Kreislauf Leben.

Das Leben ist ein Kreislauf oder? Ich bin mir nicht sicher. Nicht sicher, ob es das für jeden ist oder nur für mich. Wegen meiner Krankheit. Es gibt tausend Bücher darüber, wie man alte Verhaltensmuster aufbrechen kann. Wie man Routinen brechen kann, die man eigentlich gar nicht haben will. Muss also jeder haben dieses Gefühl. Und trotzdem habe ich das Gefühl, dass es sich nicht für jeden so anfühlt wie für mich. Womit wir wieder dabei wären, dass alles an Borderline wahrscheinlich irgendwie ’normal‘ (hate this word) ist. Nur halt in etwas intensiver und extremer.

Ich habe so oft das Gefühl alles wieder und wieder in gleichem Maße zu erleben. Jedes Gefühl kommt in genau der gleichen Stärke zurück. Jede Situation wiederholt sich früher oder später. Nur mit wechselnden Personen. Oder aber auch mit ein und derselben Person. Es ist als würde ich aus meinen Fehlern einfach nicht lernen können. So sehr ich es auch will.

Der schlaue Mann, den ich während meiner Jugend regelmäßig besucht habe, hat damals gesagt ich hätte eine starre Persönlichkeitsstörung. Das heißt ich erkenne Fehler, bereue sie auch, kann aber nicht draus lernen. Mache sie manchmal nur wenige Minuten später direkt wieder. Heute denke ich da etwas anders drüber. Ich denke es ist einem gewissen Maße Teil von Borderline, dysfunktionale Muster nicht gut durchbrechen zu können. Ich lese viele Blogs. Die Leute teilen meine Probleme was dies angeht. Denn wenn die starken Wellen losgehen, sind sie einfach da. Übermäßig viele negative Glaubenssätze und erlernte, dysfunktionale Schemata lassen uns in uns selbst festhängen. Und jedes Mal fühlt es sich für einen Moment so an, als wäre man immernoch kein Stück weiter gekommen. Womit wir wieder bei der Aufwärtsspirale wären. Die, von der meine schlaue Frau sprach ( ihr erinnert euch?). Quintessenz war: Es fühlt sich so an als wäre man nicht weiter, man ist es aber.

Aber was ich an dem Kreislauf des Lebens und auch an meiner Borderline Störung einfach nicht verstehen will, ist die Tatsache, dass ich Menschen immer wieder so schnell vertraue. Ich glaube ihnen so schnell. Bin dabei so unglaublich naiv. Denke immer wieder aufs neue : dieses Mal wird es anders. Dieses Mal verliere ich nicht. Dieses Mal bin ich für den anderen wirklich mehr wert als ein bisschen Spaß . Die Menschen brauchen nur die richtigen Worte finden. Liebevolle Worte, die meine Selbstzweifel für den Moment auffressen, mir Hoffnung geben und dann gebe ich nach. Weil ich einfach hoffe. Hoffe, dass diese Person es diesmal wirklich so meint, wie sie es sagt. Ich gebe nach. Die Menschen kriegen von mir, was sie wollen. Auch Menschen, die mir schon 3,4,5…10 Mal weh getan haben. Ich habe Angst, aber hoffe. Also kriegen sie was sie wollen.

Danach hoffe ich inständig, dass ich diesmal nicht „falsch entschieden“ habe. Dass der Kreislauf der Angst immer nur zu verlieren endlich aufhören kann. Weil es diesmal wirklich ernst gemeint war. Und was soll ich sagen? Natürlich nicht. Natürlich nicht.

Wie konnte ich das auch denken? Wie konnte ich nur wieder so naiv sein? Wie konnte ich mich und mein verletzliches Herz nur wieder so leicht hergegeben? Ich hätte es besser wissen müssen. Nein. Ich muss (!) es besser wissen.

Und da stehe ich nun. Wiedereinmal.. Voller Angst. Und Wut. Auf mich. Auf die Menschen. Selbstzweifel inklusive. Voll in meinem schwarz. Das alles nur weil ich mich wieder einmal für meinen Geschmack etwas zu naiv eingelassen habe. Habe es zwar vorher geschafft meine Ängste zu artikulieren. Zu kommunizieren, dass ich mir sicher sein möchte, dass ich nicht wie sonst fallen gelassen werde. Habe den Mut aufgebracht. Verständnis entgegen gebracht bekommen. Und es passiert trotzdem.

Danke für nichts und wieder nichts.

Keine Ahnung wie ich so überhaupt beständiges Vertrauen entwickeln soll. Beständiges Vertrauen in andere. In mich. In die Liebe.

Es ist einfach genauso wie der Rest meines Lebens. Ein scheiß Kreislauf. Und ein ständiger Kampf. Beginnend bei der Angst fallen gelassen zu werden. Gepaart mit Hoffnung, dass es diesmal anders ist. Stetig begleitet von der Angst, dass ich mich doch täuschen könnte und dem Mut dann doch wieder zu vertrauen. Um am Ende wieder enttäuscht zu werden und die Angst vom Anfang nur wieder gefüttert zu haben.

Angst. Hoffnung. Mut. Angst. Enttäuschung. Angst.

Man mag’s kaum glauben, aber: heute mag ich Menschen nicht. Und mich auch nicht.

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