Positive Vibes & mein Weg zur Selbstliebe.

Der Ausdruck Positive Vibes ist zu einem Trend geworden. Habe ich so das Gefühl. Tausende von Hashtags, Postings, Bilder, Memes…. Frage mich wie viele der Menschen, die sowas veröffentlichen oder teilen wirklich verstehen was es bedeuten soll. Ihr Leben wirklich versuchen dahingehend zu führen.

Für mich ist der Ausdruck an sich eigentlich bedeutungslos. Aber gleichzeitig auch wieder so unglaublich bedeutungsvoll. Denn was ich heute weiß ist:

Ich muss lernen mehr „Postive vibes“ in mein Leben einzubinden. Ich muss lernen negatives Gedankengut ins positive umzuwandeln. Den kleinen Dingen, die positiv für mich sind, mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Und somit den Dingen, die negative Vibes auslösen weniger Raum zu geben. Und das wichtigste dabei ist es, mich selbst, meine Gedanken und meine Gefühle achtsamer wahrzunehmen. Meine schlaue Frau hat mir vor 6 Monaten gesagt, dass ich lernen werde Achtsamkeit zu leben. Ich dachte mir nur jaja, mach mal. Ich schaff das eh nie. Hatte ja auch keine wirkliche Vorstellung davon. Sie erklärte es als “ sich aus einer neutralen Beobachterperspektive wahrnehmen können“. Klingt ja super. Aber wie soll ich sowas jemals umsetzen können?

Jetzt weiß ich es. Mit mehr positiven Vibes. Und einer Menge Gespür für mich selbst. Man muss sich selbst überhaupt erstmal wahrnehmen um dann achtsam mit sich umzugehen. Doch mich selbst wahrnehmen konnte ich nie. Reflektieren konnte ich immer – mich wahrnehmen dagegen nie. Bis vor ca. 4 Monaten.

Eine kleine Reise in meine Geschichte, die zeigt, dass Borderline es einem oft so unglaublich schwierig macht sich selbst wahrzunehmen.


Ich habe in meiner Jugend-Therapie viel gelernt. Allerdings nicht was es heißt mich selbst zu lieben. Oder was es wirklich bedeutet alte, negative Glaubensmuster durch neue, positive zu ersetzen. Zu erfahren, was ich brauche. Was mir gut tut. War auch gar nicht möglich. Wir mussten erstmal viele Skills einüben, denn es gab viele Akutsituationen, die unsere Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen. Mir ging es nach der Therapie besser. Die Selbstverletzung nahm ab. Aber trotzdem habe ich bereits kurz danach gemerkt: Ich bin noch nicht am Ziel.

Damals wusste ich nicht was mein Ziel ist – außer weniger Streitigkeiten in Beziehungen und weniger Impulse, die mir schaden. Meine Therapie endete mit knapp 18. Dann stand auch die Diagnose. Ich hörte also auf hinzugehen, die Krankenkasse bezahlte keine weiteren Sitzungen. Ein paar Sitzungen bezahlte ich noch selbst. Dann war ca. 3 Jahre „Ruhe“. Ich führte eine Beziehung, die reeeelativ harmonisch war ( zumindest für meine Verhältnisse – Ich kannte es viel schlimmer). Mein damaliger Ex empfand das allerdings gar nicht so. Ich ging nach ca 1 Jahr Beziehung für ein halbes Jahr ins Ausland – für mein Studium. Die Beziehung fing da dann richtig an zu bröckeln. An einem Tag – ich vergesse ihn nie – wollte er mich besuchen kommen. Er war auf dem Weg zum Flughafen. Wir stritten. Unmenschlich. Viel. Laut. Warum? Keine Ahnung ! Vielleicht hatte er sich zu spät gemeldet. Oder mir nicht gesagt was ich hören wollte oder oder oder…. bis dato hatte ich nie wieder in Betracht gezogen, dass Borderline weiterhin Teil meines Lebens sein würde.

An dem Tag war klar : es ist so. Wir stritten. Er sagte irgendwann er steige aus, er käme nicht zu mir und die Beziehung wäre zu Ende. Das sagt er. 1500 km weit weg von mir. (Gefühlt 10.00.000 km) Ich verliere die Kontrolle. Über die Situation. Über mich. Über unsere Beziehung. Unsere Liebe. Ich schreie. Weine. Schreie. Drohe ihm. Bettel ihn an. Lege auf. Rufe wieder an. Bettel. Drohe. Weine. Lege auf. Rufe meine Mama an ( sie war arbeiten) . Sie soll ihn anrufen und überreden. Meine Mama hat Angst. Angst, dass ich mir was antue. Sie überzeugt ihn. Er kommt. Er sagt mir dass er es nur getan hat, weil er meiner Mama niemals antun könnte, dass mir was passiert.

Wir haben einen schönen Urlaub zusammen. Aber ab da war die Beziehung nun endgültig gerissen.

Ich komme 2 Monate später nach Hause. Wir kämpfen uns irgendwie durch. Weitere 3 Monate später trennen wir uns. Die Trennung ist hart. Macht mir wieder klar Ich bin anders. Die Beziehung war schädlich. Zu viel streit. Zu heftige Streits. Zu viele Grenzen überschritten. Meine eigenen. Und seine. Dabei immer wieder ein schwanken zwischen Hass und Liebe. Und jetzt dieses intensive Gefühl nach der Trennung. Es fühlt sich an als könnte ich ohne diesen Menschen nicht leben. Denn Ich habe nichts mehr.


Das ist nun bald 3 Jahre her.

Was ich damals nicht verstand, aber jetzt tue ist: ich hatte wohl etwas. Etwas ganz wichtiges sogar. Es hielt mich am Leben. Und es ließ mich weitermachen. Voller Trauer. Schmerz. Wut. Angst. Verzweiflung.

Mich selbst.

Ich sah mich nur nicht. Ich konnte mich nicht als das sehen, was mich am Leben hält. Ich habe gedacht ich lebe weiter um meine Familie und meine Freunde nicht zurück zu lassen.

Heute weiß ich einfach, dass ich es war, die sich selbst genug war. Auch wenn’s sich nicht so angefühlt hat. Heute hilft mir meine neu lernende Achtsamkeit mich selbst kennen zu lernen. Meine Gefühle wahrzunehmen, sie zuzulassen, sie zu akzeptieren, oder mich auch dabei zu erwischen gegen sie ankämpfen zu wollen.

Und vor allem erkenne ich viel besser was mir gut tut und was nicht. Ich hätte es nie gedacht, dass ich es lernen kann. Und ich bin noch nicht da, wo ich hin will. Aber der Weg ist der richtige. Ich weiß: Alle reden immer ganz viel davon und darüber. Alle sagen “ Sei achtsam. Stay positive. Positive vibes only.“

Aber dahinter steht ein so ganz wichtiger, langer und vor allem auch oft steiniger Weg, den es sich meiner Meinung nach aber wirklich, wirklich zu gehen lohnt!

Ich will noch mehr positive vibes. Und dafür muss ich achtsam sein. Mich selbst und andere besser wahrnehmen. Trotz Borderline. Oder gerade wegen Borderline.

Man kann es schaffen! Egal ob man gerade noch in der Phase ist in der ich während meiner ersten Therapie war, oder in der Phase, wo ich während meines Aufenthaltes im Ausland und der Trennung war, oder oder oder. Egal wo man gerade steckt, irgendwann kommt er… dieser silber Streifen am Horizont (….kennt jemand den gleichnamigen englischen Film? Mein absoluter Lieblingsfilm. Ihr solltet ihn schauen – ich kann den Namen nicht nennen. Darf hier ja keine Werbung machen. Tipp: es ist die Farbe plus das Wort lining).

Es kommt der Tag, an dem es jeder schaffen kann. Mehr positive Vibes zu kreieren und die negativen Gedanken nach und nach zu akzeptieren und so sanft verschwinden zu lassen.

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