Hä? Like Waves in the Ocean? Meine Gefühle in schwarz/weiß.

So.

Nachdem ich heute früh 3 Stunden damit verbracht habe diesen Blog einzurichten habe ich mir eine kleine Auszeit genommen. Ich wollte mit dem Rad meine Eltern besuchen, habe mich dann aber doch für’s Auto entschieden (innerer Schweinehund und so). Jedenfalls hatte ich eine Menge Zeit mir zu überlegen, über was ich in meinem ersten richtigen Blog-Eintrag schreibe.

Ich liebe Metaphern. Deswegen ist der Name meines Blogs auch eine. Durch die Borderline-Störung trifft mich jedes Gefühl wie eine Welle im Meer. Und ich weiß nie, welcher Wellengang sich gerade anbahnt. Während ich in einem Moment noch fröhlich und glückselig am Strand stehe, kann mich die nächste Welle verschlucken und nach Luft ringen lassen.

Das intensive Gefühlsempfinden wird häufig auch als „Schwarz-Weiß-Denken“ bezeichnet. Es zählt zu einem der Hauptaspekte von Borderline-Störungen. Einfach ausgedrückt bedeutet es:

Ich empfinde Gefühle ziemlich oft in Extremen. Es geht mir also entweder extrem gut, oder es geht mir extrem schlecht. Ich bin in dem einen Moment total euphorisch, fast beflügelt vor Glück und kann im nächsten Moment ziemlich wütend, einsam oder traurig sein. Das Problem dabei ist, dass zwischen diesen Emotionen manchmal nur Minuten liegen. Und es geht mir oft nur gut, wenn ich ein intensives Gefühl empfinde. Ansonsten fühlt es sich falsch an. Dies ist für meine Mitmenschen oft anstrengend. Für mich ist es das auch, aber anders anstrengend. Dazu würde ich allerdings gerne in zukünftigen Einträgen ausführlicher berichten.

Fakt ist: Jedes Gefühl trifft mich wie eine Welle im Meer. Wie eine extrem hohe Welle, die mich entweder fasziniert oder verängstigt. Kein Gefühl kommt einfach an, wird von mir erkannt und abgehakt.

Und hier fängt der Punkt an, an dem ich denke:

„Es ist für niemanden je still. Jeder Mensch kämpft mit seinen Gefühlen. Es ist doch nichts außergewöhnliches. Jeder ist mal wütend. Oder über eine längere Zeit traurig. Nicht jeder kann seine Gefühle verstecken. Das ist alles ganz normal“ – Ja, stimmt.

Doch der Unterschied zwischen mir und Menschen, die ihre Emotionen weitesgehend regulieren können ist folgender:

Mein Gefühl nimmt mich ein. Es ist intensiv. Es hat Macht. Es bestimmt mein Handeln. Und ich will und kann in dem Moment nichts anderes empfinden. Alle Versuche meiner Freunde/Familie prallen an mir ab. Ich werde gemein. Distanziert. Ich vermittel ihnen das Gefühl von Gleichgültigkeit. Ich verletze sie. Ich stoße sie ab. Und ja – ich habe viele Freunde dadurch verloren. Die meisten allerdings zu der Zeit als ich noch nicht wusste, wie ich anderen meine Krankheit erklären soll.

Aber ich habe auch gemerkt, dass die Freunde, die geblieben sind und die, die neu dazu gekommen sind heute umso wichtiger für mich sind. Ich liebe sie. Wenn ihr dies lest: Ich liebe euch.

Im Moment ist es so: Es gibt viele Tage, an denen es kaum Wellen gibt, die mich überfluten. Ein Grund dafür ist sicher folgender: Ich bin derzeit single. Also: weniger Potenzial für extrem negative zwischenmenschliche Gefühle. Zumindest in meinem Fall. Denn mich hat die Borderline-Persönlichkeitsstörung bisher am meisten in Partnerschaften in ihren Bann gezogen Auch dies ist meist „typisch“.

Und trotzdem, und das ist der Unterschied zu „gesunden“ Seelen: fehlt mir immer öfter das intensive Gefühl. Ein Kick. Am liebsten würde ich dieses in Form von Freude (wie z.B. beim Verliebt-Sein) empfinden. Dies kann ich aber nicht so leicht herbeiführen.

Also zieht mich mein Kopf immer öfter in negative Gefühle wie Wut und Trauer. Ist scheiße, ja. Aber intensiv. Heißt das Bedürfnis meines Kopfes wird erstmal befriedigt. Der neutrale Zustand muss nicht ausgehalten werden, ich begebe mich in das „schwarze Denken“. Da fühle ich mich wohler als im grau. Grau ist das Mittelding, das neutrale Gefühl. Wo alles okay ist. Aber meine Krankheit hasst dieses grau. Ich persönlich wünsche mir, dass ich es irgendwann lieben kann. Aber im Moment bin ich noch nicht so weit.

Was ich nach 2,5 Jahren Therapie in meiner Jugend sowie einer weiteren aktuell laufenden Therapie allerdings schaffe, ist, zumindest manchmal bestimmen zu können wie hart mich eine Welle trifft – wie intensiv ein Gefühl auf mich einprallt. Und das sehe ich bereits als wichtigen Fortschritt an.

Es gibt so viel, was ich mit euch teilen möchte. Euch mit auf den Weg geben möchte. Doch für heute mache ich Schluss. Das war anstrengend. Und gleichzeitig befreiend.

Bis die Tage!

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