verletzt, sie hatte sich lediglich darüber gefreut, dass es ihr/ihm gut geht. Mehr nicht. In mir (so weiß ich jetzt) hat das Konkurrenzdenken ausgelöst. Und das Defizit an Aufmerksamkeit reaktiviert. Das Defizit, was unbewusst entstanden ist, weil’s mit der Person immer irgendwie schwierig war. Für ganz lange Zeit. Mittlerweile geht es ja. Alle nähern sich wieder an. Und wir sind alle sehr froh darüber. Ja, ich auch. Heute tut es mir leid, was ich meiner Mama gesagt habe. Dass ich mein Gefühl zu ihrem gemacht habe. Um ihr das positive Gefühl zu nehmen. Es war gemein. Und unfair. Am Samstag war ihr Geburtstag. Ich ging hin und es war auch okay. Sie sagte mir vorher, sie möchte darüber nicht mehr reden. Und auch wenn es mir schwer fällt, akzeptiere ich es. Ich würde gerne darüber sprechen. Aber ich sagte ihr bereits, dass es mir leid tut und sie sagte, damit sei es geklärt – okay.

Ich besuche meine Mama zweimal an ihrem Geburtstag. Zur Mittagszeit war das mir sehr wichtige Familienmitglied da, welches der beste Freund meines letzten Ex-Partners ist. Die Person ist nach wie vor ein Trigger für mich. Was mich nach wie vor unglaublich ärgert (siehe auch Beitrag Trigger – jeder kennt sie. Keiner mag sie). Ich kämpfte die ganze Zeit damit, über SEINEN Namen hinwegzuhören. Aber er gehört halt einfach zu seinem Freundeskreis. Dementsprechend redet das Familienmitglied auch mal über ihn. Unglaublich nervenzerrend für mich. Aber ich will lernen, mit den Triggern umzugehen. Irgendwann muss das doch weniger werden. Ich fuhr nach 3 Stunden wieder nach Hause.

Am Abend begleitete mich dann besagter junger Mann der letzten Beiträge zur Feier. Er kennt meine Eltern bereits. Ich seine auch. Wir sind (so glaube ich schon mal erwähnt) ja schon seit 5 – bald 6 – Jahren befreundet. Nun. Meine Gefühle hatten sich bis dahin schon wieder etwas reguliert. Neben dem Prüfungsstress war auch kaum Platz dafür. Ich verspürte zwar, dass ich mehr Aufmerksamkeit einforderte. Und, dass besagter junger Mann mir wieder sehr wenig Recht machen konnte. Aber alles hielt sich in Grenzen. Ein bisschen Achterbahn bin ich ja gewohnt. Der Abend war dann okay. Nette Gespräche mit Freunden meiner Eltern, Familie, etc. Wir fuhren wieder heim.

Durch eine zufällige Situation hörte ich dann irgendwann, wie besagter junger Mann mit einem Mädchen telefonierte. Ich wollte nicht lauschen, aber irgendwie ergab es sich so. Er redete was von „Schön, dann weiß ich ja jetzt, dass du heile am Auto angekommen bist. Wir können ja morgen weiter schreiben – ich würde mich sehr freuen. [Stille] Ja, ich freue mich auch sehr.“

In mir: Wut. So viel Wut. Tränen schießen mir in die Augen. Ich fühle mich sofort hintergangen. Ich hasse mich dafür, dass ich zugehört habe. Gleichzeitig hasse ich ihn dafür, dass er offensichtlich mit irgendwem flirtet, während er mir erzählt, dass er versucht Gefühle aufzubauen. Sich aber keineswegs mal festlegt. Durch 1-2 Sätze war für mich auszuschließen, dass es sich um ein Mädchen aus dem engen Freundeskreis handelt. In meinem Unterbewusstsein spielt sich der Glaubenssatz „Du bist nie genug. Du wirst immer nur Plan B sein“ in repeat ab.

Zu oft war ich es.

Zu oft habe ich immer nur für Plan B gereicht. Mit mir konnte man schlafen. Mit mir konnte man lachen. Mit mir konnte man Spaß haben. Aber wenn es ernst wurde, gab es da doch immer einen Grund wieso ich nicht die erste Wahl bin.

Während ich das hier schreibe frage ich mich gerade, ob das bei meinen Eltern auch so war. Hatte ich da auch immer das Gefühl Plan B zu sein? So frei nach dem Motto…für das andere Familienmitglied reichte die Kraft und Aufmerksamkeit- für mich nicht. Kommt der Glaubenssatz bereits daher? Keine Ahnung. Nur eine Eingebung gerade.

Wie dem auch sei. Gefangen zwischen Selbsthass und Hass auf besagten jungen Mann will ich ihn direkt zur Rede stellen. Mache es aber nicht. Die Anspannung steigt. Ich merke mein Bedürfnis sie an mir selbst loszuwerden. Einfach nur, weil ich keine Ahnung habe wie ich damit umgehen soll. Bin überfordert. Mit dem Gefühl. Der Situation. Einfach allem. Ich steige ins Auto, fahre los. Weine. Laute Musik. Halte bei einem Freund, wir fahren – ich rede. Rede, rede, rede. Ganz viel durcheinander. Werde alles der letzten Tage los. Das mit Mama, das mit den Triggern an meinen Ex, die Wut auf besagten jungen Mann. Es tut gut. Ich setze ihn wieder zuhause ab (mittlerweile ist es 1 Uhr). Ich fahre weiter. Und lasse alles irgendwie raus.

Zuhause angekommen verfasse ich eine Sprachnachricht, eine relativ ruhige. In der ich besagtem jungen Mann erkläre, dass ich gerade 1,5 Std versucht habe meine Wut zu regulieren und einzuschätzen. Dass ich zu der Erkenntnis kam, dass sie berechtigt ist, dass ich nicht verstehe, wieso er sowas macht. Und, dass ich seit 2-3 Wochen einfach ALLES tue, damit er sich nicht eingeengt fühlt. Ich auf mein starkes Bedürfnis nach Nähe verzichte, nur um ihm die Möglichkeit zu geben, sich anzunähern. Und sich das einfach nur unglaublich verletzend anfühlt gerade. Wow. Was für ein Fortschritt. Sowas hätte ich vor 7 Monaten nicht so sachlich geschafft.

Wir reden am nächsten Abend (gestern) drüber. Den Tag verbringe ich mit lernen. Und nachdenken. Schaffe es mich drauf zu konzentrieren und nicht zu sehr abzuschweifen. Am Abend erklärt er mir dann die Situation. Ich glaube ihm. Ich sage ihm gleichzeitig, dass die Schwebe für mich so nicht aushaltbar ist. Nicht auf Dauer. Dass da früher oder später eine Entscheidung getroffen werden muss. Er zeigt Empathie. Ob es was verändern wird, weiß ich nicht. Wir werden sehen.

Jedenfalls habe ich wieder mal bewiesen: ich lerne mutig zu sein. Ich lerne mein Handeln besser zu reflektieren, bevor ich mich meinen Gefühlen impulsiv hingebe.

Und wieder einmal habe ich festgestellt: Es ist verdammt anstrengend. Eine Achterbahn, die mir Spaß macht. Bei der mir aber auch einfach jedes Mal wieder schlecht wird. Zwiespalt.

Achja: Die Prüfung habe ich bestanden! Habe jetzt das erste Fach im Studium komplett fertig!

Geiles Gefühl!

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