Über die Abhängigkeit von Gefühlen

Heute möchte ich euch etwas darüber erzählen, wie abhängig ich meine Gefühle vom Außen mache.

In der letzten Woche habe ich es mal wieder gemerkt. Ich war ein paar Tage richtig gut drauf. Was daran lag, dass besagter junger Mann mir relativ viel Aufmerksamkeit geschenkt hat. Als diese jedoch wieder nachließ (aufgrund seiner Ängste, etc.) fiel auch meine positive Stimmung. Ich hab’s wahrgenommen. Und mich echt drüber geärgert. Ich weiß doch, dass ich mich unabhängig machen soll. Aber habe gemerkt, was für Wellen so Kleinigkeiten in mir auslösen können. Wie intensiv mich die Gefühle wirklich treffen, habe ich dann nochmal in der vorgestrigen Therapiesitzung gemerkt. Als ich der schlauen Frau von meinen starken Selbstzweifeln, meinen extrem hohen Erwartungen bzw. meinem extremen Bedürfnis nach Nähe an den anderen erzählt habe. Eigentlich hatte mich besagter junger Mann lediglich 2 Tage lang etwas distanzierter behandelt. Angefühlt hat es sich für mich wie 3-4 Wochen. Als hätte ich dieses Gefühl schon seit so langer Zeit in mir. Ich musste es nach 2 Tagen unbedingt loswerden. Meinem Ärger und meiner Enttäuschung Luft machen. Denn ich kann’s einfach nicht lange aushalten. Es hat mich irgendwie geschockt so direkt zu realisieren, wie stark mich diese Gefühle der Angst, Zweifel und daraus resultierenden Forderung eingenommen und mein Denken beeinflusst haben. Es war wieder mal schwarz/ weiß denken. Ich habe vom anderen mehr Nähe oder ein Ende dieser Geschichte gefordert, ein Zwischending wurde von meiner Seite nicht akzeptiert. In solchen Momenten wird mir wieder klar : das macht meine Borderline Störung zu großen Teilen aus. Die Emotionen überrennen mich. Ich kann nicht mehr klar denken. Sie überrennen mich in einer so unangenehm intensiven Art, dass ich sie in den Momenten einfach nicht regulieren kann. Ein „gesunder Erwachsener“ würde sich zwar vielleicht ebenfalls zurückgewiesen fühlen, wäre aber in der Lage diese Emotion nach 1-2 Tagen abzuschwächen und in welcher Weise auch immer zu regulieren und damit umzugehen.

Ich muss einfach verstehen, dass das bei mir nicht geht. Und, dass das in gewisser Weise auch nicht schlimm ist. Letztlich habe ich es nämlich nach 2 Tagen „Aushalten“ geschafft ihm zu sagen wie es sich für mich anfühlt und, dass ich irgendeine Form von Sicherheit brauche. Auch wenn dabei mein innerer Kritiker geschrien hat. Er schrie, dass ich anstrengend sei. Dass ich Klammer. Dass ich nicht mit dem jungen Mann reden soll, weil’s unangebracht und stressig sein wird für ihn. Aber ich musste es tun. Damit ich weiß, dass er nicht einfach weggeht ohne, dass ich es mitbekomme.

Das Gespräch war sehr angenehm. Es tat echt gut. Und für den Moment ist’s wieder okay. Allerdings weiß ich auch hier, dass dieses positive Gefühl da ist, weil ER mir eine Form von Sicherheit versprochen hat. Sicherheit. Sicherheit die ich mir eigentlich selbst geben möchte.

Also mache ich wieder einmal meine Stimmung und meine Gefühle von meiner Umwelt abhängig. Und solange das so ist, weiß ich, dass es jederzeit passieren kann, dass mein ach so positives Gefühl von jetzt auf gleich umschlägt.

Denn so war’s auch in meinen Beziehungen immer. Die Verlustangst spielte hier arg mit ein. In Beziehungen war jedes meiner Gefühle vom Anderen abhängig. War er distanziert, war ich ängstlich und es gab Streit. War er mir ganz nah, war ich überglücklich, wollte ihn am liebsten sofort heiraten. Das hat die Person dann eingeengt. Oft lagen nur Minuten/ Stunden dazwischen. Was sicherlich auch viel an meinen Ex – Partnern lag. Die alle auch selbst eine Form von Bindungsstörung oder Bindungsangst mitgebracht haben. Ganz toxisch für mich. Für uns. Man denkt man kann sich gegenseitig retten, während man sich gegenseitig nur weiter reinzieht. In die Ängste. Die Abhängigkeiten und die dysfunktionalen Muster.

Habe zu meiner schlauen Frau gesagt, dass ich glaube mit besagtem jungen Mann kann dies anders sein. Er hat zwar irgendwo auch eine gewisse Beziehungsangst. Aber wenn er diese überwunden hat, ist er in sich eigentlich stabil. Er ist zwar sensibel, nimmt aber nicht jedes Gefühl von mir mit. Er hat Mitgefühl, aber kein Mitleid. Und es fühlt sich richtig komisch an, kein Mitleid zu bekommen. Keinen da zu haben, der mein Gefühl aufsaugt und sich mit reinstürzt. Aber ich habe zu ihr gesagt, dass ich weiß, dass alle meine Ex Partner dies getan haben. Und dass genau das es war, was uns und mich kaputt gemacht hat. Ich bin’s halt nur nicht gewohnt, dass jemand meine Gefühlswelt lieber aus sicherer Distanz betrachtet. Aber ich glaube es kann gut werden. Immerhin kennt er mich auch schon seit 5 Jahren. Das gibt einem gleich ein anderes Vertrauens-Gefühl. Wenn er sich nicht von meinen Gefühlen abhängig macht, kann ich auch lernen mich nicht von seinen abhängig zu machen.

Es braucht nur eine Menge Geduld. Eine gesunde Portion Mut und Durchhaltevermögen.

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