Von neuen und alten Verhaltensmustern. Dem Allein-Sein. Und wie schwer das eigentlich ist.

Guten Morgen 🙂

Wollte diesen Beitrag eigentlich gestern Abend absenden, bin dann aber schlafen gegangen. Meine letzten Nächte waren wieder etwas besser. Nehme jetzt ein homöopathisches Mittel, was mir etwas hilft den Kopf runter zu fahren.

Gestern morgen hatte ich nach 3 Wochen endlich wieder eine Therapiesitzung. Per Video. Ab nächster Woche kann ich endlich wieder in die Praxis. Die „schlaue Frau“ hatte 2 Wochen Urlaub. Mehr als verdient. Denn ich ziehe meinen Hut vor Leuten, die sich jeden Tag von morgens bis abends mit den Psychen anderer beschäftigen. Wirklich.

Trotzdem waren die 3 Wochen für mich echt hart. Ich habe ungefähr nach der Hälfte gemerkt, wie ich langsam aber sicher in meine alten Muster zurück falle. Die sagen mir, dass ich es gar nicht aushalten kann „alleine“ zu sein. In diesem Fall bedeutet alleine sein ohne Partner zu sein.

Vor meiner Therapie habe ich mich viele Jahre in jede Möglichkeit mit einem Menschen eine Bindung einzugehen verrannt. Ich wollte es immer unbedingt. Sofort. Konnte meinem Kopf immer irgendwie weis machen, dass diese Bindung „nun wirklich anders ist“ , es „sich wirklich wie Liebe anfühlt“ und ich eben „nicht nur nicht alleine sein will“. Dieses mal ist es „etwas ganz besonderes“.

Naja. Rückblickend lässt sich sagen: Den Großteil der Bindungen bin ich sehr wahrscheinlich nur eingegangen um nicht alleine zu sein. Habe ich in den Momenten nur nicht so wahrgenommen. Das kommt erst jetzt in der Therapie. Trotzdem sage ich: Ich habe meine Partner geliebt. Vielleicht nicht von Anfang an und vielleicht nicht so, wie andere es tun, aber ich habe es. Auf meine Art und Weise. Borderliner lieben anders. Ich hatte auch Kribbeln im Bauch. Ich hatte auch Gefühle. Ich fühlte mich auch genauso zu den Menschen hingezogen, wie sie zu mir. Nur irgendwie schneller und intensiver als andere. Ohne vorher abzuwägen ob es wirklich „passt“.

Jedenfalls, so habe ich es ja auch schon in meinem ersten Beitrag berichtet, schaffe ich es seit der letzten Trennung zumindest mehr wahrzunehmen, was ich eigentlich fühle und möchte. Vor allem aber was ich brauche. Ich verrenne mich nicht mehr so schnell in belanglose Geschichten. Darauf bin ich stolz. Hätte selbst nicht geglaubt, dass ich mal an einen Punkt komme, wo ich mich aktiv gegen eine Bindung entscheiden kann. Auch wenn es bisher mehr aus Angst passiert, ist es immerhin ein Fortschritt.

In den letzten drei Wochen ohne Therapie habe ich allerdings gemerkt, dass sich meine Selbstwahrnehmung verringert hat. Einige meiner alten Gedankenmuster haben sich eingeschlichen. Und auch wenn ich diese wahrgenommen habe, habe ich es trotzdem nicht geschafft sie wie sonst zu anzunehmen und anschließend wegzuschieben. Habe mich ihnen eher wieder hingegeben.

Als meine schlaue Frau mir das gestern dann nochmal vor Augen geführt hat (auf eine einfühlsame Art selbstverständlich) traf mich die Realität wie ein Schlag ins Gesicht. Wie gesagt: Mir war schon klar, dass ich mich die letzten zwei Wochen wieder meinen alten Mustern hingezogen gefühlt habe. Aber wenn’s dir nochmal jemand vor Augen hält und dir das dann bewusst wird… dann fühlst du dich erstmal ertappt. Auch irgendwie von dir selbst. So als hättest du dich erfolgreich selbst hintergangen die letzten zwei Wochen.

Das „positive“ daran: Wir haben ein neues altes Thema, an dem wir jetzt arbeiten können. Und ich habe Angst davor. Weil mir meine alten Muster vermeintliche Sicherheit und Struktur bieten. Ich kenne vieles auch gar nicht anders. Beispielsweise Thema Beziehung: Keine Ahnung wie sich unbeschwerte Liebe anfühlen soll. Ich dachte immer so wie ich fühle ist es „richtig“, dachte eben das sei „Liebe“ .

Ich meine…kann es nicht einfach so bleiben wie es ist? Ich zerdenke nicht jeden Gedanken und jedes Gefühl und dann passt es halt oder eben nicht.

Naja. Nein. Kann es nicht. Denn als ich gestern mein Ziel formulieren sollte hieß dieses:

Ich möchte eine harmonische Beziehung führen können.

Und dafür habe ich schlichtweg keine alten funktionalen Gedankenmuster, auf die ich zurückgreifen kann. Denn das habe ich noch nie geschafft. Dabei möchte ich es. Vor allem nicht mit irgendjemandem, sondern mit einer Person, die passt. Also müssen neue Muster her. Und dafür muss ich auf mein Gefühl hören und mich nicht von meiner Einsamkeit einnehmen lassen . Und weil gerade genau das eine meiner größten Baustellen in Beziehungen ist, macht es mir so unfassbar viel Angst.

Es fühlt sich gerade so an, als würde ich mir selbst etwas wegnehmen müssen. Und ich habe noch keine Ahnung wodurch ich es ersetzen soll. Denn so wirklich alleine war ich selten. Jahrelang dauerhaft in Beziehungen. Und wenn nicht, dann gab es immer jemanden, der mir zumindest ab und zu mal Interesse entgegen gebracht hat.

Dass das alles nur ein Bewältigungsverhalten für ein anderes in mir schlummerndes Gefühl ist, lerne ich erst jetzt. Also muss ich nun mit Hilfe meiner schlauen Frau versuchen das Gefühl besser zu erkennen. Es dann zu akzeptieren. Und schließlich neue Muster entwickeln, wie ich elbständig damit umgehe, wenn es auftritt. . . Viel Arbeit. Die mit viel Angst verbunden ist.

Manchmal wünschte ich mir echt es gäbe eine klare Trennung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Dann wäre es vieles (zumindest für den Moment) einfacher. Und ich müsste nicht dauernd wieder und wieder Gedankenmuster aus der Vergangenheit aufarbeiten. Geht aber nicht.

Denn eins ist klar: Ich will es schaffen. Ich möchte die Fortschritte weiterführen und nicht „irgendjemanden“ lieben nur um nicht alleine zu sein. Und wenn ich liebe, dann möchte ich, dass es überwiegend harmonisch ist. Anders als bisher. Mit neuen Gedanken- und Verhaltensmustern.

Also: keep on going. Veränderung beginnt am Ende der eigenen Komfortzone.



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