Über Mut und das ständige Suchen nach Sicherheit in Anderen.

Manchmal fehlt sie. Die kleine Portion Mut. Die man bräuchte um auszusprechen was man fühlt. So geht’s aber eigentlich jedem. Wer Gefühle zeigt riskiert verletzt zu werden . So wie ich als ich mal wieder zu schnell vertraut habe. Doch ich habe es geschafft die Situation aus dem letzten Beitrag nicht im Raum stehen zu lassen. Habe bewusst entschieden einen Weg aus dem schwarz zu finden.

Habe gestern nach meiner Sitzung mit meiner schlauen Frau Mut gefasst. Habe der Person, die mich verletzt hat gesagt, dass ich enttäuscht bin. Dass ich gehofft hatte durch das artikulieren meiner Gefühle nicht fallen gelassen zu werden. Mir war klar wie die Person reagiert. Wir kennen uns schon eine ganze Weile. Wir haben das schonmal durchgekaut. Und jedes Mal als “ unwichtig“ oder „gerade unpassend“ abgeschrieben. Es kam viel Schweigen zurück. Ein Lob für meinen Mut es zu sagen. Zu sagen, was ich mir wünsche. Was ich fühle. Was ich denke. Dann noch mehr schweigen. Ich frage nach. Besagte Person hat nicht viel drüber nachgedacht die letzten Tage. Hat sich distanziert, ja. Sagt sie auch. Blöd ist’s dennoch. Wir verblieben so, dass ich der Person Zeit einräume sich über meine Worte Gedanken zu machen. Ich warte.

So weit so gut. Es fühlt sich befreiend an. Ich bin so stolz auf mich. Es war wirklich schwer. Aber habe es geschafft.

Dann mein übliches Problem.

Ich vertraue mir nicht. Vertraue meinem Bauchgefühl nicht. Ich habe Angst was falsches zu denken, fühlen oder gar zu entscheiden. Ich sichere alle Entscheidungen durch Austausch mit anderen ab. Tut mir nicht gut. Einer ist immer dabei, der es schafft mir ein schlechtes Gewissen zu machen, weil er/ sie Unverständnis oder gar Kritik ausübt. So auch gestern. Es reicht ein Satz und ich bin sofort verunsichert.

In dem Fall bezog es sich auf das Unverständnis darüber, wie ich innerhalb „kurzer“ Zeit verschiedene Gefühle für mehrere Personen aufbringen kann. Das sei nicht „normal“. Gestern spielte da dann noch ein gekränktes Ego mit rein. Es fielen Sätze vom Gegenüber wie „ich kann mir das mit [Name] nicht vorstellen.. Erst der, dann ich, dann der und jetzt [Name]. Und das in kurzer Zeit. Und alle angeblich besser als ich…“

Und Zack. Dieser eine Satz. Die Person kann es sich nicht vorstellen, dass da wirkliche Gefühle für [Name] sind. Ich stelle es ab dem Zeitpunkt auch wieder in Frage. Nicht so krass wie sonst. Aber es löst sofort was in mir aus. Ich verteidige mich. Ich sage, dass ich nicht „normal“ sein muss. Dass ich nunmal eine Bindungsstörung habe. Dass ich mich dafür nicht rechtfertigen muss. Und ich bin mir eigentlich sicher: für mich fühlt sich jedes meiner Gefühle echt an. Jedes einzelne. Mit jeder einzelnen Person. Egal wie oft es wechselt. Und ich verstehe es selbst noch nicht. Ich versuche es immer wieder. Immer wieder zu verstehen wie Bindungsstörungen dieser Art funktionieren. Ich steige nicht dahinter.

Das macht mich kirre. Wirklich. Denn dazu kommt: Ich will das überhaupt nicht haben. Ich will lieben wie jeder andere. Ich will funktionieren. Ich will “ normal“ (baaah…) sein.

Kann ich aber nicht. Ich empfinde jede Emotion anders. Jede ist intensiv. Und in Kombination mit meiner Verlustangst setzen bei mir beständige Gefühle erst dann ein, wenn ich eine 100 prozentige Sicherheit habe. Habe ich diese nicht, ist es nun Mal so, dass meine Gefühle oft zwischen dem Bedürfnis nach Autonomie/ Distanz und dem nach Nähe hin und her schwanken. Auch außerhalb von Beziehungen. Da kommt es einfach vor, dass ich am einen Tag ganz viel Nähe brauche und will und am nächsten einfach nur weg will von der Person. Dass ich an einem Tag denke ich kann mir die Welt mit dir vorstellen und am nächsten ich will gar nichts mehr von dir hören . Bin ich in Sicherheit lässt das schwanken nach. Dann treten andere Probleme auf. Aber das ist hierfür erstmal egal.

Das Thema Bindungsstörung überfordert mich. Seit meine schlaue Frau es mir vor 2 Monaten das erste Mal deutlich gesagt hat. Gesagt, dass Borderline auch eine Bindungsstörung ist. Ich meine : klar. Wusste immer dass meine Probleme in Beziehungen liegen. Aber dass ich eine Bindungsstörung habe? Puh. Ja, stimmt. Aber…Ich hätte gerne mehr Mut meine Art Bindungen einzugehen so anzunehmen wie sie nunmal ist. Doch es fühlt sich immernoch so falsch an. Und jede kleine Bewertung Anderer verstärkt dieses Gefühl. Dieses Gefühl falsch zu sein. Weil ich anders bin. Und trotzdem frage ich jedes Mal wieder nach Rat. Bin irgendwie auch darauf angewiesen.

Weil ich mir nicht genug vertraue. Noch nicht.

Ein weiterer Kreislauf: Selbstzweifel – Sicherheit in anderen suchen – neue alte Verunsicherung – Selbstzweifel.

Wenn ich lerne die Bindungsstörung zu akzeptieren, bin ich hoffe ich um einiges weiter. Aber ich befürchte das wird noch ein verdammt langer Weg.

Wenn ihr Tipps habt oder ähnliche Gedankenteilt…schreibt mir gerne bei Instagram, eine Mail oder einen Kommentar.

Ich gebe mir so viel Mühe mich zu verstehen. Aber dieser Teil ist noch so unzugänglich. Fühlt sich so unnormal falsch an.

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