Borderline und Empathie.

Da bin ich wieder 🙂

Habe mir gestern eine kleine Auszeit genommen. Habe nach der letzten Sitzung einiges zu verarbeiten. Haben eine kurz vor der Sitzung aufgetretene Situation analysiert und versucht herauszufinden welche Gefühle warum aktiviert wurden. Seit der Sitzung träume ich wieder. Und wache häufiger mit Angst auf. Das zeigt mir, dass mein Unterbewusstsein arbeitet. Also bin ich etwas achtsamer mit meinen Gedanken. Eine positive Sache der letzten Tage: An die basische Ernährung gewöhne ich mich mehr und mehr. Vorgestern habe ich gecheatet. Und muss sagen, trotz Bauchschmerzen: Die Gummibärchen waren lecker 🙂

Ich möchte heute über eine meiner Stärken berichten.Auch wenn es heißt, dass Borderline-Patienten häufig Empathie fehlt, kann ich von mir sagen, dass ich ein sehr empathischer Mensch bin. In stressbedingten Situationen kann dies schonmal aussetzen aber grundsätzlich bin ich ein sehr einfühlsamer Mensch. Ich kann mich wirklich gut in andere Menschen hineinversetzen. Meine Freunde sagen mir oft, wie toll sie das finden. Und meine Mama hat mir schon mehrmals gesagt, dass ich schon früh gewisse „Fühler“ für die Empfindungen anderer hatte. Ich mag diese besondere Sensibilität für Gefühle wirklich sehr.

Ich bin eine treue Freundin und ohne Zweifel für meine Liebsten da. Ich schaffe es ihnen Herzens-Ratschläge zu geben und merke schnell, wenn beim anderen etwas nicht stimmt. Hierbei wundert es mich oft, dass ich dies sogar via Telefon über mehrere Kilometer Distanz schaffe. Aber da habe ich einfach dieses Bauchgefühl. Und oft ist es verlässlich. Ich bin durch meine Krankheit darauf gepolt Gefühle intensiver zu empfinden. Ich kenne Gefühle in Extremen. Ich kenne Gefühle ohne Extreme. Dadurch und durch das Wahrnehmen meiner eigenen Krisen bin ich dafür sensibilisiert Verhaltensänderungen bei meinem Gegenüber schneller zu bemerken. Und auch wenn ich mir dabei manchmal wünsche die Gefühle der anderen etwas weniger als meine anzunehmen, bin ich sehr froh, diese Fähigkeit zu haben.

Denn diese Eigenschaft macht mich – so sagen viele – zu einem sehr liebenswerten Menschen. Man kann immer auf mich zählen. Ich habe ein gutes Gespür dafür, was der andere gerade braucht. Und ich bin ehrlich. Denn durch die Impulsivität der Borderline-Störung denke ich manchmal erst nach dem Sprechen. Das ist nicht immer sooo vorteilhaft, aber zumindest bin ich dabei immer ehrlich. Insbesondere was meine Meinungsäußerung angeht. Ich verstecke mich nicht dahinter. Meine Freunde wissen, dass ich ihre Gefühle nachzuvollziehen versuche, ihnen dabei aber nicht unbedingt das sage, was sie hören wollen. Ich sage ihnen auf eine liebevolle Art und Weise, was ich denke.

Durch meine Therapie lerne ich außerdem bestimmte Gefühle besser zu differenzieren. Ich lerne mein eigenes Verhalten besser zu beobachten und auch zu verändern. Dieses Wissen kann ich weitergeben. Ich denke auch das tut meinen Mitmenschen oft gut. Weil die Worte wie bereits gesagt ehrlich und direkt aus meinem Herzen kommen.

Ehrlichkeit und Empathie. Meine größten Stärken . Gleichzeitig sicherlich auch manchmal Schwächen, wenn sie in Extremen oder impulsiven Momenten auftreten, aber eigentlich ganz wundervolle Eigenschaften, die ich niemals missen möchte. Und für die ich dieser Borderline-Störung sehr dankbar bin.

Das intensive Gefühlsempfinden ist also nicht immer nur etwas schlechtes. Es bereichert uns auch. Weil wir die Gefühle Anderer in ruhigen Momenten viel besser wahrnehmen können als andere Menschen.

2 Kommentare zu „Borderline und Empathie.

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