Neue, alte Probleme.

Die letzten Tage war viel los. Hatte einiges zu tun und habe die wenigen ruhigen Momente einfach nur genossen.

In meinem letzten Beitrag zum Mut habe ich erzählt, dass ich es geschafft habe der besagten Person, die mich sehr distanziert behandelt hat nachdem wir uns näher kamen, zu sagen, welche Gefühle ich habe. Stand war dann, dass ich der Person Zeit geben soll über meine Worte nachzudenken. Das lief die ersten Tage ganz gut. Habe meine Gefühle auch von mir fern gehalten. Dafür kam es im Unterbewusstsein umso stärker wieder. Wie eine plötzliche Welle im Meer.

Hatte einen Alptraum. Und habe in diesem Traum von meinem Sicherheitsanker der Familie geträumt. Dieser hat mich zwei Wochen vor dem Traum ziemlich unsanft in einem Gespräch zurück gewiesen. Was mich aufgrund der aktuellen Thematik meiner Therapie hart getroffen hat. Mir wurde klar, dass er sich heute tatsächlich sehr stark auf jeglichen emotionalen Ebenen von mir distanziert. Beispiel: Die Therapie akzeptiert er, aber toleriert oder versteht sie nicht … Die Krankheit sowieso.. frei nach dem Motto „Wenn es hilft und du meinst dass du das brauchst – ist doch ok“ . In dem besagten Gespräch sagte er mir, dass er an dem von mir Erzähltem kein Interesse hat. Habe ihm eigentlich von etwas erzählt, was mich gerade sehr glücklich stimmt. Und dachte er freut sich mit mir. Dem war aber nicht so.

Früher hätte ich angefangen zu streiten. Hätte mich der Wut Hingegeben. Stattdessen habe ich ihm eine patzige Antwort gegeben, bin aufgestanden, habe durchgeatmet. Gemerkt, dass ich eigentlich traurig bin. Und bin aus der Situation gegangen und zu mir nach Hause gefahren.

Durch die situationsbedingte Wichtigkeit mit dem jungen Mann, der mich verletzt hat, konnten wir diese Situation bisher nicht in der Therapie aufarbeiten. Und siehe da… Circa eine Woche später der Traum. Mein Sicherheitsanker hat mir darin auf extreme Weise vorgeworfen, dass ich in der Familie störe, dass ich nicht dauernd vorbei kommen soll. Meine Mama nahm mich in den Schutz. Am Ende standen wir ohne meinen Sicherheitsanker da. Und meine Welt ist zusammengebrochen. Das Idealbild dieser Sicherheit von meiner Familie, war zerbrochen. Und ich hatte Angst um meinen Sicherheitsanker. Und fühlte mich gleichzeitig schuldig. Dann wachte ich auf.

Gestern konnten wir die Situation des Gesprächs und des Traums mit einer Imaginationsübung auflösen…. Fazit: Ich möchte von der Person ernst genommen werden. Ich möchte, dass sie nicht wegsieht, wenn ich Sorgen und Ängste habe. Ich möchte, dass sie mich beschützt.. so wie sie es immer getan hat. Auf eine sensible Weise. Die schlaue Frau sagt wir werden noch aufarbeiten müssen wieso mein Sicherheitsanker alle Sorgen um mich von sich weg schiebt. Beziehungsweise dafür sorgen, dass mich das mich nicht mehr zurückgewiesen fühlen lässt. Und ich mich nicht dafür verantwortlich fühle.

Damit zurück zu dem jungen Mann, dem ich mutig mein Herz ausgeschüttet habe. Nach unserem Gespräch ging es die ersten Tage wie gesagt ganz gut, danach fing meine Unruhe an. Habe mich wieder benutzt gefühlt. Zurück gewiesen. Bescheuert. Naiv. Am Sonntag hatte ich die Ehre ihn abzuholen. Er betrunken. Ich nüchtern. Wir redeten eine ganze Weile. Und er sagte mir, dass auch er glaubt mich zu lieben. Aber ebenfalls sehr viel Angst hat mich dadurch als Freundin zu verlieren. Er bat mich dennoch zu bleiben. Am nächsten Tag verbrachten wir einen sehr schönen Tag mit weiteren Freunden von uns zusammen. Und abends blieb ich noch einmal. So weit so gut.

Allerdings habe ich hier wieder mit meinen neuen, alten Problemen zu kämpfen.

Kann ich ihm wirklich vertrauen? Werde ich nicht eh wieder nur verletzt? Was wenn ich anfange zu klammern? Ich will so nie wieder sein. Ich wollte es aber auch vorher nie und es ist trotzdem immer passiert. Ich bin nicht gut genug. Ich kann das nicht.

Ich vertraue mir nicht. Daher vertraue ich ihm auch nicht. Jede kleinste physische Distanz wird als Zurückweisung empfunden. So wie es auch mit meinem Sicherheitsanker ist/war. Wenn er nicht da war, hatte ich Angst. Angst, die dann vor allem als ich schon etwas älter war nicht als solche ernst genommen wurden. So hat es zumindest die Imagination gezeigt. Die kleine Lynn lag im Bett, hatte Angst, ihre Familie unten/ draußen. Sie geht in der Übung mit der großen Lynn und der schlauen Frau dahin. Die große Lynn bittet die Erwachsenen um Hilfe und vor allem um Anerkennung der Ängste für die kleine Lynn. Es zeigt: die große Lynn (ich) lerne immer mehr für mich und meine Vergangenheit (Kleine Lynn) einzustehen. Mein Sicherheitsanker reagiert nicht. Wie immer . Die kleine Lynn fühlt sich zurückgewiesen und unverstanden von ihm. Die große Lynn spricht ihn nochmal gezielt an. Plötzlich weint der Sicherheitsanker in der Imagination. Die kleine Lynn ist erleichtert endlich ein Gefühl wahrnehmen zu können bei der Person… hat aber trotzdem Angst. Und fühlt sich belastend . Die große Lynn stützt die kleine Lynn. Wir lösen die Imagination auf.

Dass ich den Zusammenhang zwischen der Situation aus der Kindheit mit meinem Sicherheitsanker und der gegenwärtigen mit dem jungen Mann herstellen kann, ist der erste wichtige Schritt. Um meine alten Problemen nicht wieder zu neuen, alten werden zu lassen. Sondern aktiv zu versuchen zu verstehen, dass nicht er mich zurückweist, sondern es nur eine Erinnerung an eine Kindheitssituation ist, in der ich viel Angst hatte und mich alleine und zurückgewiesen gefühlt habe. Nur ein Trigger des Gefühls.

Aber sie sind alle noch da. Die Selbstzweifel. Ängste. Sorgen. Gleich neben der Erkenntnis, wieviel ich schon geschafft habe bis jetzt.

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